Nationaler IT-Gipfel in Essen

Intelligente Vernetzung als Leitgedanke

Gestern lud der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, zum Nationalen IT-Gipfel in das Thyssenkrupp-Quartier nach Essen. Präsentiert wurden den Besuchern aus Behörden, Wirtschaft und Medien aktuelle Studien sowie Ergebnisse der verschiedenen Arbeitsgruppen der Initiative.

  • Nationaler IT-Gipfel

    Rundgang auf dem Nationalen IT-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

  • Diskutierten über mobile Sicherheit: Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe und Karl-Heinz Streibich (re.), Vorstandsvorsitzender der Software AG

Auf den bereits erreichten Zielen der vergangenen sechs Jahre, wie dem flächendeckenden Breitbandausbau innerhalb Deutschlands, will sich die Initiative laut Philipp Rösler jedoch nicht ausruhen. Vielmehr forderte er in seiner Auftaktrede hinsichtlich des Internetzugangs eine einheitliche Regulierung auf EU- bzw. gar internationaler Ebene.

Ein weiteres zentrales Thema der Veranstaltung war die "Intelligente Vernetzung" beispielsweise im E-Government, im Energiesektor mit Hinblick auf die angestrebte Energiewende 2020 sowie im Gesundheitswesen. Gerade bei letzterem habe die elektronische Gesundheitskarte einen guten Anfang gemacht, es bleibe aber noch viel zu tun. Rösler verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass man beispielsweise bei 2.000 hiesigen Kliniken jeweils eigene Standards für die Archivierung von Patientendaten vorfindet. Laut dem Bundesminister eine Art "Föderalismus hoch drei".

Netze für die Energiewende

Als eine Herzensangelegenheit der Gipfel-Protagonisten kam in den gestrigen Diskussionen insbesondere die intelligente Vernetzung innerhalb der Energiebranche aufs Tapet. Um die anvisierte Energiewende bis 2020 umsetzen zu können, müssen nicht nur die vier deutschen Branchengrößen, sondern auch die rund 1.000 regionalen Energieversorger gemeinsam mit der Politik an einem Strang ziehen. Wie beim Breitbandausbau seien auch hier nationale sowie EU-weite Standards das Maß aller Dinge.

Der Weg dorthin scheint jedoch noch weit. Auf die Frage, inwieweit man insbesondere die Übergangsphase hin zu intelligenten Stromnetzen meistern wolle, verwies Rösler auf die Bedeutung des Smart Metering. Demnach sollen diese intelligenten Zähler für Gas oder Strom künftig in allen Privathaushalten den tatsächlichen Energieverbrauch sowie die Nutzungszeit anzeigen.

Eine flächendeckende Verbreitung von Smart Metering gibt es hierzulande zwar noch nicht, allerdings können Unternehmen wie EnBW, MVV Energie, RWE, Vattenfall oder Yellostrom mit ersten Pilotprojekten aufwarten. Nicht zuletzt muss in Zukunft geklärt werden, wie die Stabilität der Stromversorgung im gesamten Bundesgebiet gewährleistet werden kann. An dieser Stelle geht es um Redundanz und Ausfallsicherheit der intelligenten Netze – wofür wiederum Wirtschaft und Politik in der Pflicht stehen. Denn sonst könnten in Deutschland ganz schnell die Lichter ausgehen.

Gründern unter die Arme greifen

Neben den beschriebenen Herausforderungen hinsichtlich der intelligenten Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche widmete sich der IT-Gipfel speziell den Themen Digitalisierung sowie der Gründerszene. Insbesondere die Berliner Startup-Szene wurde mehrfach als deutsches Silicon Valley bezeichnet und lobend hervorgehoben. Nicht von ungefähr, sind hier doch in den letzten Jahren insbesondere im Mobility-Umfeld viele Neugründungen aus dem Boden geschossen. Beispiele gefällig? Barcoo, Goodbeans, Madvertise oder Trademob sind nur einige davon.

Solch unternehmerisches Engagement soll künftig noch stärker von der Bundesregierung gefördert werden. Zum einen bei der Suche nach geeigneten Fachkräften – die Einführung der Blue Card zum 1. August dieses Jahres sei nur der Anfang. Zum anderen, wenn es um die Finanzierung geht. Denn nach den Worten von Philipp Rösler wären potentielle Startups bei einer Kreditvergabe gemäß den Vorgaben von Basel III von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Um dies zu verhindern, gebe es staatliche Fördermittel zum Beispiel von der Förderbank KfW. Verwiesen wurde zudem auf das Projekt Business Angels Netzwerk Deutschland e.V., welches auch 2013 der jungen Internet-Wirtschaft verstärkt unter die Arme greifen soll – etwa mit den Investitionszuschüssen des Wirtschaftsministeriums in Höhe von 150 Mio. Euro.

Ein Appstore für den Staat

Als weiterer Höhepunkt der Veranstaltung gestaltete sich der Auftritt von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am frühen Nachmittag. Und sie hatte wahrlich Neues zu berichten. Im Rahmen des Gipfels präsentierte sie erstmals das Projekt "GovApps" einer breiten Öffentlichkeit. Dahinter steckt eine mobile Webseite, über welche die Endnutzer zum einen Apps staatlicher Behörden (Stichwort M-Government) und zum anderen die von Fremdanbietern, die regionale Belange betreffen, auf ihr Smartphone oder Tablet herunterladen können.

Am Beispiel der Hansestadt Bremen lassen sich auf dem Webportal etwa eine App für die Bundesarztsuche, ein Mängelmelder, eine Bundeswehr-App oder ein Gastrofinder finden. Bislang sind auf der Plattform jedoch allein Apps für Android- und iOS-Betriebssysteme verfügbar. Dedizierte Apps für Windows Phone 7 oder gar Windows 8 sucht man (noch) vergeblich.

Ein Vorteil für die Nutzer dieser Plattform liegt darin, dass bei der Kreation des Appstores, die maßgeblich in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Fokus vonstatten ging, penibel auf die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen Wert gelegt wurde. So soll GovApps die Nutzung der Hard- und Softwarefunktionen des App-Downloads transparent machen. So dass die Nutzer durch die Darstellung von Symbolen intuitiv auf einen Blick erkennen können, welche Funktionen des mobilen Endgeräts genutzt werden – z.B. Zugriff auf die Systemeinstellungen des Geräts, Verwendung von Ortungsdiensten wie GPS oder Adress- bzw. Kalenderdaten. Überdies muss der Herausgeber einer App die Nutzung der jeweiligen Funktion stets sinnvoll begründen.

Generell gibt es für die aktuell noch in der Testphase befindliche Plattform noch einige Fragen zu klären. Etwa, welchen Fremdanbietern man neben den rund 150 aktuell verfügbaren "staatlichen" Apps man erlaubt, ihre Anwendungen auf dem "Bundes-Portal" anzubieten. Oder wer genau und nach welchen Kriterien die Sicherheit der zum Download bereitstehenden Apps überprüft. Denn dass die Sicherheit aller verfügbaren Applikationen gewährleistet ist, sollte von staatswegen nicht zuletzt dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am Herzen liegen.

Bildquelle: Software AGhttp://www.pixelio.de/

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