Keine Produkte abkündigen

Interview mit Detlev Legler, Vice President Sales EMEA Central Region bei OpenText, über die Produktstrategie der Kanadier sowie die Integration mobiler Lösungen und Social Media in unternehmensweite Enterprise-Content-Management-Systeme

Detlev Legler, OpenText

Die Kollaborations- und Wissensmanagementplattform Livelink – heute OpenText Content Server – war nach der Gründung des kanadischen Softwarehauses OpenText im Jahre 1991 lange Zeit das Flaggschiff des Unternehmens. Anfang dieses Jahrtausends begannen die Nordamerikaner damit, ihre Produktpalette über strategische Firmenzukäufe kontinuierlich auszuweiten. Als Resultat bietet OpenText heute eine umfangreiche Enterprise-Content-Management-Suite (ECM), die neben der klassischen Archivierung und dem Dokumentenmanagement sämtliche Funktionalitäten entlang des Dokumentenlebenszyklus abdecken kann: vom Business Process Management (BPM) über Invoice Management und Portalsoftware bis hin zu Records Management oder Social Media.

Mit ihrem umfangreichen Portfolio und einer breiten Kundenbasis zählen die Kanadier heute neben IBM oder EMC zu den Schwergewichten der ECM-Branche. So erwirtschafteten die rund 4.500 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 912 Mio. US-Dollar. Doch auf dem Erreichten will man sich nicht ausruhen, wie Vice President Detlev Legler im Gespräch mit IT-DIRECTOR erklärt. Vielmehr arbeitet man gerade daran, aktuelle Trends wie Cloud Computing, Mobilität oder Web 2.0 über die eigene Produktpalette zu bedienen.

ITD: Herr Legler, wie schätzen Sie die Nachfrage nach Enterprise Content Management (ECM) heute ein?
D. Legler:
In vielen IT-Abteilungen kann man eine zeitversetzte Implementierungsstrategie erkennen. Es gibt Hypethemen, die von Anbietern, Analysten und der Presse heiß diskutiert werden, jedoch noch keinen Eingang in den Geschäftsalltag der Anwender gefunden haben. Lassen die Diskussionen nach und wird es still um die Hypes, verschwinden diese entweder sang- und klanglos oder sie werden gekauft und eingesetzt. Letzteres ist mit ECM passiert.

Mittlerweile hat sich Enterprise Content Management am Markt etabliert. Dabei sind die Vorteile für die Anwenderunternehmen klar erkennbar: Mit unserer ECM-Suite bekommen sie beispielsweise standardisierte Produkte, vorgefertigte Prozesse sowie eine einfache Administration und Benutzerverwaltung an die Hand.

ITD: ECM ist also längst nichts Neues mehr. Doch verfolgen Unternehmen bereits einen ganzheitlichen ECM-Ansatz oder dominieren eher Abteilungssysteme?
D. Legler:
Sicherlich gibt es erst einige Kunden, die sich für einen ganzheitlichen Ansatz und damit strategisch für uns als einzigen ECM-Lieferanten entschieden haben. Sie setzen unsere Produkte nach und nach ein und lediglich dann, wenn OpenText keine Lösung für einen bestimmten Bereich liefern kann, entscheiden sie sich für einen anderen Anbieter.

ITD: Wie viele Kunden sind das genau?
D. Legler:
Ca. fünf bis zehn Prozent der Kunden haben bereits eine strategische Entscheidung zu unseren Gunsten gefällt, drei bis vier Prozent einen flächendeckenden Rollout durchgeführt.

Neben der Entwicklung zu einem ganzheitlichen ECM-Ansatz erkennen wir einen weiteren Trend hin zur Konsolidierung. Denn es ist nicht sinnvoll, drei verschiedene Archivsysteme im Unternehmen einzusetzen. Aus der Konsolidierung dieser Systeme ergeben sich Skaleneffekte. Zwar bedeutet die Ablösung mehrerer Systeme erst einmal einen Migrationsaufwand, aber auf zwei bis fünf Jahre gesehen rechnet sich diese Maßnahme. Denn es wird nur noch eine Administration benötigt und die Informationen werden zentral über ein Repository den Anwendern zur Verfügung gestellt.

