Expertise aus dem Ausland

IT-Offshoring birgt Vorteile

Im Zusammenhang mit dem aktuellen und künftigen Mangel an Fachkräften in Deutschland, bergen das Off- und Nearshoring Potential. Welche Auswirkungen dies auf Unternehmen hat, berichtet Sapthagiri Chapalapalli, Director Central Europe Tata Consultancy, im Interview.

Sapthagiri Chapalapalli, Director Central Europe Tata Consultancy

IT-DIRECTOR: Herr Chapalapalli, inwiefern lässt sich IT-Off-/Nearshoring mit dem Fachkräftemangel in Deutschland erklären?
S. Chapalapalli:
Der aktuelle und zukünftige Mangel an Fachkräften im Ingenieurswesen und der Informationstechnik in Deutschland kann nachhaltig durch Off- und Nearshoring aufgefangen werden. Dadurch kann Deutschland Zugang zu einer Vielzahl von hochgradig qualifizierten Mitarbeitern und Lösungen erhalten. Diese können die lokal vorhandenen Kompetenzen ergänzen, wenn lokale und globale Mitarbeiter in einem nahtlosen Arbeits- und Auslieferungsmodell integriert sind. Tata Consultancy Services (TCS) hat bei der Entwicklung eines solchen Konzeptes Pionierarbeit geleistet und ein solches Modell erfolgreich für Deutschland entwickelt.

IT-DIRECTOR: Welche Dienstleistungen/Services werden von deutschen Großunternehmen häufig im Ausland angefragt?
S. Chapalapalli:
Das angefragte Dienstleistungsangebot reicht von IT Anwendungsmanagement (IT Application Management), über IT-Infrastruktur- zu Business Process- und Testing Services sowie Engineering Solutions. Kennzeichnend ist die Motivation globale Kompetenzen, globale Mitarbeiter, globale Präsenzen sowie globalen Erfahrungsschatz zu nutzen.
Aktuell sind die Anforderungen überwiegend in drei Kategorien zu finden:

  • Die Vereinfachung der IT-Landschaft und der Geschäftsprozesse
  • Die Anwendung digitaler Technologien
  • Die Erfüllung der Compliance- und Reporting Anforderungen

IT-DIRECTOR: Welche Länder sind besonders beliebt? Gibt es Regionen, die für bestimmte Fachbereiche spezialisiert sind?
S. Chapalapalli:
Die Auswahl eines bestimmten Landes als Teil des Auslieferungsmodells hängt von Kriterien wie z.B. verfügbare Mitarbeiter, Größe des Landes, unterstützten Sprachen, Nähe zu den Geschäftsbereichen und Kosten ab. Indien wird oft aufgrund der hohen Verfügbarkeit qualitativ hochwertig ausgebildeter Fachkräfte bevorzugt. China und andere asiatische Standorte werden favorisiert, wenn es um bestimmte Sprachen und die Notwendigkeit der Nähe zu regionalen Geschäftsbereichen geht.
In Europa werden aufgrund der Anforderungen an die zu unterstützenden Sprachen sowie die Nähe zu den Geschäftseinheiten vor allem osteuropäische Länder gewählt. Südamerika spielt vor allem bei der Unterstützung des regionalen Geschäfts und der Unterstützung mit lokalen Sprachkompetenzen eine Rolle.
Bei der Betreuung globaler Unternehmen wird eher eine Kombination verschiedener Länderstandorte statt eines einzelnen Landes im Auslieferungsmodell eingesetzt.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Trend Nearshoring erklären? Spielen die EU-Zugehörigkeit und die geringe Zeitverschiebung dabei eine Rolle?
S. Chapalapalli:
In der Vergangenheit setzten europäische Unternehmen vor allem auf Nearshoring, um ihren lokalen Teams durch die Nähe Komfort und Sicherheit beim Einsatz externer Fachkräfte zu vermitteln. In einigen Fällen beruhte die Entscheidung jedoch auch auf der Notwendigkeit vorhandene Datenschutzrichtlinien zu erfüllen, wie z.B. dass die benötigten, eingesetzten Daten in der EU zu verbleiben haben. Darüberhinaus spielte der Sprachenaspekt, d.h. die leichte Verfügbarkeit von Sprachkompetenzen innerhalb der EU, eine Rolle. Trotzdem wird das globale Model, welches Arbeitsprozesse über die EU hinaus umsetzt, zunehmend angenommen und eingesetzt. Dieser Trend reicht über alle Dienstleistungen und Industrien hinweg. Wir erwarten, dass er in Zukunft sogar noch mehr an Fahrt aufnehmen wird.

IT-DIRECTOR: Vor welchen Problemen stehen Unternehmen und ausländische Mitarbeiter in Bezug auf eine Aufenthaltsgenehmigung? (Stichwort Blue Card)
S. Chapalapalli:
Immigrationspolitisch hat sich Deutschland inzwischen zu einem der liberalsten Länder entwickelt. Das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Institutionen wie Konsulat, Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), Ausländerbehörde und sozialversicherungsrechtlichen Einrichtungen funktioniert sehr gut. Daher verläuft der Einreiseprozess unserer Mitarbeiter aus dem Ausland absolut unproblematisch.  
Aufgrund der Sprachbarriere können Behördengänge in Deutschland jedoch durchaus eine Herausforderung für unsere ausländischen Mitarbeiter darstellen. Basierend auf unserer langjährigen Erfahrung sind wir jedoch in der Lage, sie bestmöglich auf die zu erwartenden Anforderungen vorzubereiten.

IT-DIRECTOR: Welchen Vorteil bieten in diesem Zusammenhang agile Projektmethoden?
S. Chapalapalli:
Agile Methoden ermöglichen eine höhere Schnelligkeit sowie Genauigkeit bei der Entwicklung von IT-Systemen. Dies wird immer wichtiger, da Unternehmen neue Funktionalitäten wesentlich schneller um- und einsetzen müssen und sich immer schneller neue Geschäfts- und Betriebsanfoderungen entwickeln. Sie gewinnen auch zunehmend an Bedeutung bei der Entwicklung neuer Applikationen, welche digitale Technologien nutzen. Hier sind die Zyklen noch kürzer.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile ergeben sich durch IT-Offshoring aus Ihrer Sicht für Unternehmen und welche negativen Folgen resultieren daraus für die deutsche Wirtschaft?
S. Chapalapalli:
Die Vorteile beruhen auf den global verfügbaren Mitarbeitern, der verfügbaren Expertise, dem weltweiten Support, den besten Prozessen und Kostenstrukturen. Die Herausforderungen ergeben sich vor allem durch die Betreuung globaler Teams beim Change Management, sowie durch kulturelle und sprachliche Diskrepanzen.

IT-DIRECTOR: Bitte geben Sie drei Tipps, worauf Unternehmen bei der Wahl des ausländischen Dienstleisters achten müssen.
S. Chapalapalli:

  • Die Unternehmensreputation sowie die damit verbundene Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte
  • Cultural Fit – d.h. kulturelle Nähe
  • Qualitätsstandards und Passgenauigkeit der Lösungen




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