Big Data 2015

Industrie 4.0 kurbelt Big-Data-Markt an

Interview mit Jan Wemmel, Sales Director bei Arvato Systems in Gütersloh, über den aktuellen Stand hiesiger Big-Data-Projekte

Jan Wemmel, Arvato

„Big-Data-Projekte haben wir bereits im Umfeld von SAP Hana sowie mit Oracle-Lösungen umgesetzt“, so Jan Wemmel von Arvato Systems.

IT-DIRECTOR: Herr Wemmel, wie wird sich die Nachfrage nach Big-Data-Projekten 2015 entwickeln?
J. Wemmel:
In den unterschiedlichen Unternehmensbereichen, in denen jetzt schon Daten verarbeitet werden, wird sich die Datenmenge sicher weiter erhöhen. Die fortschreitende Digitalisierung der Geschäftsprozesse und Produkte sowie die Möglichkeit, Daten aus neuen Quellen im Geschäftsprozess oder aus Produkten zu erschließen, erhöhen die Komplexität massiv. 2015 wird deswegen auch ein Jahr werden, in dem wir über Daten-Ecosysteme z. B. im Rahmen von Industrie 4.0, Smart Data und Machine-to-Machine (M2M) sprechen werden.

Auf der operativen Seite wird das Integrieren und Verarbeiten heterogener Datenquellen und -strukturen umfangreicher und komplexer. Das Wachstum dieser Datenmenge ist zudem sehr hoch. Gegenläufige Entwicklungen, bei denen die Datenmengen durch sensor- oder quellennahe Vorverarbeitung reduziert werden, gibt es noch zu wenig in der Praxis. Deswegen werden auch dieses Jahr flexible und skalierbare IT-Lösungen in Kombination mit „Data Scientists“ notwendig sein, um die Big-Data-Projekte unterstützen zu können. In Summe kann davon ausgegangen werden, dass 2015 mehr Projekte mit Big-Data-Anforderungen durchgeführt werden. Bis 2019 wird der Markt dann nach Schätzungen von Experton auf ein Volumen von ca. 3,2 Mrd. Euro wachsen, wir befinden uns demnach in den folgenden Jahren mit ca. 24 Prozent pro Jahr in einer prognostizierten Wachstumsphase.

IT-DIRECTOR: Die Unternehmen welcher Branchen arbeiten bereits mit Big-Data-Analysen?
J. Wemmel:
Unserer Einschätzung nach gibt es in unterschiedlichsten Branchen einzelne Leuchtturmprojekte. Es gibt derzeit jedoch wenige Unternehmen oder Branchen, die Big Data mit allen Anforderungen an Volume, Variety, Velocity sowie Analyse umfangreich einsetzen.

Großes Potential liegt sicherlich in der Fertigungsindustrie. Durch neue Technologien und Industrie 4.0 entstehen hier neue Daten, die wiederum den Big-Data-Markt ankurbeln. Die Hersteller stehen vor den Herausforderungen sich ändernder Anforderungen sowie der Internationalisierung. So müssen Entscheidungen innerhalb einer weltweiten, vernetzten Fertigung auf Basis von schnellen, fundierten und vor allem vollständigen Informationen getroffen werden. Hier wird der Big-Data-Einsatz künftig stark zunehmen. Weiterhin werden einige Unternehmen einen „Datenüberschuss“ haben und damit Daten besitzen, die für andere Organisationen werthaltig sind. Wenn beispielsweise Mähdrescherbetreiber ihre Geodaten mit Daten zur Düngung und Erntequalität verknüpfen, ergeben sich wertvolle Informationen u. a. für Saatguthersteller. Der Betreiber von Mähdreschern kann damit zum Datenhändler werden.

IT-DIRECTOR: Was denken Sie, welche Technologien im Big-Data-Bereich am häufigsten zum Einsatz kommen?
J. Wemmel:
Da werden sich im wesentlichen zwei Technologiekonzepte durchsetzen. Auf der einen Seite die mehr oder weniger offenen Frameworks, z.B. Hadoop, die in sehr speziellen Bereichen hoch individualisiert angepasst und genutzt werden können. Auf der anderen Seite verspricht man sich durch den Einsatz von hoch standardisierten Produkten, wie SAP Hana, einen schnellen Einstieg in die Big-Data-Welt. Außerdem wird es für ganz spezielle Einsatzzwecke spezialisierte Produkte geben, die gegebenenfalls sogar branchen- oder prozessspezifisch ausgeprägt sind.

IT-DIRECTOR: Welche Lösungen und Services bietet Sie im Big-Data-Umfeld an?
J. Wemmel:
Unsere wichtigste Kernleistung ist die Beratung. Dabei kommt es uns zugute, dass wir neben der reinen IT auf das Expertenwissen der gesamten Arvato-Gruppe entlang der Wertschöpfungskette zugreifen können, von der Logistik über CRM oder Finanzdienstleistungen bis hin zum E-Commerce. Wir bieten unseren Kunden zudem gezielte Workshops an, um individuelle Bedarfe gemeinsam zu erörtern und ganzheitliche Lösungen zu finden. Konkrete Projekte haben wir etwa im Umfeld von SAP Hana sowie mit Oracle-Lösungen umgesetzt.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns ein erfolgreiches Kundenprojekt beschreiben?
J. Wemmel:
Wir haben beispielsweise für den Kunden Deutschlandcard ein Big-Data-Projekt umgesetzt. Hier herrschte ein durch neu gewonnene Partner stark steigendes Transaktionsvolumen vor. Das daraus resultierende exponentielle Datenwachstum konnte mit der bestehenden IT-Architektur nicht mehr ausreichend analysiert werden. Im laufenden Betrieb haben wir dort auf Basis von Oracle eine flexible und zukunftsfähige Lösung aufgebaut, die das Wachstum und die Geschäftsentscheidungen nachhaltig unterstützt. Im Ergebnis hat der Kunde nun nicht nur einen stabilen und sicheren Betrieb, sondern auch kürzere Bereitstellungszeiten, eine gesicherte Verfügbarkeit und Skalierbarkeit sowie Performanceverbesserungen in allen Applikationsteilen. Auch komplexe neue Anforderungen in der Analyse konnten so abgebildet werden. Damit sind unsere Kunden in der Lage, analyseunterstützte Entscheidungen schnell und sicher zu treffen.

IT-DIRECTOR: Häufig basieren Big-Data-Analysen auf persönlichen Daten. Wie ist es dabei um die Einhaltung von Datensicherheit und Datenschutz bestellt?
J. Wemmel:
Prinzipiell haben sich die Anforderungen an Sicherheit und die Gesetzgebung im Umfeld von Big Data nicht geändert. Das Einhalten der Sicherheitsanforderungen ist weiterhin eine wichtige zu lösende Aufgabenstellung und auch Managementaufgabe. Durch die umfangreichere und schnellere Analyse von Daten könnten allerdings Rückschlüsse auf Personen und deren Verhalten gezogen werden, die in der Vergangenheit so nicht möglich waren – Stichwort „gläserner Nutzer“. Das verstehen einige Unternehmen als Chance, gezieltere Geschäftsmodelle aufzusetzen (z.B. personalisiertes Marketing durch Verknüpfung von personenbezogenen Daten aus unterschiedlichen Datenquellen, wie Facebook, Shopsystem und Finanzdaten).

Hier müssen dann natürlich Gesetzgebung und Sicherheitsanforderungen genauestens eingehalten werden. Ein wichtiges Thema also, wodurch etwa zusätzliche „Protection Tools“ die Übertragung der bestehenden Datenschutzmaßnahmen auf Big Data ermöglichen.

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