ITD: Was sind weitere Beweggründe für eine Konsolidierung?
D. Legler:
Früher migrierte man aufgrund der Verfügbarkeit von leistungsfähigeren und billigeren Speichermedien, denn allein durch den Wegfall der Hardware- und Wartungskosten rechnete sich eine Migration. Heute migriert man nicht mehr, um Hardwarekosten zu sparen, sondern um eine einheitliche Anwendungsbasis zu schaffen.

Wichtig ist es, bei der Migration die Prozesse nicht zu vergessen. Es ergibt keinen Sinn, die Unternehmensdaten einfach in ein neues System zu überführen und eins zu eins zu übernehmen. Denn hinter jeder zu migrierenden Information verbirgt sich eine gewisse Prozessrelevanz. Von daher muss man migrierten Content wieder Prozessen zuordnen können – zumal die Prozesse bei einer Migration häufig angepasst und optimiert werden. Das heißt, die Informationen müssen entsprechend der Business-Logik migriert und nicht allein auf ihre Inhalte reduziert werden.

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(Fortsetzung)

ITD: Sie erwähnten die ECM-Suite von OpenText. In der Vergangenheit wurde diese durch die Übernahme zahlreicher Firmen und deren Produkte erweitert. Inwieweit haben Sie die Produkte inzwischen in die Suite integriert?
D. Legler:
Mit der aktuellen Version „ECM Suite 2010“, die wir vergangenen Oktober herausbrachten, ist die Integration der verschiedenen Produkte weit vorangeschritten. Inzwischen umfasst die Suite neben dem klassischen Dokumentenmanagement mehr als 90 Komponenten und Funktionsbereiche, die nun als voll integrierte ECM-Suite zur Verfügung stehen. Der Kunde aber hat die Wahl, nur diejenigen einzusetzen, die er aktuell für die Unterstützung seiner Prozesse benötigt; so lässt sich die Suite Schritt für Schritt implementieren. Denn kein Unternehmen holt sich auf einen Schlag einen ECM-Monolithen ins Haus, wenn zunächst nur ein Teil davon benötigt wird.

Die Integration aller Produkte haben wir derzeit jedoch noch nicht gänzlich abgeschlossen. So sind wir etwa mit der Benutzerverwaltung und den Installationsroutinen noch nicht ganz zufrieden. Diese Bereiche entwickeln wir weiter.

ITD: Bei manchen Ihrer Firmenzukäufe hat sich das Portfolio überschnitten. Man denke nur an die Web-Content-Management-Systeme RedDot und Vignette – haben Sie solche Produkte abgekündigt?
D. Legler:
Stand heute gibt es bei OpenText kein einziges abgekündigtes WCM-Produkt. Natürlich haben wir zunächst mit Gauss und Obtree und später mit RedDot und Vignette vier ausgewiesene Web-Content-Management-Anbieter übernommen. Vorhandene Produktüberschneidungen haben wir jedoch wie folgt gelöst: Die Lösungen von Gauss und Obtree entwickeln wir zwar weiter, sie sind jedoch kein Bestandteil unserer ECM-Suite. Damit erhalten die Gauss- und Obtree-Anwender die Sicherheit, ihre Software auch künftig noch einsetzen zu können. Allerdings empfehlen wir diesen Anwendern, auf unsere ECM-Suite zu migrieren.

Dabei bieten wir ihnen die Umstellung ihrer Lizenzen an, so dass die bereits getätigten Investitionen geschützt sind und sie nur Zusatzfunktionen erwerben müssen, die in der früher erworbenen Version noch nicht vorhanden waren. Und mit dem ehemaligen RedDot und Vignette bedienen wir unterschiedliche Kundenanforderungen und Kundensegmente. Für hoch dynamische Websites mit großen Transaktionsvolumen und hoch komplexen Marketinganforderungen eignet sich Web Experience Management (ehemals Vignette) optimal, während das auch als SaaS erhältliche Web Site Management (ehemals RedDot) ideal für die Pflege mehrsprachiger Websites ist und sich insbesondere durch die intuitive Benutzeroberfläche auszeichnet.

