Meinung: Fördergelder oder günstige Arbeitsplatzkosten?

IT-Auslagerung nach Palästina

Lagern hiesige Anbieter ihre IT-Entwicklung ins nahe oder ferne Ausland aus, zählen Staaten wie Weißrussland oder Indien zu den erklärten Favoriten. Kleinere, gar krisengebeutelte Länder wie Palästina hat wohl kaum jemand auf der Rechnung. Doch warum eigentlich nicht?

Jerusalem, Bildquelle: Thinkstock/iStock

Warum nicht nach Palästina auslagern?

Im Herbst ballen sich hierzulande die IT-Termine. Auf (Kongress-)Messen wie der Powering the Cloud, der IT & Business oder der DMSexpo trifft man jede Menge Anbieter, kommt mit ihnen ins Gespräch und erfährt, welche Dinge die Branche aktuell umtreiben. Bei unserem jüngsten Besuch der Sicherheitsmesse It-sa in Nürnberg entwickelte sich ein klassisches Messegespräch jedoch einmal in eine etwas andere Richtung: So hat sich ein hiesiger Anbieter dazu entschieden, neben zwei Standorten in Deutschland den dritten im palästinensischen Ramallah zu eröffnen. Eigenen Angaben zufolge war man damit sogar der erste deutsche Investor vor Ort. Mittlerweile haben große Softwarehäuser – beispielsweise aus Walldorf – nachgezogen, was zeigt, das die damalige Standortwahl gar nicht so verkehrt war.

Doch warum zieht es ein Unternehmen in eine Krisenregion, in der Krieg und Terror seit Jahrzehnten zum Alltag gehören? Locken etwa lukrative Fördergelder oder extrem günstige Arbeitsplatzkosten? Glaubt man dem erwähnten Anbieter war nichts davon ausschlaggebend. Vielmehr schätzt man das dortige hohe Bildungsniveau sowie den ergiebigen IT-Arbeitsmarkt. Denn die Hochschule in Ramallah bringt jährliche mehrere hundert IT-Spezialisten hervor. Nicht zuletzt scheint der Standort prädestiniert für ein Nearshoring zu sein, u.a. da man von Frankfurt aus in vier Flugstunden vor Ort sein kann und die Zeitverschiebung bei allein zwei Stunden liegt.

Übrigens plant der Anbieter in Israel – also nur einige Kilometer vom jetzigen Standort entfernt –, eine weitere Niederlassung zu eröffnen. Dann werden Israelis und Palästinenser künftig vielleicht gemeinsam Software entwickeln und an IT-Projekten arbeiten. Auf diese Weise übernimmt die Informationstechnologie abseits von Kostensenkungen und Prozessoptimierungen einmal eine ganz neue Aufgabe – nämlich die der Völkerverständigung.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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