Internet der Dinge und Big-Data-Analysen

Infor: Die Cloud im Fokus

Interview mit Andreas Anand, Vice President Consulting Services Europe bei Infor, über die Cloud-Strategie des Anbieters, hybride Cloud-Umgebungen sowie die aktuelle Nachfrage nach dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und Big-Data-Analysen

Andreas Anand, Infor

Andreas Anand, Vice President Consulting Services Europe bei Infor

IT-DIRECTOR: Herr Anand, inwieweit können Sie mit Ihrer Cloud Suite auch hybride Anwendungsszenarien abbilden?
A. Anand:
Wir bieten unseren Kunden verschiedene Optionen: So können sie auf Basis unserer aktuellen Produktpalette ein neues ERP-System komplett in der Cloud aufsetzen oder das bisherige ERP mit speziellen Cloud-Services unterstützen. Man spricht von hybriden Umgebungen, wenn einzelne Bereiche mit Cloud-Lösungen abgedeckt werden. Hier nutzen die Anwender oftmals CRM- oder Finanzlösungen aus der Wolke, die wir automatisiert mit vorhandenen On-Premise- oder Cloud-Lösungen verknüpfen können.

Nach wie vor können unsere Kunden allein auf „on premise“ setzen, ebenso wie auch auf hybride oder rein cloud-basierte Umgebungen. Generell steht unsere Cloud Suite für einen hohen Grad an Standardisierung und die Eignung für Prozesse verschiedener Branchen und Industrien. Desweiteren arbeiten wir mit Amazon Web Services als engen Partner für den Betrieb unserer Cloud Suite zusammen. Dabei verfügt der US-Anbieter aktuell über zwei RZ-Standorte im Frankfurter Raum sowie drei weitere Lokationen in Irland.

IT-DIRECTOR: Welche Bausteine umfasst Ihre Cloud-Strategie?
A. Anand:
Zunächst bieten wir unsere Applikationen als Software as a Service an. Darunter liegt Infor XI als Platform as a Service, worüber Big-Data-Analysen ebenso ermöglicht werden wie die Anbindung mobiler Apps oder Open-Source-Lösungen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die Cloud Suite auf bestimmte Kundenanforderungen hin angepasst werden?
A. Anand:
In der Regel reichen die von uns gebotenen Konfigurationsmöglichkeiten aus, um spezielle Prozesse der Anwenderunternehmen abbilden zu können. Denn Infor konzentriert sich darauf, industriespezifische ERP-Lösungen in der Cloud anzubieten, die schon im Standard alle gängigen Branchenprozesse abbilden. Sollte dies einmal nicht ausreichen, lassen sich auch Modifikationen der Software vornehmen. Allerdings gilt: Die meisten Kunden wählen die Cloud, weil sie bewusst auf Standardprodukte setzen wollen, um Customizing und teuren Support zu vermeiden. Überdies müssen sie dadurch auch keine eigenen Rechenzentren betreiben.

IT-DIRECTOR: Sind mittlerweile alle Infor-Produkte cloud-fähig?
A. Anand:
Noch nicht alle, aber sehr viele. Die Nachfrage ist auf jeden Fall gegeben. Denn wer heute seine ERP-Landschaft modernisieren möchte, kommt um Cloud-Services nicht mehr herum – insbesondere dann, wenn in nächster Zeit Themen wie Internet of Things (IoT, Internet der Dinge) oder Industrie 4.0 angegangen werden sollen.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich generell die Nachfrage nach Lösungen für das Internet der Dinge?
A. Anand:
Hinsichtlich IoT und Industrie 4.0 befinden wir uns aktuell in einer frühen Definitionsphase, wobei beide Begriffe aktuell eher dazu genutzt werden, bestimmte Forschungsvorhaben voranzutreiben. Zwar sehen die Verantwortlichen viele für ihr Geschäft interessante Aspekte, allerdings wollen bzw. können sie diese nicht auf einen Schlag implementieren.

Generell gibt es keine Out-of-the-Box-Lösungen für Industrie 4.0. Vielmehr basieren Industrie-4.0-Ansätze auf verschiedenen Komponenten, darunter Big-Data-Analysesysteme oder Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M).

IT-DIRECTOR: Apropos Big Data – wie sind Sie hier aufgestellt?
A. Anand:
Unsere Software Infor XI beinhaltet eigene Analysekomponenten und unterfüttert quasi als Software-Layer alle darüber liegenden Applikationen mit intelligenten Datenauswertungen. Die Lösung ermöglicht die automatisierte Anbindung verschiedener Anwendungen und liefert stets alle zur Auswertung benötigten Daten.

IT-DIRECTOR: Sie leiten die Beratungssparte von Infor. Worauf kommt es Ihrer Erfahrung nach bei der ERP-Auswahl heutzutage an?
A. Anand:
Unlängst hat das Aachener Beratungshaus Trovarit in einer Studie ermittelt, dass Benutzerfreundlichkeit zu den Top-Auswahlkriterien für rund 60 Prozent der Verantwortlichen zählt. Von daher reicht es nicht mehr aus, im Pflichtenheft allein unendlich viele Funktionalitäten abbilden zu können.

Vor diesem Hintergrund geht es uns nicht darum, immer mehr Funktionalitäten mit der Software abzudecken, sondern vor allem darum, dass die User Spaß bei der Nutzung unserer Software haben. Wir wollen Arbeitsschritte schnell und intuitiv abbilden können und arbeiten daher kontinuierlich an der modernen Oberfläche für unsere Software-Systeme.

IT-DIRECTOR: Woran scheitern aktuell viele ERP-Vorhaben?
A. Anand:
Viele Verantwortliche machen den Fehler, sich zu stark auf Pflichtenhefte zu verlassen. Sie erstellen einen Schnappschuss der gerade gegebenen Anforderungen, haken auf Basis dessen rund 1.500 Pflichten ab und entscheiden dann nach dem günstigsten Preis. Demgegenüber sollten sie sich vielmehr fragen, was sie in den nächsten fünf Jahren mit ihrer ERP-Software erreichen wollen – z.B. hinsichtlich Industrie 4.0 und dem Internet of Things – und inwieweit das ERP-System solche Entwicklungen aktiv gestalten kann. Leider stellen sich die Anwender solche Fragen noch viel zu selten.

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