DevOps-Tools: Interview mit Georg von Sperling, Automic

Keine Silos in der Software-Entwicklung

Interview mit Georg von Sperling, Manager Application Release Automation Sales Europe bei Automic Software, über nützliche Tools, die die Software-Entwicklung im Rahmen der devOps-Methode voranbringen können

Georg von Sperling, Automic Software

Georg von Sperling, Manager Application Release Automation Sales Europe bei Automic Software

IT-DIRECTOR: Herr von Sperling, bitte geben Sie unseren Lesern eine kurze Definition von DevOps. Welche Vorgehensweisen liegen diesem Software-Entwicklungsmodell zugrunde?
G. von Sperling:
Der Begriff DevOps setzt sich aus den Worten „Development“ und „Operations“ zusammen und symbolisiert den Schulterschluss zwischen Entwicklern und dem IT-Betrieb. In DevOps-Teams arbeiten sie eng zusammen. DevOps ist eigentlich eine Kultur, die Informationssilos und die zu starke Abgrenzung von Entwicklung und Betrieb vermeidet, um einerseits die Anwendungsentwicklung zu beschleunigen und andererseits die Integrität von Produktionsumgebungen zu schützen. Der IT-Betrieb soll wie die Entwicklung und die Entwicklung wie der IT-Betrieb denken, unterstützt vom DevOps-CAMS-Konzept (Culture, Automation, Measurement, Sharing). DevOps geht Hand in Hand mit allen Entwicklungsmodellen wie Agile, Scrum, RAD, Extreme, Lean oder dem traditionellen Wasserfallmodell.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können mithilfe von DevOps gegenüber der klassischen Software-Entwicklung Zeit und Kosten gespart werden?
G. von Sperling:
Bevor neuer Code in den Systemen implementiert werden kann, egal ob es sich um eine neue Anwendung oder ein Update handelt, müssen viele Aufgaben von den Entwicklungs-, Qualitätssicherungs- und Betriebsteams durchgeführt werden, viele davon manuell oder nur halbautomatisiert. Die Planung, Koordination und Umsetzung aller Updates, die über den Lebenszyklus einer Anwendung anfallen, sind normalerweise sehr riskant und zeitaufwendig und nutzen teure technische Ressourcen auf eine ineffiziente Art und Weise. Die Idee von DevOps ist es, durch die enge Zusammenarbeit der Teams viele Probleme von vornherein zu vermeiden und darüber hinaus, möglichst viele Aufgaben zu automatisieren. Man könnte es auch so zusammenfassen: DevOps steht für Automatisierung und Zusammenarbeit. Das spart Zeit und damit Geld und erhöht die Transparenz sowie Sicherheit. Dementsprechend nutzen DevOps-orientierte Organisationen ihre Zeit in erster Linie, um Anwendungen zu verbessern und schneller zu liefern, anstatt sie zu reparieren. Das wirkt sich sehr positiv auf das Unternehmen insgesamt aus.

IT-DIRECTOR: Für welche Anwendungstypen oder für welche Programmiersprachen eignet sich die Nutzung von DevOps besonders?
G. von Sperling:
Die Nutzung von DevOps eignet sich besonders für Anwendungen, die Unternehmen selbst entwickeln, deren Architektur komplex ist und die von Teams entwickelt bzw. betreut werden, die alle mit unterschiedlichen Verfahren arbeiten, deren Mitglieder sehr stark auf ein Fachgebiet spezialisiert sind und dementsprechend unterschiedliche Sichtweisen haben. Außerdem eigenen sie sich für neue Anforderungen der Fachseite, die schnell umgesetzt werden müssen und zudem geschäftskritisch sind.

IT-DIRECTOR: Welche Tools sollte man am besten nutzen? Welche kann man eher vernachlässigen?
G. von Sperling:
Die folgenden Tools unterstützen Zusammenarbeit und Automatisierung, liefern KPIs und fördern die gemeinsame Nutzung von Informationen, deshalb sollte man sie unbedingt nutzen:
•    Kanban Boards
•    Revision-Control-Anwendungen
•    Continuous-Build-and-Integration-Anwendungen
•    Continuous-Configuration-Anwendungen
•    Deployment Automation Software
•    Release Automation Software
•    Orchestration Software
•    Monitoring Software, jeweils von verschiedenen Anbietern

Man sollte keine Tools nutzen, die zu Dev- oder zu Ops-lastig sind. Sie unterstützen die Zusammenarbeit nicht. Darüber hinaus müssen die Tools skalierbar und hochverfügbar sein, aktuelle Sicherheitsmodelle berücksichtigen, Transparenz bieten sowie den internen und gesetzlichen Vorgaben entsprechen, sonst sind sie für das Betriebsteam nicht geeignet. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Software weder wartungsintensiv noch technologiegebunden ist, damit sie Entwickler und das Qualitätssicherungsteam nicht von ihren Kernaufgaben ablenken.

IT-DIRECTOR: Wie verlaufen üblicherweise die Softwaretests im Rahmen eines DevOps-Konzepts?
G. von Sperling:
Die Tests an sich verlaufen im Prinzip ähnlich, der Unterschied ist, dass das Betriebsteam den Entwicklern vor der Veränderung der Systeme die Chance gibt, zu prüfen, wie sich eine Anwendung unter den neuen Bedingungen verhält. Dazu gehören z.B. Updates im Zuge von Wartungsarbeiten oder Sicherheitspatches. Die Ergebnisse der Tests werden anschließend dem gesamten Team zur Verfügung gestellt und erst dann implementiert, wenn die Tests positiv verlaufen sind. Darüber hinaus gibt es definierte Feedbackschleifen und die Arbeiten werden so weit wie möglich automatisiert. Viele Organisationen verzichten heutzutage auf solche Tests, weil diese prozessual zu komplex und aufwendig sind. Die Zusammenarbeit von Entwicklern und IT-Betrieb könnte die Situation entscheidend verbessern.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten Großunternehmen bei der Umstellung von einer klassischen Software-Entwicklung auf DevOps vor allem achten? Wo finden Sie Mitarbeiter mit entsprechendem DevOps-Hintergrund?
G. von Sperling:
Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern kann man zwar nach DevOps-Erfahrung fragen, aber es ist eher eine Einstellung und eine Arbeitsweise als eine Qualifikation. Es gibt ja auch kein Zertifizierungsprogramm für DevOps. Wahrscheinlich findet man auch genügend Mitarbeiter im eigenen Team, die so etwas gerne ausprobieren und später im Unternehmen etablieren würden. Bei DevOps geht es um Offenheit, Automatisierung, Entscheidungsklarheit und Funktionsfähigkeit. Wenn man vorhat, so zu arbeiten, sollte man darauf achten, dass Stabilität und Kontrolle, das Credo der Mitarbeiter im Betrieb, mit dem Credo der Entwickler – Agilität und Geschwindigkeit – in Einklang gebracht wird und keine Wissensinseln entstehen.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte ein DevOps-Projekt bei einem Großunternehmen beschreiben?
G. von Sperling:
Wir arbeiten gerade mit verschiedenen Unternehmen daran, Aufgaben rund um das Testing und die Infrastruktur zu automatisieren. Das ist im Prinzip ein Bereich, den man angehen sollte, wenn man DevOps etablieren möchte. DevOps selbst ist aber wie gesagt eher eine Kultur oder Arbeitsweise, die man nach und nach im Unternehmen etablieren muss. Dabei geht es um viel mehr als um Technologie oder Methoden.

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