Das Internet der Dinge als Chance

IoT eröffnet neue Geschäftsmodelle

Das Internet der Dinge und Industrie 4.0 eröffnen Unternehmen aus zahlreichen Branchen die Möglichkeit, kostengünstiger, flexibler und schneller zu produzieren, erklärt Dr. Béla Waldhauser von Telehouse Deutschland.

Béla Waldhauser, Telehouse

Dr. Béla Waldhauser, Geschäftsführer der Telehouse Deutschland GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Waldhauser, worin liegen Ihrer Ansicht nach die Chancen und Risiken des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT)?
B. Waldhauser:
Mit dem Internet der Dinge werden viele vernetzte Anwendungen erst möglich. Von Anwendungen wie Smart Home, Smart City und Smart Factory bzw. Industrie 4.0. profitieren sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen in vielfältiger Weise. Allerdings birgt das IoT nicht nur Veränderungen, sondern auch Sicherheitsrisiken. So könnten zum Beispiel Cyber-Angriffe (unter anderem DDoS) deutlich zunehmen und definitiv wird sich die Arbeitswelt durch Industrie 4.0 stark verändern, z.B. durch den Wegfall weniger qualifizierter Tätigkeiten.

IT-DIRECTOR: Wie lange wird es dauern, bis sich das Internet der Dinge hierzulande flächendeckend durchgesetzt hat? Was sind die Hemmnisse und was die Treiber für diese Entwicklung?
B. Waldhauser:
Erste größere Anwendungen werden wir sicherlich bis zum Jahre 2020 sehen, so prognostiziert Cisco zum Beispiel über 50 Milliarden Geräte, die bis dahin mit dem Internet verbunden sein werden. Eine flächendeckende Umsetzung in Deutschland wird es meines Erachtens erst zwischen 2025 und 2030 geben. Eines der Hemmnisse ist sicherlich die stark limitierte Anzahl von IP-Adressen bei IPv4, denn die meisten dieser 4,3 Milliarden IP-Adressen sind schon vergeben.

IT-DIRECTOR: Inwiefern müssen sich heutige öffentliche Netze (Internet) und Unternehmensnetze verändern, um die schnelle Übertragung millionenfacher IoT-Daten zu gewährleisten?
B. Waldhauser:
Die Netze selber müssen sich gar nicht so sehr verändern, denn ein wesentliches Merkmal des IoT ist, dass viele Daten lokal oder regional gespeichert und verarbeitet werden. Dringend erforderlich ist aber die Umstellung von IPv4 auf IPv6, da nur letzteres genug IP-Adressen für IoT zur Verfügung stellen kann, nämlich unglaubliche 340 Sextillionen.

IT-DIRECTOR: Was kommt damit auf die Netzbetreiber zu? Mit welchen neuartigen Betreibermodellen können klassische Telkos und Provider im IoT-Umfeld punkten?
B. Waldhauser:
Ich würde diese Frage gerne umformulieren: „Welche neuen Geschäftsmodelle ergeben sich für Unternehmen – innerhalb und außerhalb der IT-Branche?“
 Zu allererst eröffnet Industrie 4.0 den Unternehmen aus zahlreichen Branchen die Möglichkeit, kostengünstiger, flexibler und schneller zu produzieren und das schafft am Anfang Wettbewerbsvorteile, wird aber im Laufe der Zeit zum Standard werden, da auch die Mitbewerber auf diesen Zug aufspringen. Desweiteren werden viele Produkte durch IoT aufgewertet, was den Produzenten zumindest am Anfang höhere Preise (und Margen?) erlauben wird. Noch mehr Daten werden gesammelt – Big Data – und ich erwarte daher dass die Verarbeitung und Analyse dieser Datenmengen deutlich zunehmen wird und spezialisierten Unternehmen erhebliche Wachstumschancen eröffnet.

IT-DIRECTOR: Im Zusammenhang mit der reinen Maschinenkommunikation und der Verarbeitung der Daten „vor Ort“ fällt häufig der Begriff „Edge Computing“. Was ist damit gemeint?
B. Waldhauser:
Edge oder auch Fog Computing bedeutet, dass die Erstverarbeitung oder auch die Speicherung der Daten nahe am Erzeuger der Daten (z.B. Kühlschrank, Zahnbürste oder Auto) passieren wird. Das heißt, diese Daten werden entweder gar nicht oder schon verarbeitet der Cloud zugeführt. Das entlastet nicht nur die Netze, sondern sorgt auch für eine wesentlich schnellere Verarbeitung der Daten, ohne große Latenzzeiten und das kann insbesondere für die Smart City und die Smart Factory ausschlaggebend sein.

IT-DIRECTOR: Von Edge Computing abgesehen – an welchen Stellen können IoT-Daten überdies vorgehalten werden? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang sogenannte „Super-Rechenzentren“?
B. Waldhauser:
Die IoT-Daten werden je nach Speichermöglichkeit, aber vor allem nach Bedarf, im erzeugenden Gerät selber gespeichert oder nahe am Erzeuger der Daten beim Edge Computing. Nur ein Bruchteil der Daten wird in große, zentrale Rechenzentren übermittelt und dort weiterverarbeitet und gegebenenfalls gespeichert. In Summe wird sich ein harmonisches Nebeneinander von zentralen Super-Rechenzentren und Edge Computing vor Ort abbilden.

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