Frauen profitieren von guten Gehältern

IT-Jobs: 32.000 Stellen im März ausgeschrieben!

Interview mit Anja Michaud, Managerin Marketing & Unternehmenskommunikation bei der WBS Training AG, über das aktuelle Angebot an IT-Jobs in Deutschland, die von den Arbeitgebern gewünschten Fähigkeiten entsprechender IT-Mitarbeiter und die Rolle der „Frau“ in IT-Berufen

Anja Michaud, WBS

„Die IT-Branche benötigt zukünftig verstärkt qualifizierte Frauen, um den Fachkräftebedarf zu decken“, betont Anja Michaud von WBS Training.

IT-DIRECTOR: Frau Michaud, wie gestaltet sich das derzeitige Angebot an IT-Jobs in Deutschland?
A. Michaud:
Das derzeitige Angebot an IT-Jobs in Deutschland ist sehr umfangreich. In unserer Stellenmarktanalyse haben wir insgesamt 192 Stellenmärkte in Online-Jobbörsen, Tageszeitungen, Fach- und Branchenmedien ausgewertet. Hieraus geht hervor, dass allein im Oktober 2015 die Berufsgruppe „ITK“ im Vergleich zu anderen Berufsgruppen mit fast 30.000 Stellenanzeigen Platz 6 belegt. Das entspricht einem Wachstum von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit dem Trend des Gesamtstellenmarktes.

Im März 2016 ist die Nachfrage erneut gestiegen. So waren hier insgesamt 32.000 IT-Stellen ausgeschrieben. Das bedeutet nochmal einen erhöhten Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – die Berufsgruppe ist somit aktuell im Ranking mit anderen Berufsgruppen auf den fünften Platz vorgerückt.

Die größte Jobauswahl in der Berufsgruppe der IT-Jobs stehen derzeit Programmierern zur Verfügung: mit über 8.000 Stellen. 64 Prozent dieser Stellenangebote verlangen Java-Kenntnisse, schaut man auf die speziellen Anforderungen. Im Bereich „Netzwerke“ zählten wir über 5.000 Stellen. Hier waren insbesondere Netzwerkadministratoren für die Betriebssysteme Linux und Windows gefragt. Eine wachsende Bedeutung kommt hier dem Thema „Virtualisierung“ zu. Designkenntnisse im IT-Bereich wie für Web-, Screen- und Interface-Design waren mit rund 2.500 Stellen ähnlich stark gefragt wie im Vorjahr.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind hier regionale Unterschiede (nach Bundesländern) erkennbar?
A. Michaud:
Die meisten Stellen im IT-Bereich werden in der Region Süd (mit Baden-Württemberg und Bayern) angeboten, gefolgt von der Region West (mit Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland). Die Regionen Nord und Ost sind bei den Jobangeboten gleich auf. Mit Blick auf die prozentuale Verteilung innerhalb der Regionen fällt auf, dass Programmierer mit mehr als der Hälfte der IT-Angebote anteilig stärker in den südlichen und nördlichen Bundesländern gesucht werden – innerhalb der Region West haben Netzwerkspezialisten sehr gute Chancen. In den östlichen Bundesländern werden Web-, Screen- und Interfacedesigner anteilig häufiger als in den anderen Regionen gesucht.

IT-DIRECTOR: Dem gegenübergestellt: Wie groß ist überhaupt die Nachfrage nach IT-Jobs seitens der Jobsuchenden?
A. Michaud:
Da wir auch Weiterbildungen für den IT-Bereich anbieten, können wir aufgrund der Nachfrage nach diesen eine gewisse Tendenz der Jobsuchenden ablesen. In dem Zeitraum November 2015 bis April 2016 nahmen rund 20 Prozent unserer Teilnehmer an einer Qualifizierung im ITK-Bereich teil.

IT-DIRECTOR: Welche konkreten Faktoren und Entwicklungen beeinflussen anno 2016 das Angebot und die Nachfrage nach IT-Jobs in Deutschland?
A. Michaud:
Die Digitalisierung schreitet in den deutschen Unternehmen immer weiter voran und muss von qualifizierten Fachkräften umgesetzt und begleitet werden. So erfordern vor allem Themen wie das Internet der Dinge, smarte und vernetzte Produkte, aber auch moderne Kommunikationsgeräte Experten für passende Kommunikationslösungen sowie die Datenspeicherung. Im Zuge dessen gewinnt das Thema „Sicherheit“ zunehmend an Bedeutung, dem sich vor allem Netzwerkexperten, Administratoren und Anwendungsentwickler stellen müssen.

Außerdem rückt das Thema „Big Data“ immer stärker in den Fokus von Unternehmen. Hierbei sind sowohl Administratoren als auch Anwendungs- und Webentwickler vor die Anforderung gestellt, entsprechende Hard- und Software-Tools zu erstellen und zu pflegen.

Darüber hinaus verändert die weitere Entwicklung der Cloud-Nutzung die Anforderungen an den Netzwerkbetrieb. Der Bedarf an virtuellen Servern und speziellen Anwendungen wird weiter ansteigen und dementsprechend auch der Bedarf an Fachkräften. Insgesamt wird das Angebot von IT-Jobs mit speziellen Expertenkenntnissen zu Server- und Netzwerkthemen, zu Kommunikationslösungen mit mobilen Geräten und zur Anwendungsentwicklung für Cloud Computing zunehmen.

IT-DIRECTOR: Welche Fähigkeiten wünschen sich Arbeitgeber von IT-Spezialisten?
A. Michaud:
Arbeitgeber sind vor allem auf der Suche nach IT-Spezialisten, die sowohl Branchen-Know-how als auch technische Fähigkeiten mitbringen. Grundsätzlich sollten die IT-Kenntnisse auf dem aktuellen Stand sein. Darüber hinaus sind englische Sprachkenntnisse ein weiteres Kriterium für Arbeitgeber, denn die Arbeitswelt der IT spielt sich global ab. Bei den sogenannten Soft Skills sind Kundenorientierung, Flexibilität und Offenheit für die Schnelllebigkeit der Branche gefragte Qualitäten der Bewerber.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind Jobsuchende bzw. Arbeitnehmer bereit, für einen bestimmten IT-Job eine Umschulung bzw. Fortbildung in Kauf zu nehmen?
A. Michaud:
Die Bereitschaft ist sehr groß, da IT-Kenntnisse schnell veralten – das sehen wir auch an der großen Nachfrage nach unseren IT-Qualifikationen und -Weiterbildungen.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Präsenz von Frauen in IT-Berufen?
A. Michaud:
Der Branchenverband Bitkom schätzt den Anteil von Frauen in IT-Berufen in Deutschland auf gerade mal 15 Prozent. Betrachten wir die Teilnehmerzahlen von Frauen in unseren IT-Weiterbildungen, sieht es etwas besser aus: Im Zeitraum Januar bis April 2016 setzten sich unsere IT-Teilnehmer im Verhältnis 3:1 aus Männern und Frauen zusammen. Doch auch diese leicht positive Tendenz täuscht nicht darüber hinweg, dass die Frauenquote in IT-Berufen weiterhin ausbaufähig ist. Die IT-Branche benötigt zukünftig verstärkt qualifizierte Frauen, um den Fachkräftebedarf zu decken. Bewerberinnen profitieren von einer großen Stellenauswahl und guten Gehältern.

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