Eine Frage der Verantwortung

Klassisches Outsourcing hat ausgedient

Ihre IT auszulagern, gehört für viele Unternehmen seit Langem zur bewährten Geschäftspraxis. Bedingt durch die fortschreitende Digitalisierung hat das klassische Outsourcing jedoch weitestgehend ausgedient. In unseren heutigen disruptiven Zeiten verändern sich Geschäftsmodelle so schnell wie nie zuvor.

Frau mit Helm und Projektakte

Der Ansatz, die komplette IT auszu­lagern, ist nicht für alle Unternehmen gleichermaßen empfehlenswert.

Seit knapp zehn Jahren ist der Anteil jener Unternehmen, die einzelne Prozesse samt eigenem IT-Fachpersonal an einen Dienstleister auslagern, rückläufig. Stattdessen wollen Firmen heutzutage vollumfänglich betreut werden. Sie wollen ihr Application- und Operation-Management komplett outsourcen. Die Ursache für diese Entwicklung liegt auf der Hand: Aufgrund der Digitalisierung können sie auf ihre IT-Fachkräfte nicht verzichten. Um sich zukunftssicher aufzustellen, sind Unternehmen gefordert, ihr Geschäftsmodell und ihre Prozesse zu transformieren. Selbst große Unternehmen mit mehreren Milliarden Euro Umsatz können ihre IT-Infrastruktur nicht mehr selbst verwalten, betreuen und pflegen.

Der Ansatz, die komplette IT auszulagern, ist nicht für alle Unternehmen gleichermaßen empfehlenswert. Ob Unternehmen einzelne Applikationen oder ihre gesamte IT auslagern, ist in der Regel von ihrer Größe abhängig. Die Mehrzahl der Start-ups kümmert sich selbst um Prozesse und Applikationen, große Konzerne wollen dagegen möglichst viel extern verlagern. In diesem Kontext ist derzeit zu beobachten, dass Unternehmen zunächst einen Partner wie etwa Arvato Systems suchen, der sie bei der Transformation ihrer eigenen IT unterstützt. Dabei geht es in erster Linie darum, eine moderne, skalierbare IT-Plattform zu erhalten. Hierbei ist es gleich aus mehreren Gründen sinnvoll, seine IT an einen Dienstleister auszulagern. Im Rahmen der Migration ist er einerseits in der Lage, auf Basis moderner Technolo­gien eine aktuelle technologische Plattform mit geringem Aufwand zu etablieren. Andererseits erhält das Unternehmen eine nutzungsbasierte Abrechnung. Desweiteren lassen sich beispielweise Eigenentwicklungen durch Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) substituieren. Die Möglichkeiten sind hier vielfältig und flexibel – und damit für die individuellen Anforderungen und Herausforderungen des jeweiligen Unternehmens optimal skalierbar. Nachdem der Transformationsprozess initial angestoßen ist und sich erste Erfolge einstellen, wollen viele Unternehmen einen Schritt weitergehen und ihr komplettes Application-Management an einen Dienstleister auslagern.

Immer wieder auf den Prüfstand stellen

Dass es sich um mehr als einen kurzfristigen Hype handelt, belegt Gartner mit aktuellen Zahlen: Das Marktforschungsunternehmen geht davon aus, dass bis 2025 80 Prozent der firmeneigenen Rechenzentren geschlossen sein werden. Dennoch werden Unternehmen auf Insourcing nicht komplett verzichten können. Schließlich ist es üblicherweise die eigene IT-Abteilung, die neue digitale Geschäftsmodelle entwickelt und erprobt. Und für diese strategisch entscheidende Aufgabe hat sie nur dann Zeit, wenn das Application- und Operation-Management durch einen IT-Dienstleister erfolgt. Damit eine derartige Zusammenarbeit gelingt, braucht es verbindliche Service-Level-Agreements (SLAs). Aufgrund der Schnelllebigkeit von Geschäftsmodellen und Markttrends sind flexible Rahmenverträge für jedes einzelne Unternehmen unverzichtbar. Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist es aber nicht so, dass Firmen die Verantwortung für ihr Geschäft komplett abgeben, wenn sie Outsourcing betreiben. Verbleiben die Applikationen weiterhin bei einem Unternehmen, trägt es nach wie vor die Verantwortung dafür. Trotz Outsourcing obliegt es dem Unternehmen, eine Software zu warten und aktuell zu halten, um zu verhindern, dass beispielsweise Sicherheitslücken entstehen.

Daneben ist es erfolgsentscheidend, dass Unternehmen und Dienstleister zueinander passen. So sollten Kunde und Dienstleister in etwa ähnlich groß sein. Denn kleine Dienstleister können die Anforderungen großer Kunden oftmals nur bis zu einem gewissen Grad erfüllen – und sei es nur aus personellen Gründen. Aber auch umgekehrt kann es zu Komplikationen kommen. Größere Dienstleister sind Sicherheitsnormen verpflichtet, sie arbeiten strukturiert und prozessorientiert. In Zusammenarbeit mit einem Start-up, das sein Geschäftsmodell gerade erst entwickelt, kann es darum zu Unstimmigkeiten kommen. In solchen Fällen ist das Start-up bei einem Hyperscaler unter Umständen besser aufgehoben.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Unabhängig von der Größe des IT-Dienstleisters muss eine wesentliche Voraussetzung erfüllt sein: Systemintegratoren sind gefordert, sich selbst disruptiv zu transformieren und ihr eigenes Portfolio immer wieder kritisch zu hinterfragen. Nur so sind sie in der Lage, neue Konzepte und Produkte, die auf den veränderten Betreuungsbedarf ihrer Kunden optimal abgestimmt sind, zu entwickeln und fortlaufend anzupassen – und so ihre eigene Zukunftsfähigkeit sicherzustellen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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