Nach Börsencrash

Katerstimmung bei SAP

SAP ist das wertvollste Unternehmen der Republik – seine Aktie zählt zu den Antreibern des Dax. Doch mit seinem nun vorgestellten Quartalsbericht hat der Software-Gigant die Anleger verprellt.

Virus und Börsenkurse

Coronavirus und Cloud-Sorgen: SAP musste nun seine Prognose für die kommenden Jahre nach unten anpassen und verliert Anleger.

Der Schock sitzt tief: Mit satten 22 Prozent Verlust legte die SAP-Aktie gestern einen Crash historischen Ausmaßes hin, in dessen Sog gar der deutsche Leitindex geriet und ebenfalls mit einem Minus in die Woche gestartet ist. Doch was war passiert?

Relativ überraschend kam der Software-Konzern am Wochenende im Zuge der Vorstellung seines Quartalsberichts mit einer Gewinnwarnung heraus – demnach rechnet der Vorstand um Christian Klein mit deutlich weniger Umsatz als bisher veranschlagt. Ein Zustand, der sich wohl Corona-bedingt noch bis mindestens Mitte des kommenden Jahres hinziehen soll. Die Anleger ließen sich nicht lange bitten und reagierten pünktlich zur Eröffnung des Markts am Montagmorgen mit einem massiven Abverkauf.

Zugegeben, es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass die Walldorfer einen Dämpfer erhalten. Bereits mit Beginn der Corona-Krise musste der Konzern im April seine Prognosen nach unten korrigieren. Zwar sei zunächst „die Geschäftstätigkeit in den ersten beiden Monaten des ersten Quartals solide“ gewesen, wie man damals mitteilte, da sich allerdings die Auswirkungen der Pandemie zum Ende des ersten Quartals rasch verstärkt hätten, sei eine große Zahl von Neuabschlüssen verschoben worden, was die Lizenzerlöse um mehr als 30 Prozent habe einbrechen lassen. Noch im Frühjahr hatte man als Reaktion die Zahlen nur leicht nach unten angepasst und an den mittelfristigen Zielen bis 2023 gar komplett festgehalten.

Deutlich besser lief für SAP der Hochsommer an; im zweiten Quartal 2020 habe die Geschäftstätigkeit allmählich wieder angezogen. Die Software-Lizenzerlöse lägen zwar immer noch unter dem normalen Niveau, erholten sich jedoch stärker als erwartet, ließen die Walldorfer im Juli verlauten. Insgesamt gab man sich zufrieden und optimistisch. „Durch das breite Lösungsportfolio der SAP, unsere beispiellose Diversifikation im Hinblick auf Branchen und geografische Regionen sowie den hohen Anteil an besser planbaren Umsätzen konnten wir die Corona-Krise in diesem Quartal gut bewältigen. Die Software-Lizenzerlöse in Asien verzeichneten eine solide Erholung. Unsere schnelle Reaktion auf die Krise auf der Kostenseite förderte einen starken Anstieg des Betriebsergebnisses und der Marge“, so Finanzvorstand Luka Mucic in diesem Zusammenhang.

Und nun also der Schock. Zu den Übeltätern wird neben Covid-19 natürlich auch das investitionsintensive Cloud-Geschäft gerechnet. Alleine in dieser Sparte sind demnach in den kommenden Jahren Ausgaben im dreistelligen Millionenbereich geplant, um die Infrastruktur auszubauen. Bis diese sich amortisieren – mehr noch: rentieren – ist es ein weiter Weg. Auch und gerade weil die Konkurrenz auf diesem Gebiet nicht geschlafen hat. Dennoch hält Klein an seinen Cloud-Plänen fest und sagte dem Handelsblatt: „Ich will nicht das Wachstumspotenzial in der Zukunft für die kurzfristige Margenoptimierung opfern.“ Ob und wann die Kunden wieder bereit sind, ihre Geldbeutel zu öffnen und die IT-Budgets aufzustocken, bleibt allerdings abzuwarten – genauso wie die Frage, ob die Anleger nicht doch vielleicht künftig wieder verstärkt auf US-Unternehmen setzen, schließlich stellen u.a. Amazon und Alphabet voraussichtlich gegen Ende der Woche ihr aktuellen Zahlen vor.

Allerdings haben sich bereits am Montag, nach dem Kurseinbruch, SAP-Führungspersönlichkeiten mit Aktien eingedeckt. Unter ihnen sind Christian Klein und Finanzchef Mucic. Mit großem Abstand das meiste Geld nahm jedoch Konzern-Mitbegründer Hasso Plattner in die Hand: Er soll sich Papiere im Wert von rund 250 Millionen gesichert haben, als der Kurs mit 101 Euro zu Buche stand. Plattner war bereits zuvor mit einem Anteil von 5,9 Prozent der größte Einzelaktionär des Unternehmens – gefolgt von Dietmar Hopp der noch 5 Prozent hält. Diese Kaufaktion kann auch als Zeichen gewertet werden, dass die eigenen Spitzenleute nach wie vor Vertrauen in das Unternehmen und die bisherige Strategie Kleins haben.

Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus

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