ITD: Inwieweit haben Sie die Produkte von kürzlich erworbenen Firmen integriert?
D. Legler:
Die Produkte des im Oktober 2010 übernommenen Anbieters StreamServe sind bereits Komponenten der ECM-Suite und werden im Laufe dieses Jahres weiter integriert. Die Roadmap für das Business Process Management des im Februar 2011 erworbenen Softwarehauses Metastorm ist jedoch noch nicht finalisiert, wird aber sicherlich bald nachgereicht.

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(Fortsetzung)

ITD: Wie nehmen die Anwenderunternehmen solche Übernahmen auf?
D. Legler:
Die Konsolidierung des ECM-Marktes ist nach wie vor im Gange. Dies erkennt man beispielsweise an der Taktrate, mit der wir Firmen aufkaufen. Und auch künftig wollen wir unser Portfolio – gemäß den Bedürfnissen unserer Kunden – weiter ausweiten, wobei wir eine Firma nur übernehmen, um unsere Produktpalette zu ergänzen. Letztlich kommen unsere Zukäufe allen Kunden zugute, da sie mehr Funktionalitäten und damit eine höhere Flexibilität erhalten – und das alles aus einer Hand.

ITD: Welche IT-Themen fragen die Anwender derzeit verstärkt nach?
D. Legler:
Neben den bereits erwähnten strategischen ECM-Initiativen bemerken wir eine verstärkte Nachfrage nach Integrationsszenarien. Außerdem sind mobile Lösungen auf dem Vormarsch, wobei sich die Unternehmen teilweise mit konkreten Investitionen bislang noch zurückhalten. Selbst wir bei OpenText benötigen noch zwei bis drei Jahre, bis wir iPads und iPhones flächendeckend im Einsatz haben. Wie bereits gesagt, stehen Konsolidierungsprojekte – also die Migration von verschiedenen Systemen auf ein zentrales Archiv – sowie die Etablierung fachspezifischer Lösungen auf der Agenda vieler IT-Verantwortlicher. Aber auch diese Entscheidungen werden oft vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen ECM-Strategie gefällt.

ITD: Apropos Mobility – immer öfter bringen Mitarbeiter ihre privaten mobilen Endgeräte mit ins Büro ...
D. Legler:
... und stellen die IT-Verantwortlichen damit vor neue Herausforderungen, ähnlich wie bei Social Media. Denn sie können nicht kontrollieren oder verbieten, was man im Internet in Blogs, sozialen Netzwerken oder Foren über das jeweilige Unternehmen schreibt. Ähnlich verhält es sich mit der so genannten Konsumerisierung der IT: Kauft sich ein Mitarbeiter privat ein iPad, wird er so lange daran basteln, bis er damit ins Unternehmensnetzwerk kommt und seine E-Mails abrufen und bearbeiten kann. Von daher sollte man den Mitarbeitern ihre Endgeräte lassen und dafür sorgen, dass sie damit via VPN sicher ins Firmennetz gelangen. Unsere eigenen Mitarbeiter arbeiten bereits seit anderthalb Jahren mit mobilen Endgeräten, auch um eigene mobile Applikationen zu testen. Bislang gab es noch kein einziges Sicherheitsproblem.

ITD: Welches sind typische mobile Anwendungsfälle?
D. Legler:
Ich selbst gebe über mein iPhone oder iPad Angebote und Reiseanträge frei. Generell gewinnt flexibles Arbeiten zunehmend an Bedeutung, wodurch sich althergebrachte Arbeitsmodelle künftig stark verändern werden. OpenText selbst baut in der Europazentrale in Grasbrunn den Bereich für die Abteilungen Sales, Service und Marketing um. Im Zuge dessen erstellen wir komplett neue Arbeitsbereichskonzepte, um viel mehr Interaktion zu gewährleisten. Dabei lautet die grundsätzliche Frage, wie viele Einzelbüros benötigen wir eigentlich noch und wozu?

Ich selbst benötige vor Ort eigentlich kein eigenes Büro mehr. Denn wenn ich intensiv arbeiten muss, erledige ich dies entweder zuhause oder arbeite während meiner Geschäftsreisen im Hotelzimmer. Komme ich in unser Büro nach Grasbrunn, möchte ich mit meinen Mitarbeitern sprechen und interagieren. Dieses Beispiel zeigt, wie sich die Arbeitswelt momentan verändert. Die Mitarbeiter fahren nicht mehr in ein Büro, wo ein Desktop-PC steht, sondern sie arbeiten dort, wo sie sich gerade befinden.

