Arbeit in der Industrie 4.0

Ist die Digitalisierung ein Jobkiller oder ein Jobmotor?

Die Hälfte der Jobs fällt weg, Millionen neue Jobs entstehen - die Spannbreite der Prognosen zur Digitalisierung. Beides ist aber sehr unsicher.

Zur digitalen Transformation gibt es eine Vielzahl an negativen Voraussagen über Arbeitsplatzverluste. Die Oxforder Forscher Michael Osborne und Carl Benedikt Frey erwarten, dass in den nächsten 20 Jahren etwa die Hälfte der Jobs in den USA wegfallen wird. Für Europa geht das Weltwirtschaftsforum in Davos von einem Stellenabbau um bis zu 5 Millionen Jobs in den nächsten fünf Jahren aus.

Doch auf der anderen Seite gibt es die Optimisten, die von einer positiven Jobbilanz ausgehen, zum Beispiel die Unternehmensberater von Roland Berger. "Traditionelle Jobs in der Industrie werden verloren gehen, dafür können in Westeuropa bis zu 10 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen - vor allem im Bereich Dienstleistung und IT", prognostiziert Roland Berger-Partner Max Blanchet. "Denn die neue Art und Weise, wie zukünftig produziert und gearbeitet wird, verändert die Geschäftsmodelle und somit viele Jobprofile."

Ist die Digitalisierung also ein Jobkiller oder ein Jobmotor? Eine leichte Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Pessimismus ist genauso naheliegend wie Optimismus, denn tatsächlich werden zahlreiche Jobs verschwinden. Ein Beispiel: Wenn sich autonome Fahrzeuge durchsetzen, wird der Job des Taxifahrers über kurz oder lang aussterben. Durch Automatisierung und Robotik werden viele Berufe unnötig, die heute noch unbedingt notwendig scheinen.

Ihnen geht es nicht anders als beispielsweise dem Fassbinder oder dem Schriftsetzer. Sie sind durch die technologische Entwicklung überflüssig geworden. Stattdessen gibt es neue Berufe. Bei diesem Wandel werden die alten Berufe aber nicht immer eins zu eins ersetzt, wie ein Blick in die Geschichte lehrt.

Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zeigt, dass der Fortschritt mehr Jobs geschaffen als vernichtet hat. Die Studienautoren griffen dabei auf britische Bevölkerungsdaten zurück, die seit dem Jahr 1871 fortlaufend erhoben wurden. Die zunehmende Technisierung hat körperlich anstrengende und gefährliche Berufe aussterben lassen und für die Entstehung von zahlreichen Berufsbildern in Wissenschaft und Dienstleistung gesorgt.

Prognosen über die nächsten Jahrzehnte sind unmöglich

Ob in den nächsten Jahrzehnten eine ähnliche Entwicklung ansteht, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Das Gegenteil allerdings auch nicht. Denn die Negativprognosen entstammen demselben hohlen Bauch wie ihre optimistischen Konkurrenten: Wir suchen uns ein paar passende Zahlen und leiten daraus etwas halbwegs Plausibles ab.

Eines lässt sich jedoch sagen: Wir können vermuten, dass auch die Digitalisierung alte Jobs abschafft und die Entstehung neuer Jobs bewirkt. So sind in den letzten Jahrzehnten viele neue Berufsbilder entstanden, etwa die Berufe Fachinformatiker, Mediengestalter und Social-Media-Redakteur oder das akademische Berufsbild Data Scientist.

Bereits heute lässt sich feststellen, dass bestimmte Berufsbilder in den Unternehmen beliebter sind als andere. Ein Blick in Stellenausschreibungen zeigt, dass Ingenieure und Fachkräfte aus technischen Berufen im Moment sehr gefragt sind. Laut Fachkräfteatlas der Online-Jobbörse Stepstone richteten sich im März gut 16 Prozent aller Jobangebote an IT-Spezialisten.

"Die Digitalisierung verstärkt insbesondere den Bedarf an Fachkräften mit IT-Kenntnissen, die zusammen mit hoch qualifizierten Technikern die Entwicklung der deutschen Industrie vorantreiben", sagt Dr. Anastasia Hermann, Arbeitsmarkt-Expertin bei StepStone. Sie hat beobachtet, dass sich die Nachfrage nach technischen Fachkräften konnten jährlich erhöht und geht davon aus, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzt. Zumindest das ist eine eindeutig positive Meldung.

Bildquelle: Thinkstock

  • Das Paper von Osborne und Frey

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