Microsoft meint es ernst

Keine Ausreden mehr für die Cloud

Microsoft meint es ernst mit der Cloud. Mit einem Modell, in dem die Telekom als ­Treuhänder fungiert, will der US-Konzern endgültig alle Ängste der deutschen ­Unternehmen ausräumen. Um diese Botschaft zu überbringen, kamen die Microsoft-Chefs vergangenen Oktober eigens nach Berlin.

Satya Nadella, Microsoft

Die Microsoft-Chefs Satya Nadella (Foto) und Brad Smith kamen Anfang Oktober 2016 nach Berlin, um ­Bewegung in deutsche Cloud-Projekte zu bringen.

Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers stellte als Moderatorin zunächst fest, Cloud sei „ein Thema, das den meisten sehr sperrig vorkommt“. Die in Berlin von Microsoft-CEO Satya Nadella und Microsoft-Präsident Brad Smith vorgestellte Denkschrift „A Cloud for Global Good” soll jetzt Bewegung in die Sache bringen, vor allem im bisher äußerst zögerlichen und sicherheitsbewussten Deutschland.

Schon zu Beginn der Cloud-Diskussion war klar, dass Datenschutzbedenken die Nutzung der Angebote US-amerikanischer Anbieter unwahrscheinlich machen. Auf diese Bedenken hat das Unternehmen aus Redmond jetzt eine Antwort. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom als Treuhänder bietet man ein Public-Cloud-Paket an, das es in sich hat. Rund 3 Mrd. Dollar habe man investiert, um den europäischen Markt zu erschließen. „Seit ich den Namen Edward Snowden gehört habe, bin ich viel öfter nach Berlin gekommen“, erzählt Brad Smith. Dem Whistleblower ist also am Ende vielleicht sogar eine Cloud-Infrastruktur mit deutschem Sicherheitsniveau zu verdanken.

„Es ist ein besonderer Ansatz, den wir in Deutschland gewählt haben. Das zeigt, wie sehr wir gewillt sind, die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen“, erklärt CEO Nadella. Bisher nutzen laut Bundesverband Bitkom erst 50 Prozent der Unternehmen Cloud-Services. Es ist also noch ein ganz erheblicher und lukrativer Markt in Deutschland zu beackern. Das Telekom-Rechenzentrum in Magdeburg mit 30.000 Servern ist laut Telekom-Vorstand Timotheus Höttges mittlerweile fast ausgebucht, jetzt will man das Gebäude und die Rechenkapazität verdoppeln und damit das größte europäische – nicht mehr nur wie bisher das größte deutsche – Data Center werden. „Die Cloud ist der Zugang zur Digitalisierung unserer Gesellschaft“, so Höttges. In Zukunft würden alle Anwendungen in der Cloud liegen, durch die nächste Mobilfunkgeneration 5G auch Anwendungen im Bereich Industrie 4.0. „Die erste Hälfte der Digitalisierung haben wir krachend verloren, bei der zweiten Hälfte haben wir enorme Chancen. Deutschland ist Weltmarktführer bei Embedded, Feinmotorik und Maschinenbau.

Die Vernetzung ist die Wertschöpfung, die in der zweiten Stufe erreicht werden kann“, ist sich Höttges sicher. Zugleich forderten die Microsoft-Chefs dazu auf, die Nutzung von Cloud-Technologie so zu gestalten, dass soziale Teilhabe erreicht und die Negativauswirkungen der Automatisierung, der Wegfall vieler Millionen Arbeitsplätze, abgefedert wird. Nach Lesart der Redmonder wird „Cloud“ als Überbegriff für ganz unterschiedliche Trends wie Big Data, Künstliche Intelligenz (KI), Internet der Dinge oder Automatisierung vereinnahmt.

Künstliche Intelligenz vorantreiben


CEO Nadella erklärte in Berlin auch, man sei derzeit dabei, mit Azure den weltweit ersten KI-Supercomputer mit bisher nicht da gewesener Rechenstärke in CPUs und Grafikprozessoren zu bauen. Jeder App-Entwickler soll damit auf eine hohe Rechenleistung zugreifen können und auf ein Set von Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz: Informationsmanagement, Big Data Stores, Ma­chine Learning und Advanced Analytics, kognitive Services (Sensoren) und ein Bot-Framework. „Ebenso wie wir in der Vergangenheit Apps und Websites geladen habe, laden wir jetzt Konversationsschnittstellen, die mit dem Anwender kommunizieren“, erklärt der CEO. Statt zu tippen, können die Anwender dann mit der Anwendung sprechen, eine Technologie, die sich in China aufgrund der komplizierten Schriftsprache bereits durchgesetzt hat. Dahinter stehen das Bot-Framework, mit dem Entwickler eigene Chat-Bots bauen können, und die Sprach-Software Cortana.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Nach Google, das mit Tensorflow seine KI-Software allgemein verfügbar gemacht hat, damit sich die Entwicklung in Richtung Künstlicher Intelligenz beschleunigt, schickt nun auch Microsoft eine Plattform ins Rennen. Ohne Cloud-Infrastruktur ist das Vorantreiben der Rechnerintelligenz nicht denkbar. Die Redmonder sind sich einig, dass Cloud-Technologie das Angesicht der Welt verändert. Als Beispiel nennen sie den Energieversorger EnBW, der Straßenlaternen in Tankstellen für E-Mobilität verwandelt und damit einen bekannten Gegenstand funktional umwidmet, oder den Autozulieferer ZF, der mit der Public Cloud über eine IoT-Plattform (Internet of Things) die lückenlose Kontrolle wertvoller Fracht realisiert.

Bildquelle: Microsoft

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