Leben retten und finanzielle Schäden abwenden

Intelligentes Alarmmanagement

Im Interview betont Volker Heyde, Produktmanager Healthcare Deutschland bei Mitel, die Wichtigkeit eines funktionierenden Alarmmanagements.

Volker Heyde, Mitel

„Das A und O sind eine sorgfältige Ist-Soll-Analyse und die Einbeziehung des Anwenders in die Konzeption des Alarmmanagements“, betont Volker Heyde von Mitel.

IT-DIRECTOR: Herr Heyde, welche Branchen sind besonders auf eine funktionierende Krisenkommunikation angewiesen?
V. Heyde:
Heutzutage sind alle Branchen von einem funktionierenden Krisenmanagement abhängig. Ob es um die private Wirtschaft oder den öffentlichen Bereich geht – Gefahren für Personen und Güter gibt es überall. Ein intelligentes Alarmmanagement kann Leben retten und finanziellen Schaden abwenden. Beispiele wären Amokalarm oder Maschinenüberwachung.

IT-DIRECTOR: Inwieweit befassen sich Großunternehmen konkret mit dem Thema „Alarmmanagement“ und welche Rolle spielen hierbei Alarmserver?
V. Heyde:
Leider spielt das intelligente Alarmmanagement in vielen Großunternehmen eine untergeordnete Rolle. Man verlässt sich auf herkömmliche Sicherungseinrichtungen wie Brandmeldesysteme oder Notfalltaster. Damit wird aber oftmals nicht der Personenkreis erreicht, der am schnellsten und besten handeln kann. Die Information wird nach dem Prinzip Gießkanne gestreut: Irgendwer wird sich schon kümmern. Alarmserver analysieren die eingehenden Informationen und stellen sie gezielt den Personen in der benötigten Form zur Verfügung. Angefangen von der Einzelinformation an den Elektriker bis hin zur Massenevakuierung.

IT-DIRECTOR: Was sind typische Gefahrenmeldesysteme, die mit dem Alarmserver gekoppelt werden können?
V. Heyde:
Typische Systeme sind Brandmeldeanlagen, Lichtrufanlagen in Krankenhäusern und Seniorenheimen, Prozessleitsysteme zur Maschinenüberwachung, Fluchttürenüberwachungen oder Dementenschutzsysteme.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Installation eines Alarmservers sowie dessen Integration ins Telekommunikationssystem (TK) eines Großunternehmens – insbesondere wenn verschiedene Kommunikationslösungen von unterschiedlichen Herstellern zum Einsatz kommen?
V. Heyde:
Die Installation eines Alarmmanagementsystems ist immer eine individuelle Projektlösung, die von geschulten Systemintegratoren vorgenommen werden sollte. Kommen in einem Projekt Produkte unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz, spielen Standardschnittstellen wie ESPA, KNX oder SIP eine wichtige Rolle. Die Installation und Programmierung des Alarmservers ist dann im Gesamtprojekt der kleinste Part.

IT-DIRECTOR: Gibt es an dieser Stelle bereits Standards für die Kopplung von Alarmserver und TK-Netz?
V. Heyde:
Wie jeder Hersteller von Kommunikationslösungen und dem adaptierten Alarmmanagement setzen auch wir auf spezifische Anlagenschnittstellen, die ein Optimum an bidirektionalen Leistungsmerkmalen bieten. Je größer die Anzahl der unterschiedlichen Hersteller ist, desto vereinfachter gestaltet sich der Umfang der Leistungsmerkmale, also von Premium bei der Lösung mit Komponenten eines Herstellers bis Basic bei Gemischtinstallationen.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Installation und Integration für den Anwender verbunden (zeitlich, kostentechnisch, personell)?
V. Heyde:
Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und lässt sich so allgemein nicht in Zahlen ausdrücken.

IT-DIRECTOR: Was sind typische Stolpersteine bei der Eingliederung ins Telekommunikationsnetz?
V. Heyde:
Das A und O sind eine sorgfältige Ist-Soll-Analyse und die Einbeziehung des Anwenders in die Konzeption des Alarmmanagements. Eine Lösung von der Stange erfüllt in den wenigsten Projekten die Anforderungen der Anwender. Außerdem sind die vorhandenen Infrastrukturen und Umweltfaktoren zu berücksichtigen.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Sicherheit der über das TK-Netzwerk verteilten (Alarm-)Informationen gewährleisten?
V. Heyde:
Alle Alarminformationen werden entweder verschlüsselt per Funk übertragen (Dect, GSM) oder im firmeninternen Netzwerk weitergeleitet. Man kann diese Informationen über Passwörter schützen, so dass ein Missbrauch ausgeschlossen werden kann.

IT-DIRECTOR: Wie lässt es sich bewerkstelligen, dass eingehende Meldungen und Alarme auch wirklich nur die jeweils betroffenen Personen erreichen?
V. Heyde:
Dafür ist im Vorfeld die Soll-Analyse wichtig, in deren Anschluss dann jedes Alarmereignis individuell der richtigen Zielperson zugeordnet werden kann. Dazu gehören auch Vertretungen bei Urlaub oder Krankheit. Generell können bei Alarmen Einzelpersonen oder ganze Gruppen informiert werden. Im Rahmen eines mehrstufigen Eskalationsplans ist es außerdem möglich, nacheinander mehrere Personenkreise zu kontaktieren, beispielsweise wenn nach einigen Minuten noch niemand den Alarm quittiert hat. Erst wenn einer der Mitarbeiter sich meldet, wird der Eskalationsplan zurückgesetzt.

IT-DIRECTOR: Was geschieht, wenn der Alarmserver einmal ausfällt oder eine Störung im Telekommunikationsnetz vorliegt? Wie kann dem entgegengewirkt werden? Und wie wird mit Fehlalarmen umgegangen?
V. Heyde:
Über so genannte Watchdog-Funktionen werden alle sicherheitsrelevanten Funktionen des Kommunikationssystems und des Alarmservers permanent überwacht und im Störungsfall die zuständige Person informiert. Eine Installation unter einer virtuellen Umgebung ermöglicht dabei auch eine vollkommene Redundanz der Systeme.

IT-DIRECTOR: Welche Abrechnungsmodelle sind beim Einsatz eines Alarmservers in Verbindung mit dem TK-Netz üblich – insbesondere auch, wenn mobile Endgeräte eingebunden werden?
V. Heyde:
Mir sind keine Abrechnungsmodelle für einen Alarmserver bekannt.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten Großunternehmen grundsätzlich achten, wenn es um die Auswahl eines Anbieters mit entsprechender Alarmserverlösung geht?
V. Heyde:
Unternehmen sollten darauf achten, dass der Funktionsumfang des Alarmservers den eigenen Anforderungen entspricht und das System auch mitwachsen kann. Es muss gleichzeitig sicher sein, dass die eigenen Mitarbeiter in der Lage sind, das für sie neue System zu administrieren. Falls im Alltag Fragen auftauchen, sollte der Hersteller der Lösung bzw. das installierende Systemhaus einen langfristigen Support und zeitnahen Service anbieten.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok