Entlastung statt Bedrohung

Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz

Im Kommentar erläutert Franz Kögl, Vorstand beim Spezialisten für Enterprise Search und Content Analytics Intrafind, warum sich nicht jeder davor fürchten muss, seinen Arbeitsplatz an künstliche Intelligenzen zu verlieren.

Keine Angst vor künstlicher Intelligenz

Franz Koegl von Intrafind erklärt die Vorteile von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz.

Der Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) wird häufig von einem äußerst negativen Unterton begleitet: KI ist eine völlig neuartige Technologie, die es Maschinen ermöglicht, zu denken wie Menschen, und die uns in der Arbeitswelt deshalb alle überflüssig machen wird – so in etwa lassen sich die zahlreichen pessimistischen Stimmen zusammenfassen. Dabei ist Gelassenheit angebracht, denn in Wahrheit stimmt nichts davon. Künstliche Intelligenz ist weit davon entfernt zu denken. Und darum wird die Wirtschaft auf absehbare Zeit auch nicht ohne Menschen auskommen. Außerdem ist KI nicht neu.

Zweifellos liefert die Künstliche Intelligenz auf vielen Teilgebieten beeindruckende Ergebnisse und erreicht Fertigkeiten, die menschlichen Fähigkeiten nahekommen – sei es beim Verstehen von Sprache, beim Erkennen von Bildern oder beim Steuern von Fahrzeugen. Auf einigen Spezialgebieten ist sie den Menschen sogar deutlich überlegen – etwa beim Spielen von Schach oder dem Brettspiel Go. Diese Fertigkeiten sind aber immer auf eng begrenzte Spezialaufgaben beschränkt und innerhalb dieser Bereiche macht auch KI genauso wie jedes Computersystem nichts anderes als Probleme so zu lösen, wie es ihr Menschen zuvor durch Programmierung aufgetragen haben. Von einer übergreifenden, allgemeinen Intelligenz, die beim Auftauchen neuer, bislang für sie unbekannter Probleme in der Lage ist, selbst herauszufinden, was zu tun ist, ist das weit entfernt. Kurz gesagt: Künstliche Intelligenz verfügt im Gegensatz zu uns Menschen über keinen Verstand. Überdies ist es äußerst fraglich, ob sie das überhaupt jemals tun wird.

Das Horrorszenario, dass Künstliche Intelligenz uns bald alle arbeitslos machen wird, ist deshalb völlig übertrieben. Viel wahrscheinlicher ist, dass das eintritt, was bisher immer bei technologischen Revolutionen eingetreten ist: Die Technik wird uns von weiteren Standard- und Routinetätigkeiten entlasten, sodass wir mehr Freiraum für Aufgaben haben, die einen menschlichen Verstand erfordern, etwa die Analyse und Interpretation von Sachverhalten. Natürlich werden dadurch bestimmte Jobs verschwinden. Allerdings werden zeitgleich auch neue entstehen, von denen wir uns manche heute noch gar nicht vorstellen können. Mensch und Maschine werden sehr wahrscheinlich nicht um Arbeit konkurrieren, sondern sich gegenseitig unterstützen und ergänzen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Genauso wenig wie KI eine Bedrohung für uns darstellt, genauso wenig ist sie neu. Der Begriff „Artificial Intelligence“ wurde bereits 1955 in den USA vom Informatikprofessor John McCarthy geprägt. Dass in jüngster Zeit die KI-Systeme wie Pilze aus dem Boden schießen, liegt vor allem an den heute breit verfügbaren Daten und der massiv gestiegenen Rechenleistung. Auf einigen Gebieten kommt Künstliche Intelligenz aber schon länger zum Einsatz. So nutzen etwa Enterprise-Search-Lösungen bereits seit über zehn Jahren die Schlüsseltechnologie der KI, das Machine Learning, für die automatische Klassifikation von Dokumenten nach thematischen Kategorien, beispielsweise um eine automatische Weiterleitung von E-Mails aus Sammelpostfächern an die zuständigen Ansprechpartner zu realisieren. Damit exerziert die Unternehmenssuche bereits seit Langem die zentrale Stärke der Künstlichen Intelligenz: die Menschen von simplen, aber aufwendigen Aufgaben entlasten und ihnen dadurch mehr Freiraum für Herausforderungen schaffen, deren Bewältigung echte Intelligenz erfordert.

Bildquelle: Intrafind

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