Fegefeuer der Pilotprojekte

Kein Stillstand in der Produktion

Für die Mehrheit der deutschen Industrieunternehmen hat die Umstellung auf eine ­digitale Produktion höchste Priorität. Trotzdem bleiben die meisten Projekte in einem „Fegefeuer der Pilotprojekte“ hängen. Wer aus diesem Dilemma herauskommen will, sollte ein paar entscheidende Punkte beachten.

Kein Stillstand in der Produktion

Viele Unternehmen verfolgen bereits ein breites Spektrum an Anwendungen in der digitalen Fertigung.

Wäre es nicht schön, wenn man in der Produktion von Problemen wüsste, bevor sie entstehen? Intelligente Maschinen können genau das. Durch die permanente Auswertung unzähliger Daten haben sie ihren Wartungsstand stets im Blick. Sie wissen, wann Bauteile verschlissen sind, melden potentielle Störungen rechtzeitig oder beheben sie selbst. Technisch möglich ist dies alles schon heute. Deutsche Industriefirmen haben die Vorteile dieser Entwicklung bereits erkannt. Für 68 Prozent von ihnen hat die Umstellung auf eine digitale Produktion höchste Priorität. Das ergab die jährliche Industrie-4.0-Studie von McKinsey Digital.

Demnach verfolgen viele Unternehmen bereits ein breites Spektrum an Anwendungen in der digitalen Fertigung. Diese lassen sich in drei Bereiche einteilen. Zum Ersten ermöglicht die Anschlussfähigkeit, den Fluss von relevanten Informationen an die richtigen Entscheidungsträger in Echtzeit. Beispiele dafür sind das digitale Leistungsmanagement und die Verwendung von Augmented Reality zur Kommunikation von interaktiven Arbeitsanweisungen und Standardanweisungen. Der zweite Punkt ist Künstliche Intelligenz (KI): Durch fortschrittliche Analysen können neue Erkenntnisse gewonnen und bessere Entscheidungen getroffen werden. Der dritte Punkt ist die flexible Automatisierung. Hier wird Robotik eingesetzt, um Qualität, Sicherheit und betriebliche Prozesse zu verbessern. Beispiele sind autonome Fahrzeuge und die Verwendung von Cobots für Montageprozesse.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Trotzdem gelingt es vielen Unternehmen nicht, Pilotprojekte im Bereich Industrie 4.0 nach der Testphase zügig in den Arbeitsalltag zu integrieren. Sie bleiben in einem sogenannten „Fegefeuer der Pilotprojekte“ hängen. Weniger als 30 Prozent der Pilotprojekte hatten es laut einer McKinsey-Umfrage von 2017 in die breite Anwendung geschafft. 84 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie sich bereits seit über einem Jahr in einem „Fegefeuer der Pilotprojekte“ befanden. Bei 28 Prozent der Firmen dauerte dieser Zustand sogar schon mehr als zwei Jahre an. Meist beschränken sich Piloten auf einzelne Fertigungsschritte. Der Großteil des Maschinenparks bleibt von der digitalen Revolution unberührt. Die Praxis zeigt aber, dass es bestimmte Faktoren gibt, die den Sprung von der Pilotphase in den Arbeitsalltag begünstigen:

1. Industrie 4.0 ist Chefsache: Der Vorstand muss sich das Thema zu eigen machen.
2. Realistische Ziele sind wichtig.
3. Projekte müssen sich rechnen: Industrie-4.0-Anwendungen sollten schon früh auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden.
4. Gutes Personal ist entscheidend: Für die Umstellung auf eine digitale Produktion sind sowohl erfahrene Mitarbeiter als auch neue Arbeitskräfte mit künftig wichtigen Fähigkeiten wie Datenanalyse und Robotik nötig.
5. Daten sind ein wertvolles Gut, allerdings ist es wichtig zu wissen, wem diese Daten gehören.
6. Die Technologie muss zum Betrieb passen: Die beste Technologie nützt nichts, wenn die Mitarbeiter damit nicht arbeiten können.
7. Ohne Partner geht es kaum: Die wenigsten können den digitalen Wandel allein bestreiten.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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