Augmented Reality: Interview mit Axel Lechler, Metaio

IT-Prozesse durch AR optimieren

Im Interview betont Axel Lechler, Senior Business Developer Industrial Solutions bei der Metaio GmbH, dass er großes Potential von Augmented Reality (AR) für die Logistikbranche sieht, entsprechende AR-Anwendungen aber noch wenig verbreitet sind.

Axel Lechler, Metaio

„AR ist die Erweiterung des realen Umfelds mit unterschiedlichen digitalen Inhalten“, erklärt Axel Lechler, Senior Business Developer Industrial Solutions bei der Metaio GmbH.

IT-DIRECTOR: Herr Lechler, welches Potential bietet Augmented Reality grundsätzlich für die Logistikindustrie?
A. Lechler:
Sehr großes Potential sehen wir in unterschiedlichen Bereichen der Logistik, egal ob Transport, Lagerei oder Mehrwertdienstleistungen. Logistik ist immer noch mit sehr großem Personalaufwand verbunden und AR unterstützt in der Schnittstelle zwischen Informationssystemen und Menschen. AR kann situationsbezogen Informationen sichtbar machen, die heute direkt oder indirekt dem Gut oder der Ware zugeordnet sind.

IT-DIRECTOR: Für welche Anwender bzw. Branchen und deren Logistik ist die Technologie besonders interessant und warum?
A. Lechler:
Sowohl für Logistikdienstleister als auch für Produktionsunternehmen, die logistische Prozesse selbst erledigen – egal welche Branche. Die Eignung einer AR-Anwendung ist dabei fallweise zu beurteilen. Anwendungsfälle, in denen hochspezialisierte Aufgaben zu erledigen sind (Value Added Services), oder logistische Prozesse, die nicht so häufig auftreten (sowie oft wechseln) bzw. bei denen spezielle Informationen notwendig sind, eignen sich besonders gut.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist das Thema „Augmented Reality“ bereits in der Logistik angekommen – sprich, wie gestaltet sich das entsprechende Lösungsangebot auf dem Markt und der Technologie-Einsatz bei Großunternehmen?
A. Lechler:
AR-Anwendungen sind heute noch nicht sehr verbreitet. Grund hierfür ist weniger die AR-Technologie als die unausgereifte Hardware, die logistischen Anforderungen noch nicht gerecht wird. Beispielsweise bieten Datenbrillen heute schon Möglichkeiten zum „Hands-free-Arbeiten“, allerdings ist hier die Akkuleistung noch nicht ausreichend. Andere Head-Up-Displays bieten zwar ausreichend Energie, allerdings nicht die technische Grundlage, um ausgereifte AR-Anwendungen zu nutzen. Heutige Anwendungen beschränken sich meist darauf, Informationen in Schriftform in das Sichtfeld des Anwenders einzublenden. Großunternehmen beschäftigen sich aber sehr intensiv mit der Technologie, da die Potentiale erkannt sind und sich immer mehr Einsatzfelder finden.

IT-DIRECTOR: Das eine oder andere Großunternehmen mag noch skeptisch im Hinblick auf AR sein. Was hält sie bisher davon ab, auf jene Technologie in der Logistik zu setzen, und wie könnte man ihnen die Lösung schmackhaft machen?
A. Lechler:
Wenn sich Großunternehmen nicht mit AR beschäftigen, dann meist aufgrund einer nicht ausgereiften Technologie oder weil logistische Prozesse schon sehr hoch entwickelt und effizient sind. Nachdenklich stimmen aber Ergebnisse aus anderen Bereichen, in denen beispielsweise Fehler reduziert oder Situationen durch AR noch weiter optimiert werden konnten.

IT-DIRECTOR: Welche Voraussetzungen muss ein Großunternehmen erfüllen, das zukünftig auf Augmented Reality in seiner Logistik setzen möchte?
A. Lechler:
Sie müssen ein gewisses technisches Verständnis sowie Ideenreichtum, die Kenntnis eigener Prozesse und den Willen, „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht“-Prozesse zu überdenken, haben.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Einführung einer entsprechenden Lösung? Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, finanziell) ist sie verbunden?
A. Lechler:
Sehr unterschiedlich. Man müsste hier von Fall zu Fall die Sache näher betrachten.

IT-DIRECTOR: Inwiefern sind Schulungen nötig oder ist Augmented Reality intuitiv anwendbar?
A. Lechler:
AR ist die Erweiterung des realen Umfelds mit unterschiedlichen digitalen Inhalten. Schulungen sind insoweit nur notwendig, wenn innerhalb einer AR-Applikation weitere Funktionen verknüpft sind, beispielsweise die Statusvergabe bei Auftragserfüllung nach einem durch AR unterstützten Pick-by-Vision-Vorgang.

IT-DIRECTOR: Welche konkreten Vorteile lassen sich aus AR in der Logistik schöpfen?
A. Lechler:
Reduktion von Prozesszeiten, Fehlervermeidung, Nutzerunterstützung, flexiblere Personalplanung, kürzere Einlernphasen bei neuen Prozessen sowie Kosteneinsparungen.

IT-DIRECTOR: Welche Risiken birgt die Technologie wiederum – insbesondere auch im Hinblick auf die komplette Vernetzung (Stichwort: „Internet of Everything“)?
A. Lechler:
Das Internet of Everything ist nur Datenquelle. Welche Informationen schlussendlich innerhalb von AR-Anwendungen genutzt werden, ist die Entscheidung des Kunden bzw. prozessabhängig. Daher bedarf es einer genauen Prozesskenntnis, um zu entscheiden, welche Informationen in welcher Situation wie angezeigt werden. Nur so kann man eine Informationsüberschüttung vermeiden.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen von AR in der Logistikindustrie ein und welche Faktoren werden die Entwicklungen beeinflussen?
A. Lechler:
Es wird einen großen Einfluss auf logistische Prozesse und die Schnittstelle zwischen Informationen (und Technologie) und Ausführendem geben. Es werden sich viele unterschiedliche, auch individuelle Anwendungsfälle entwickeln. Limitierende Faktoren sind aktuell noch in der Hardware zu finden, da sich Hersteller momentan noch auf den Konsumermarkt konzentrieren und Anbieter für industriell nutzbare Systeme erst langsam nachziehen.

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