ITD: Die Nutzer müssen jedoch auf alle relevanten Informationen zugreifen können ...
D. Legler:
Genau, und dafür bieten wir „OpenText Everywhere“. Dahinter verbirgt sich eine mobile Lösung, mit der man via VPN auf unser Dokumentenmanagementsystem „Content Server“ zugreifen kann.

Damit wir flexibler reagieren und schneller entsprechende mobile Anwendungen, so genannte Apps liefern können, haben wir Mitte März 2011 die Firma weComm gekauft. Hierbei handelte es sich erneut um einen reinen Technologiekauf, bei dem wir es nicht auf eine Kundenbasis abgesehen hatten. weComm stellt eine Entwicklungsumgebung bereit, mit der man Applikationen für mobile Devices entwickeln kann. Der große Vorteil: Man entwickelt eine Lösung und kann diese anschließend auf verschiedenste mobile Betriebssysteme ausrollen, beispielsweise iOS, Blackberry OS, Android oder Symbian.

ITD: Bieten Sie OpenText Everywhere bislang noch nicht für mehrere mobile Betriebssysteme an?
D. Legler:
Nur für iOS und Blackberry OS, wobei wir in nächster Zeit auch Lösungen für Android auf den Markt bringen werden. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Android derzeit massiv Marktanteile gewinnt.

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(Fortsetzung)

ITD: Welche Ihrer über 90 Module und Komponenten sind bereits mobil einsetzbar?
D. Legler:
Nicht alle, denn bei manchen ist eine mobile Verfügbarkeit kaum sinnvoll. Eine OCR-Erkennung für das Handy etwa braucht nur eine kleine Nutzergruppe. Außerdem geht es uns gar nicht darum, bestimmte Komponenten auf ein iPhone zu portieren, denn die reine Funktionalität läuft in der Regel auf der Serverebene ab.

ITD: Könnten Sie uns dies näher erläutern?
D. Legler:
Unsere Software-Architektur ist dreigeteilt: Zuunterst liegt die Enterprise Library. Dabei handelt es sich um das Unternehmens-Repository, in dem alle Informationen und Dokumente liegen. Darauf baut der Transaction Layer auf, in dem die eigentlichen Workflows, die Geschäftslogik und Transaktionen ablaufen. Schließlich folgt der Engagement Layer, der die Visualisierung für den Endbenutzer ermöglicht.

Der Engagement Layer ist über eine serviceorientierte Architektur (SOA) mit den anderen beiden Schichten verbunden. Das heißt, er greift auf den Transaction Layer und dieser wiederum auf die Enterprise Library zu. Ein Beispiel: Wenn ich mobil arbeite, erhalte ich nur die Visualisierung eines Workflows bzw. die Präsentation eines Dokuments, der Zugriff auf die Daten erfolgt auf den darunterliegenden Architekturebenen.

ITD: Können Sie uns eine Referenz für Ihre mobile Lösungen nennen?
D. Legler:
Unsere mobilen Lösungen kamen 2010 im Rahmen der G20-Gipfel in Toronto und Seoul zum Einsatz. Hierfür stellten wir eine hochsensible Umgebung bereit, innerhalb derer Politiker bereits Wochen vor dem eigentlichen Gipfel Informationen untereinander austauschen konnten. Unsere Software hat die Mitarbeiter der politischen Delegationen bei ihrer Entscheidungsfindung und der Vorbereitung des G20-Gipfels unterstützt. Das heißt, unsere mobilen Lösungen genügen den Regularien und Sicherheitsanforderungen von Regierungen – und dies auch auf internationaler Ebene. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter: Auch beim kommenden G20-Gipfel in Frankreich wird die Lösung eingesetzt werden.

ITD: Neben dem Trend zu mehr Mobilität nehmen sich immer mehr Unternehmen des Themas Social Media an ...
D. Legler:
Ja, immer mehr Unternehmen wollen Web-2.0-Tools wie Twitter, Wikis und Blogs nutzen, insbesondere im Rahmen ihres Webauftritts oder im Intra- und Extranet – allerdings in einer sicheren Umgebung und als Teil einer ECM-Strategie.

