Alternative zu Produkten etablierter Hersteller

Ist die Zeit reif für Open Source?

Der Hype um serviceorientierte Architekturen (SOA) ist vorbei – die ersten Probleme sind bewältigt und in „Best Practices“ umgesetzt. Inzwischen gibt es zudem eine ­große Bandbreite von Open-Source-Lösungen. Doch sind sie auch eine zuverlässige ­Alternative zu Produkten etablierter Hersteller?

Apfel, Bildquelle: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

Obwohl SOA schon in vielen Unternehmen eingesetzt wird, bleiben die IT-Landschaften weiter komplex. Die Entkopplung der IT-Systeme ist oft nicht weit genug fortgeschritten, vor allem durch die vielen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und unterschiedlichen Transportmechanismen. Eine Weiterentwicklung der serviceorientierten Architektur durch geeignete Integrationskomponenten kann hier Abhilfe schaffen. Wichtig sind dabei nicht nur Funktionalität und Kosten, sondern auch strategische Aspekte für die Auswahl. Außerdem stellt sich die Frage, wie viel Eigenverantwortung die IT-Abteilungen für die eingesetzten Softwarekomponenten übernehmen wollen.

Die großen Produkthersteller bieten mittlerweile eine Vielzahl ausgereifter Integrationskomponenten. Die Vorteile bei der Wahl eines etablierten Anbieters liegen im breiten Produktportfolio und dem großen Funktionsumfang der Suiten. Zudem sind die Kosten kalkulierbar und der Support ist sichergestellt. Trotz dieser Vorzüge können auch Open-Source-Anwendungen eine Alternative sein. Diese nähern sich funktional den Produkten großer Hersteller an und lassen sich in Hochverfügbarkeitssystemen betreiben. Zudem kommen weitgehend anerkannte Standards und Schnittstellen zur Anwendung. Open-Source-Lösungen bringen jedoch auch Herausforderungen für die Unternehmens-IT mit sich: Oft sind die Kosten schwer zu beziffern. Zudem gilt es, lizenzrechtliche Fragen zu klären und den professionellen Support sicherzustellen.

Genau hier setzen neue Geschäftsmodelle im IT-Bereich an. IT-Dienstleister bieten inzwischen professionellen Support von Open-Source-Lösungen mit vereinbarten Service Level Agreements an. Zudem werden eigene Releases voneinander abhängiger Open-Source-Projekte erstellt, die bereits auf Kompatibilität geprüft sind. Damit lassen sich die schnellen Release-Folgen im Open-Source-Bereich beherrschen. Etwa bieten Fusesource und Camunda entsprechende Supportmodelle an. IT-Dienstleister stellen zudem Erweiterungen für Open-Source-Komponenten zur Verfügung, angefangen bei grafischen Editoren zur Entwicklungsunterstützung bis zu Lösungen für den Regressionstest. Bei manchen Dienstleistern findet sich auch eine Haftungsfreistellung vor lizenzrechtlichen Regressansprüchen für den Einsatz der Open-Source-Lösungen – damit ist die notwendige Rechtssicherheit gegeben.

Hilfe beim Auswahlprozess

Bei der ersten groben Vorauswahl der Kandidaten helfen Analysten-Reports, beispielsweise von Gartner oder Forrester. Danach steht die genauere Betrachtung der Lösungen an. Dabei helfen die Kriterienkataloge führender IT-Dienstleister, wie etwa NTT Data, die bereits Erfahrung bei der Auswahl und Bewertung von Integrationsinfrastrukturen haben. Wichtige Kriterien sind neben funktionalen und nicht funktionalen Anforderungen an ein Integrationssystem die Systemarchitektur und die Laufzeitumgebung der Lösung. Auch die Unterstützung des gesamten Software-Lebenszyklus ist entscheidend. 

Bei der Suche nach einer Integrationsinfrastruktur darf die Strategie und Marktpräsenz der Hersteller nie außer Acht gelassen werden. Im Open-Source-Bereich ist es gefährlich, auf technologisch interessante Projekte zu setzen, die bislang nur wenig aktive Unterstützer haben. Aber auch kommerzielle Lösungen können in die Sackgasse führen, etwa in der Folge von Übernahmen oder Strategiewechseln der Herstellern.

Die Erfahrung zeigt, dass Open-Source-Systeme vor allem von Kunden eingesetzt werden, die ein Team von Inhouse-Entwicklern haben. Diese müssen bereit sein, ein gewisses Maß an Eigenverantwortung für die eingesetzten Softwarekomponenten zu übernehmen.

Unternehmen, die ihre Integrationsprojekte extern vergeben oder Standard-Softwarekomponenten im Einsatz haben, setzen häufig auf die Lösungen etablierter Produkthersteller. Die Entscheidung für oder gegen Open-Source-Lösungen hängt also klar von den strategischen Anforderungen an die Lösung und der Eigeninitiative der IT-Abteilungen ab.


Checkliste: Auswahl der geeigneten Integrations­komponenten

  • Vorauswahl mit Hilfe aktueller Analysten-Reports
  • Abgleich der Ergebnisse mit geplantem Einsatzzweck der Suiten
  • Nutzung von Kriterienkatalogen führender IT-Dienstleister
  • Klärung, ob Open-Source-Software zum Unternehmen passt
  • Prüfung der Entwicklungsumgebung und des gesamten Softwarelebenszyklus
  • Prüfung, ob professioneller Support bei der Entwicklung und im Betrieb der Infrastruktur mit entsprechenden SLAs zur Verfügung steht
  • Berücksichtigung der Marktpräsenz und Strategie der Anbieter und Communitys

Quelle: NTT Data

 

Bildquelle: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

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