Trends 2019

IoT und Cloud wachsen weiter

Eine beliebte Frage am Jahresanfang lautet: „Was sind die aktuellen Techniktrends?“ In einer kleinen Artikelreihe haben wir wichtige Aussagen von Experten zusammengestellt. Heute: IT-Trends.

IT-Trends 2019

IT-Trends 2019

Digitalisierung wird auch in diesem Jahr der Megatrend bleiben. Nach der jährlich im September und Oktober von Capgemini durchgeführten IT-Trends-Studie wird 2019 jeder vierte Euro der IT-Budgets die Digitalisierung fließen. Sie ist für mehr als 70 Prozent der Unternehmen eines der drei wichtigsten IT-Ziele des kommenden Jahres. In ihren Ausbau fließt im Schnitt ein Viertel des IT-Budgets.

Auch die Informationsauswertung und -nutzung soll besser werden. Das lässt den Rückschluss zu, dass in diesem Bereich zunehmend Defizite auftreten und der Handlungsdruck steigt. „Datenanalyse ist für den Erfolg der Digitalisierung entscheidend – und die Grundlage für den Einsatz intelligenter Technologien. Hier zählt eine nur mittelmäßige Datenverfügbarkeit aktuell zu den vier größten Hürden“, sagt Dr. Uwe Dumslaff, Executive Vice President und Chief Technology Officer bei Capgemini in Deutschland.

Daten schwellen zu Ozeangröße an

Die Bedeutung dieser Themen wird auch von anderen IT-Auguren hervorgehoben. So fordert die Technologieberatung Piere Audoin Consultants (PAC), dass die Unternehmen ihre Datensilos auflösen. Alle vorhandenen Daten aus sämtlichen Fachbereichen und Abteilungen gehören auf eine virtuelle Datenplattform, fordern die Experten. Zudem müssen die Unternehmen vor allem interne Datenquellen neu erschließen - über Sensorik im Industrial IoT. „Es wird 2019 weiter wachsen, die Geschäftsmodelle der Dienstleister sind ausgereift“, meint Tom Nadeau, Experte für Netzwerk-Virtualisierung bei Red Hat. „Eine der größten Herausforderungen wird die Verwaltung und der Lebenszyklus von Geräten sowie die Überwachung sein.“

Ein wichtiges Hilfsmittel aus Sicht des Softwareanbieters sind hierbei IoT-Plattformen. Sie ermöglichen die schnelle Entwicklung und Bereitstellung von speziellen IoT-Anwendungen. „Dafür müssen alle Informationen in einem gemeinsamen Data Lake gespeichert werden, so dass Datenwissenschaftler problemlos Abfragen umsetzen können,“ betont Red-Hat-Datenspezialist Jered Floyd. „Diese Einfachheit bringt den Unternehmen neue Möglichkeiten für Innovation und Optimierung.“ Doch vor der Nutzanwendung steht noch eine Hürde: Die Datenmengen steigen kontinuierlich und entwickeln sich bereits in mittelgroßen Unternehmen zu einem veritablen Datenozean.

Der mobile Datenverkehr wächst rasch

Hier sind neuartige Speicherstrategien erforderlich. Güner Aksoy, Regional Sales Director Central Europe beim Speicherspezialisten Pure Storage, sieht die Unternehmen in einem Dilemma: Sie müssen entscheiden zwischen der komfortablen, aber schlecht an Unternehmensbedürfnisse angepassten Public Cloud und Enterprise-Storage-Systemen, die nur wenig benutzerfreundlich, agil und skalierbar sind. „Gefragt sind robustere und einheitlichere Multi-Cloud-Lösungen“, sagt Aksoy. „Sie bieten sowohl die nötige Flexibilität als auch die Einfachheit, um diese Kluft zu überwinden.“ Die Konsequenz: Multi- und Hybrid-Cloud sind im Aufschwung, finden zahlreiche Experten unisono.

Die stetig wachsenden Datenmengen lassen sich laut Cisco am Anteil des mobilen Datenverkehrs am Gesamtvolumen des Internet Traffic erkennen. Er wird auch 2019 weiter zunehmen, meinen die Netzwerkspezialisten. Im Jahr 2017 lag der mobile Anteil bei 12 Prozent und es soll nach Studien von Cisco in den nächsten drei Jahren auf 22 Prozent ansteigen. Ein großer Anteil dabei wird auf die für 2020 erwarteten ersten großen 5G-Implementierungen entfallen. Dadurch wird das Datenvolumen so stark ansteigen, dass auch erst kürzlich neu definierte Verarbeitungskonzepte im IoT wieder auf den Prüfstand gehören - das Edge Computing.

Hybrid-Computing auch in der Edge

Der zu erwartende steile Anstieg der Daten in 5G-Netzen erfordere „Hybrid Edge Computing“, meint der Netzwerkexperte Mike Hansen von Red Hat. Er erwartet in den nächsten Monaten den Aufbau einer Cloud-Plattform für intelligente Anwendungen in der Edge. Sie ist speziell auf sogenannte Edge-Devices zugeschnitten ist, IoT-Geräte mit lokaler Rechenleistung. „Dadurch entsteht eine neue Art der Hybrid Cloud, als spezielle Infrastruktur in der Edge eines Telco-Netzwerks“, erklärt Hansen. „Dieses hybride Computing-Modell ist notwendig, um Daten effizient auf Basis von KI und Machine Learning zu verarbeiten.“

Mit diesen beiden Stichworten ist dann der eigentliche Megatrend für 2019 genannt, der allerdings nach Ansicht von PAC bisher im praktischen Einsatz lediglich eine Nischentechnologie war. Immerhin: die Technologieberatung findet, dass KI-Verfahren kurz vor dem Sprung zu einem breiten Einsatz in Unternehmen stehen. Im Vordergrund stünden dabei Prozessoptimierung, Vereinfachung der Kundenbetreuung und Verbesserung des Kundenerlebnisses. Aus IT-Sicht hat KI vor allem Stärken in den Bereichen Business Analytics und Robotic Process Automation (RPA). Mittelfristig werden IT-Lösungen auch in der Kundeninteraktion und als Assistenzsysteme für Mitarbeiter eingesetzt.

Fachkräftemangel hemmt KI-Einsatz

Bei der Umsetzung von Projekten sind jedoch KI-Spezialisten, Entwickler und Data Scientists gefragt. Das Problem dabei: In diesem Bereich herrscht tatsächlich Fachkräftemangel. „KI- und Datenspezialisten werden nicht schnell genug ausgebildet, um die Nachfrage zu befriedigen“, sagt Güner Aksoy von Pure Storage. „Die besten Fachkräfte landen bei großen Unternehmen.“ er befürchtet ein Innovationsvakuum bei Startups und mittelständischen Unternehmen. Angesichts dieser Entwicklung befürchtet Aksoy, dass sich 2019 der Kampf um die raren Experten nochmals verschärfen wird.

Eine Studie von MIT Tech Review Insights im Auftrag von Pure Storage kam zu dem Ergebnis, dass Führungskräfte den Mangel an Ressourcen und Talenten als eines der größten Hindernisse empfinden. „Wir erwarten, dass künftig Unternehmen mit Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten und Studenten auf die KI-Fähigkeiten vorbereiten werden, die Unternehmen benötigen“, sagt Güner Aksoy. Er fordert: „Es müssen KI-spezifische Praktika und flexible Universitätslehrpläne geschaffen werden, die mit dem technologischen Wandel Schritt halten.“

Bildquelle: Thinkstock

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