ITD: Können Sie uns ein Beispiel für einen erfolgreichen Web-2.0-Einsatz nennen?
D. Legler:
Entwickeln unsere Mitarbeiter heute Software, tauschen sie sich untereinander in einem Wiki aus. Da diese Informationen nachvollziehbar sein sollten und später auch in der Dokumentation und im Kundensupport zur Verfügung stehen müssen, muss es in ein unternehmensweites Content Management-System eingebunden sein.

Uns ist wichtig, dass alle Informationen aus einem Wiki ihren Weg in das Unternehmens-Repository finden. Vor diesem Hintergrund bieten wir unseren Kunden Web-2.0-Tools an, die sie für ihre Kommunikation einsetzen können und die in das eigene unternehmensweite Content-Management-System eingebunden sind.

ITD: Lassen sich auch externe Partner in die Web-2.0-Welt einbinden?
D. Legler:
Man kann die Tools natürlich auch in ein Extranet einbinden, um die Kommunikation mit Dienstleistern, Partnern oder Lieferanten zu verbessern. Generell wollen wir mit professionellen Web-2.0-Tools sicherstellen, dass eine Benutzerverwaltung ebenso möglich ist wie eine Protokollierung und klassisches Records Management. Damit weiß man genau, was wann und von wem veröffentlicht wurde. Gerade wenn es um die Produktentwicklung geht, kann so die teils vom Gesetzgeber geforderte Produktdokumentation und Qualitätssicherung gewährleistet werden.

ITD: In den Unternehmen gibt es im Hinblick auf Social Media häufig noch Berührungsängste ...
D. Legler:
Der Versuch, etwas zu kontrollieren, indem man es verbietet, funktioniert bei sozialen Medien nicht. Denn verbietet man den Mitarbeitern das Twittern am Arbeitsplatz, nehmen sie bei nächster Gelegenheit ihr privates Smartphone in die Hand und tun es darüber. Man sollte seine Mitarbeiter vielmehr davon überzeugen, mit Social-Media-Tools wie Facebook oder Twitter verantwortungsvoll umzugehen und im Sinne der Unternehmensphilosophie zu agieren.

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(Fortsetzung)

ITD: Sollte man feste Richtlinien vereinbaren?
D. Legler:
Die Mitarbeiter müssen lernen, wie man mit dem Web 2.0 umgeht. Daher benötigen Unternehmen vielleicht so etwas wie einen Social-Media-Knigge.

Für die Verantwortlichen ist es wichtig zu beobachten, was um sie herum im Internet passiert – etwa, was die Mitarbeiter in Blogs oder Twitter über ihren Arbeitgeber schreiben. Dies sollten die Verantwortlichen nicht nur wahrnehmen, sondern auch reflektieren und entsprechend darauf reagieren. Aus den gesammelten Informationen können sie dann Schlussfolgerungen ziehen und aus denen wiederum Verbesserungsmöglichkeiten ableiten.

ITD: Wer stößt Web-2.0-Projekte an? Die Personalabteilung, die Geschäftsführung, das Marketing oder doch der IT-Bereich?
D. Legler:
IT-Abteilungen werden – bis auf wenige Ausnahmen – eher von den Fachabteilungen dazu getrieben, Web-2.0-Projekte aufzusetzen. Dagegen stößt die Kommunikationsabteilung gerne interne Web-2.0-Projekte an. Manchmal kommt der Anstoß auch aus der Geschäftsführung, die sich einen neuen Kommunikationskanal zu ihren Mitarbeitern erschließen möchte.

Bei den Marketingkollegen geht es vorrangig um die Kommunikation mit den Endkunden. Sie nutzen Web-2.0-Tools, um Ideen zu sammeln: Was genau braucht der Kunde? Wie reagieren die Kunden auf bestimmte Produkte? Eine Studie von Gartner besagt, dass im Jahr 2013 75 Prozent aller Inhalte, die über eine Marke im Internet verfügbar sind, nicht vom Hersteller selbst, sondern von den Konsumenten veröffentlicht werden. Sollten Unternehmen solche Äußerungen und Kommentare missachten, merken sie zu spät, dass sie unter Umständen ein großes Produktproblem haben. Oder aber sie übersehen wichtige Anregungen, die ihre Produkte besser machen und Kundennähe beweisen.

