Selbst in entlegenen Regionen

IoT für alle

Das niederländische Start-up Hiber startete kürzlich zwei Nanosatelliten, mit denen die Realisierung von Internet-of-Things-Projekten (IoT) auf fast 90 Prozent der Erdoberfläche möglich sein soll.

Hiber-Satellitenstation in Spitzbergen

Die Hiber-Satellitenstation im norwegischen Spitzbergen soll für weltweite IoT-Konnektivität sorgen.

Letzte Woche gingen erste Hiberband-Nanosatelliten in Betrieb. Zunächst erfolgte ein Start von Sriharikota in Indien aus, der zweite folgte einige Tage später in Kalifornien. Das Start-up wird von der niederländischen Regierung unterstützt und hat die nach eigenen Angaben erste „echte“ globale, satellitenbasierte Lösung für IoT-Konnektivität in den Teilen der Welt, denen derzeit ein Netzwerk fehlt, entwickelt.

Zum Hintergrund: Aktuell werden weniger als zehn Prozent der Welt mit einer IoT-fähigen Netzabdeckung versorgt, wobei die bestehenden Verbindungen (wie WIFI und Low Power Wide Area Network, LPWAN) meist in städtischen Gebieten und wohlhabenden Länder verfügbar sind. Daneben sind traditionelle Satelliten, die eine breitere Abdeckung bieten würden, recht teuer und stromfressend. Aus diesen Gründen sind viele IoT-Anwendungen und -Dienste derzeit nicht wirtschaftlich – zum Beispiel die Überwachung der Bodenfeuchte zur Verbesserung der Produktionseffizienz und Pflanzenqualität in den Ländern der Dritten Welt, die am stärksten von der Landwirtschaft abhängig sind. Hiber möchte dies nun mit seinen Satelliten ändern.

Sobald die Nanosatelliten voll einsatzbereit sind, werden sie 16-mal täglich über die Pole der Erde und zweimal täglich über den Äquator fliegen und den Planeten mit einer zuverlässigen IoT-fähigen Konnektivität versorgen, heißt es in einer Pressemitteilung. Dabei sollen die Satelliten bis zu 20-mal billiger sein als bestehende Lösungen. Die Verbindung funktioniert, indem die Daten der Modems und Antennen der Nutzer direkt an den Mikrosatelliten gesendet werden. Die Datenpakete werden dann über die beiden bestehenden Satellitenstationen im norwegischen Spitzbergen und im niederländischen Delft zur Erde zurückgeschickt.

Umweltbelastungen reduzieren

Das Netzwerk soll ab dem ersten Quartal 2019 kommerziell betrieben werden und mit mehr als 25 Kunden starten. Hiber schätzt, dass es einen weltweiten Markt von rund vier Milliarden Euro dafür gibt, da die meisten IoT-Projekte aufgrund mangelnder Konnektivität nicht umgesetzt werden können. Einer der Pilotkunden, die British Antarctic Survey, will das Netzwerk nutzen, um Daten von entfernten Messstationen zu übertragen, die derzeit keine Satellitenkommunikation haben. Die Möglichkeit die Daten von den Stationen über die Satelliten abzurufen, soll zu einer regelmäßigen und kostengünstigen Informationsbeschaffung führen und die Umweltbelastung reduzieren, da die nicht immer einzelne Personen zu den Stationen reisen müssen.

Weitere Kunden sind ein niederländisches Unternehmen, das Klimastationen an Schulen in ländlichen Gemeinden in Peru, Tansania und Sri Lanka bringen wird, um die intelligenten Bauern von morgen auszubilden sowie Blik Sensing, das durch Daten über den globalen Grundwasserspiegel beim Management von Wasserressourcen hilft.  

Desweiteren arbeiten die Niederländer mit Amazon Web Services zusammen und hat sich mit IBM Watson sowie Actility zusammengeschlossen, um eine einfache Integration in bestehende Cloud-Dienste zu ermöglichen, so dass Kunden problemlos Anwendungen mit globalen Datenstreaming-Funktionen erstellen können.

Für die Zukunft erwartet das Start-up, dass Dutzende von Satelliten gestartet werden, um die weltweite Nachfrage nach IoT-fähigen Datenkonnektivität in den nächsten zwölf bis 18 Monaten zu decken.

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