IKT-Marktbilanz 2016

Informationstechnologie boomt weiterhin

Wer nach oben weisende Kurven sehen will, muss in der deutschen Wirtschaft den Blick auf den IKT-Sektor lenken.

Deutschland gilt immer noch als Industrienation - etwas übertrieben, wie ein Blick auf das Bruttoinlandsprodukt zeigt. Der Anteil der Industrie am BIP liegt in Deutschland seit 20 Jahren konstant unter 25 Prozent. Seit den 1970er Jahren sind ganze Branchen weggebrochen. So hat sich zum Beispiel der Anteil der Metallindustrie am Bruttoinlandsprodukt seit dieser Zeit mehr als halbiert.

Auch scheinbar zukunftssichere Branchen wie die Elektroindustrie schwächeln, hiervon ist den Jahren seit 1990 nur noch wenig mehr als die Hälfte übriggeblieben. Sogar der Prestigesektor Maschinen- und Anlagenbau musste herbe Verluste hinnehmen und betrug 2009 nur noch mit drei Prozent zum BIP bei.

100.000 IKT-Firmen erwirtschaften 160 Milliarden Euro

Wer Wachstum sehen will, muss den Blick auf den Bereich der Dienstleistungen, aber auch die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) drängen. Denn die IKT-Branche ist inzwischen zu einem entscheidenden Teil der deutschen Wirtschaft geworden. Knapp unter 100.000 Unternehmen werden zu diesem Sektor gezählt, von denen gut 90 Prozent IKT-Dienstleistungen liefern. Und die Zahl der Unternehmen wächst, beispielsweise von 2013 bis 2014 um mehr als 13 Prozent. Die Verteilung der Unternehmen nach Größe ist dabei ähnlich wie in der Gesamtwirtschaft.

Den größten Anteil haben kleinere Unternehmen, die bis zu 250.000 Euro Umsatz machen: Es sind etwa 64.000. Dazu gehören regionale IT-Dienstleister, aber auch kleinere IT- und Digitalberatungen sowie Entwicklerbüros. Wirklich große Unternehmen, die mehr als 150 Millionen Euro Umsatz machen, sind selten: Es gab nach offizieller Zählung im Jahr 2014 lediglich 17 Stück, darunter die hinlänglich bekannten Namen wie SAP, T-Systems, Telekom und Vodafone. Und nur diese vier Unternehmen des IKT-Sektors gehören zu den Top 100 der deutschen Wirtschaft nach Umsatz.

Der IKT-Anteil an der Gesamtwirtschaft steigt stetig. So sind inzwischen etwas mehr als einer Million Menschen in dieser Branche beschäftigt und sie erwirtschaften ein Marktvolumen von mehr als 160 Milliarden Euro. Der eigentliche Wachstumstreiber ist dabei die Informationstechnologie im engeren Sinne: Sie erwirtschaftet 84 Milliarden Euro. In den letzten Jahren sind vor allem die Geschäfte der Softwareanbieter gewachsen. Hier gibt es Wachstumsraten, die um sechs Prozent pro Jahr pendeln. Auch die Umsätze mit IT-Services wachsen stetig, wobei die Wachstumsrate selbst noch zulegt, auf jetzt 2,7 Prozent. Nach Ansicht von Experten spiegeln sich hier vor allem die zunehmenden Aufträge von Unternehmen durch die digitale Transformation wieder.

Mehr als eine Million Menschen arbeiten in der IKT-Branche

Auch der IKT-Arbeitsmarkt sieht gut aus. Er ist inzwischen der zweitgrößte Einzelmarkt für Arbeitskräfte, nur noch übertroffen vom Maschinenbau. Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass auch hier Software und IT-Services die Nase vorn haben: Sie beschäftigen mehr als 800.000 Menschen. Das Wachstum in der Beschäftigung wird im Wesentlichen getragen durch stetige Neueinstellungen in diesem Bereich. Auch wenn die Prognose für 2016 von einem etwas geringeren Wachstum ausgeht, so zeigt doch der Trend nach oben.

Immerhin konnte das Wachstum bei Software und IT-Dienstleistungen die Arbeitsplatzverluste der letzten Jahre in den Teilbereichen Consumer Electronics, IT-Hardware und Telekommunikation mehr als ausgleichen. Allein schon diese Entwicklung zeigt, welche Trends in den nächsten Jahren zu erwarten sind.

Diese Tendenz zeigt sich europaweit, wie eine aktuelle Studie des globalen Branchenverbands „BSA – The Software Alliance“ zeigt. Danach trägt allein die Software-Branche mit 910 Milliarden Euro oder 7,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der EU bei. Auch die Anzahl der Beschäftigten in Europa beeindruckt: 11,6 Millionen Jobs gibt es. Das entspricht ungefähr der gesamten Bevölkerung von Belgien oder 5,3 % aller Jobs in der EU.

20.000 neue Arbeitsplätze, 51.000 offene Stellen

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt führt nach Erhebungen des Branchenverbandes Bitkom dazu, dass es derzeit etwa 51.000 offene Stellen für IT-Spezialisten geben soll, ein Anstieg um fast 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Ermittelt wurden die Zahlen anhand einer Befragung von 1.500 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen von Unternehmen aller Branchen, die IT-Jobs anbieten.

Angesichts ihrer Höhe wirkt die Anzahl der offenen Stellen auf viele Leute ein wenig unrealistisch, doch sie haben einen plausiblen Hintergrund: IKT-Unternehmen, aber auch Firmen aus anderen Branchen erhöhen ihre Aufwände für Cloud Computing sowie IT-Sicherheit. Hinzu kommt, dass sich viele digitale Tools wie CRM, ERP oder Business Analytics immer stärker durchsetzen. Außerdem weiten mehr Unternehmen im produzierenden Gewerbe ihre Angebote im Bereich Software aus - eine inzwischen deutliche Entwicklung durch das Internet der Dinge.

An der Spitze der Nachfrage sind deshalb seit Jahren die Software-Entwickler. Sie werden vor allem in den Bereichen Big Data, Cloud Computing, mobile Apps und Industrie 4.0 gesucht. Interessant ist dabei, dass ungefähr 60 Prozent der Jobs in Non-IT-Branchen angeboten werden. Nicht jede der offenen Stellen ist neu geschaffen, aber Bitkom geht davon aus, dass 2016 mindestens 20.0000 neue Arbeitsplätze in IT-Berufen entstehen werden.

Bildquelle: Thinkstock

Links zum Thema:

Das statistische Bundesamt zur IKT-Branche 2014

Die Software-Studie der BSA.

Bitkom-Statistik zu den Erwerbstätigen in der IKT-Branche

Bitkom-Statistik zum Marktvolumen der IKT-Branche

Bitkom-Statistik zu den offenen Stellen für IT-Fachkräfte

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok