Cloud Computing

Intelligente Entörtlichung

Anbieter wie Microsoft werben mit Computerleistungen zum Mieten: Stecker rein und die IT-Services kommen. Bei Clouds für staatliche Einrichtungen ist aber mehr nötig.

Cloud Computing

Intelligente Entörtlichung

Trendforscher haben es gut: Sie schwärmen aus, fragen “Was machen Sie denn da?” und wenn auffällig oft bestimmte Themen genannt werden - voilà, ein Trend. So hat es der stark nach Gartner-Englisch klingende Begriff “Public Sector Cloud Computing” auf die Liste der aktuellen Trends geschafft.

Gemeint ist damit: Öffentliche Verwaltungen wie Kommunen, Landes- und Bundesbehörden nutzen Cloudservices für ihre Aufgaben, anstatt alles mit eigenen Servern und Rechenzentren zu erledigen. Das lockt natürlich kommerzielle Anbieter auf den Plan. Auch Microsoft mischt mit und hat beim oben erwähnten Trendguide mitgearbeitet.

Cloud Computing sei der wichtigste IT-Trend in Wirtschaft und Gesellschaft, meint Dr. Marianne Janik von Microsoft. Sie ist in der Geschäftsleitung für den öffentlichen Sektor verantwortlich und nennt zwei Gründe für den Cloud-Trend: Einerseits gelte es, den Spagat zwischen wachsenden Aufgaben und sinkenden Budgets zu bewältigen. Andererseits gebe es die Möglichkeit, einen verbesserten Service zu schaffen.

Der Trendguide stellt eine ganze Reihe von Cloud-Projekten öffentlicher Verwaltungen vor, von denen nur ein Teil in Deutschland beheimatet ist. Die immerhin 21 Projekte sind allerdings nur Leuchttürme. Öffentliche IT nutzt bislang in erster Linie eine traditionelle Architektur mit Tendenz zu Insellösungen. Verstärkt wird dies auch durch die föderale Struktur der Behörden.

Pilotprojekte mit Mehrwert

Ein typisches Beispiel für eines der Vorreiterprojekte ist eine Kommunikationsplattform für Studenten an der Universität Paderborn. Der webbasierte Service erleichtert die Kommunikation auf dem Campus und bietet rund 14.000 Studenten ein E-Mail-Konto mit Exchange-Funktion sowie zahlreiche Zusatzdienste, die das zeit- und ortsunabhängige Lernen und die Gruppenarbeit erleichtern.

Ebenfalls der Kommunikation dient der Sonderinformationsdienst Baden-Württemberg. Die skalierbare Azure-Lösung informiert die Bevölkerung im Krisenfall rund um die Uhr. Beispiele für den Einsatz des Dienstes sind Flugzeugunglücken, Hochwasser oder Epidemien. Gerade in diesen Situationen sind Informationen gefragt, ohne dass die Systeme aufgrund der hohen Nachfrage zusammenbrechen - eine Chance für Cloudservices, ihre Stärken auszuspielen.

Auffällig an den verschiedenen Diensten, auch in anderen Ländern: Es handelt sich hierbei um Randgebiete, das Kerngeschäft der hoheitlichen Aufgaben wird nicht in die Cloud ausgelagert. Dr. Johann Bizer, Vorstandsmitglied des IT-Dienstleisters Dataport hält den Einsatz kommerzieller Clouds in diesen Bereichen auch für kaum denkbar. Statt dessen wird bei dem Dienstleister und Rechenzentrumsbetreiber für öffentliche Verwaltungen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen eher in Richtung einer “Private Cloud” für den “Public Sector“ gedacht.

“Bei öffentlichen Aufgaben muss es immer einen lokalen Standort geben”, betont Bizer, der als ehemaliger stellvertretender Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein kommerzielle Cloudservices für die Kernbereiche der öffentlichen Verwaltung wie  Personal, Haushalt, Polizei, Justiz und Steuern sehr kritisch bewertet. “Der Rechtsrahmen der IT einschließlich des Datenschutzes müssen gewährleistet werden. Die Anforderungen an die Datensicherheit sind im Grunde nur mit dem Betrieb der IT in öffentlich-rechtlicher Regie zu erfüllen.”

Kommerzielle Anbieter seien nur im Spiel, wenn es um Mehrwertdienste der öffentlichen Verwaltungen geht. Bizer nennt ein Beispiel: “Das Angebot von speziellen Beteiligungsplattformen etwa für Planungsprozesse kann  von privaten RZ-Anbietern kommen, vorausgesetzt sie halten sich an den deutschen Rechtsrahmen.”

Mehr Effizienz im Rechenzentrum

Ein weiteres Beispiel ist von Dataport als Pilotprojekt auf der Azure-Plattform getestet worden: Eine "Government CloudMail" könnte Infrastrukturen, Plattformen und Anwendungen ganz einfach und in Echtzeit als Service über das Internet bereitstellen, verwalten und nach Nutzung abrechnen. Dies wäre schon eine recht weit gehende Lösung, die aber auch die Kernbereiche der Verwaltungs-IT nicht direkt betrifft.

Bei Cloudservices denkt Bizer eher an Cloud Computing als Technologie, die zur Effizienzsteigerung der eigenen Rechenzentren genutzt wird. Es gibt ohnehin bereits zahlreiche Kooperationen und Rechenzentrumsverbünde bei den öffentlichen Verwaltungen. Da wäre es nur logisch, die Zusammenarbeit von verschiedenen öffentlichen Dienstleistern mit Hilfe von Cloud-Technologien voranzutreiben.

”Das ist in der öffentlichen Verwaltung aber nicht so einfach”, schränkt Bizer ein. Das größte Hindernis auf dem Weg in die Cloud ist die heterogene und gewachsene IT-Infrastruktur in den Ländern, aber vor allem den Kommunen. “Nur wenige der in der öffentlichen Verwaltung eingesetzten Programme erfüllen heute die Voraussetzungen, um sie in einer Cloud zu betreiben: Die Anwendungen müssen rechenzentrumsfähig, mandantenfähig und browser-orientiert sein.”

Anders gesagt: Vor dem Kostensparen mit der Cloud muss erst einmal in die Erneuerung der IT investiert werden. Und das wird bei der Lage der öffentlichen Kassen nicht einfach. “Wir stehen da erst am Anfang eines lang andauernden Prozesses”, sagt Bizer. Doch er ist sicher: “Cloudservices werden den Trend der öffentlichen Verwaltung beschleunigen, die IT-Unterstützung für Verwaltungsprozesse intelligent arbeitsteilig zu organisieren. Es geht unter anderem darum, Shared-Servicezentren zu entwickeln und Teile der Fachverwaltung zu entörtlichen”.

Bildquelle: Aka/pixelio.de

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