ITD: Welche Web-2.0-Technologien sollte ein Unternehmen nutzen – die von Spezialisten wie Jive, Unified-Communications-Anbietern oder ECM-Herstellern?
D. Legler:
Das ist immer eine Frage des Anwendungsfalls: Wofür will man das Tool einsetzen? Was will man damit bezwecken? Möchten die Verantwortlichen Social-Media-Tools für interne oder externe Prozesse nutzen, die zur Wertschöpfungskette gehören, sollten sie auf jeden Fall auf einen ECM-Anbieter setzen. Dessen Lösung garantiert, dass alle Informationen auch Bestandteil des Unternehmens-Repository werden und dass man auch nach zehn oder zwanzig Jahre noch darauf zugreifen kann.

ITD: Lassen Sie uns abschließend einen Blick auf die Partnerlandschaft von OpenText werden. Mit welchen Firmen arbeiten Sie verstärkt zusammen?
D. Legler:
Mit vielen, wobei SAP und Microsoft in Europa zu unseren wichtigsten Partnern zählen; in Nordamerika kommt noch Oracle hinzu.

Microsoft ist einer unserer wichtigsten Technologiepartner. Für gewisse Kernprodukte in unserer ECM Suite definieren wir gemeinsam mit Microsoft, dass wir nach der Freigabe neuer Microsoft-Versionen – zum Beispiel in der Betriebssystem- und Datenbankumgebung – auch unsere Produkte entsprechend schnell hierfür freigeben. An dieser Stelle existiert eine 90-Tage-Vereinbarung: 90 Tage nach der Freigabe von Microsoft müssen auch unsere Produkte angepasst sein. Auch deshalb sitzen OpenText-Spezialisten direkt auf dem Campus von Microsoft in Redmond und sind in die Roadmap-Planung und Produktentwicklung mit eingebunden.

Des Weiteren unterstützen wir Microsoft SharePoint in zweierlei Hinsicht: Zum einen als ein mögliches Frontend. Dabei arbeiten die Endnutzer mit SharePoint, greifen im Backend aber stets auf unser zentrales Repository zu. Dies gilt sowohl für Inhalte, die in SharePoint erstellt wurden, als auch für solche aus Drittsystemen. Zum anderen erstellen die User in SharePoint selbst Dokumente, die rechtssicher archiviert werden müssen. Archivierung oder Records Management sind keine Domäne der Redmonder. Daher bieten wir einen Adapter, der sich an SharePoint heftet und die Daten, die für eine langfristige Archivierung relevant sind, an unser Repository weiterleitet. Somit kann auch ein Anwender, der sonst nicht mit SharePoint arbeitet, aber die entsprechende Berechtigung hat, diese Daten einsehen.

ITD: Und wie gestaltet sich die Partnerschaft mit SAP?
D. Legler:
Technologisch gesehen besitzen wir eine hohe Integrationstiefe mit den SAP-Lösungen und sind in Walldorf ebenso nah an der Produktentwicklung wie in Redmond. Zusätzlich haben wir seit einigen Jahren einen Reselling-Vertrag mit SAP. Dies bedeutet, dass die SAP AG unsere Produkte weltweit aktiv mitverkauft. Produkte aus unserem Portfolio, die SAP-nah sind – wie etwa StreamServe oder die gesamte SAP-Archivierung hinter den FI- oder HR-Modulen – sind standardmäßig integriert und können von der SAP mit eigenen Preislisten verkauft werden.

 

Detlev Legler
Alter: 54
Werdegang: Detlev Legler ist seit rund 20 Jahren in führenden Vertriebs- und Marketingpositionen bei internationalen Software-Unternehmen tätig. Zu OpenText stieß er 2005. Vor seinem Wechsel war er Geschäftsführer beim Dokumentenmanagementanbieter Kleindienst GmbH. Davor baute er bei namhaften Unternehmen wie Staffware und Data General erfolgreich die Vertriebsorganisationen auf.
Derzeitige Position: Vice President Sales EMEA Central Region bei OpenText
Hobby: alles, was mit HiFi zu tun hat

Bildquelle: © Ole Eckhoff

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

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