Pro und Contra

Kostengünstiger dank der Cloud?

Inwieweit Cloud Computing tatsächlich die IT-Kosten in Unternehmen senken kann, diskutieren Andreas Stein, Managing Director Dell Services, und Dirk K. Martin, geschäftsführender Gesellschafter der PMCS.Helpline-Software-Gruppe.

  • Andreas Stein, Dell Services

  • Dirk K. Martin, PMCS.Helpline

Pro: Andreas Stein, Dell Services

Geschenkt gibt es natürlich auch im Cloud Computing nichts, denn die sichere Bereitstellung von IT-Ressourcen ist auch für die Provider mit hohen Aufwendungen verbunden. Trotz der zusätzlichen Rendite beim Anbieter ist für die meisten Nutzer im Vergleich zu klassischen Liefermethoden allerdings eine Kostenreduzierung möglich. Neben den möglicherweise besonders effizienten und zunehmend automatisierten Abläufen beim Provider sind vor allem Größendegressionseffekte für diese Kostenvorteile ausschlaggebend.

Der Ressourceneinsatz erfolgt beim Cloud-Provider im Vergleich zu den meisten Anwendern auf einem anderen Niveau: er betreibt nicht bloß zwanzig oder fünfzig Server, sondern 1.000 oder 2.000. Mit den bekannten betriebswirtschaftlichen Effekten: Pro Server-Minute fallen Fixkosten, von den Investitionen in Hardware, Sicherheitskonzepte und Räumlichkeiten bis zu Weiterbildung und Urlaubsvertretung, weniger ins Gewicht. Economies of Scale gibt es aber auch aufgrund der breiten Anzahl von Nutzern. Unter diesen Bedingungen lassen sich Anforderungen, wie die besonders kostenintensive Vorhaltung von Kapazitäten für Lastspitzen, über mehrere Kunden kombinieren und relativ günstig erbringen. Diese Kostenvorteile gibt der Provider an den Cloud-Nutzer weiter. Ein Anwender muss schon sehr groß sein, um ähnliche Effekte innerhalb des Unternehmens realisieren zu können. Damit ist aber schon deutlich, wo die Grenzen für die Kostenvorteile bestehen: Je größer die möglichen Skalierungseffekte innerhalb des Unternehmens sind, desto geringer ist der Kostenvorteil der Cloud. Je weniger sich die eigenen Anforderungen mit dem meist standardisierten Angebot der Cloud-Anbieter decken, umso schwieriger ist die Realisierung von Kostenvorteilen.

Contra: Dirk K. Martin, PMCS.Helpline

Auf den ersten Blick ist der Bezug von Cloud-Services verlockend: monatliche Abrechnung, kein Ärger und Aufwand durch den Betrieb der Applikation im eigenen Rechenzentrum und ein Rundum-Sorglos-Paket in Bezug auf Sicherheit und Verfügbarkeit. Stellt man die reinen Betriebskosten für eine Applikation in der Cloud den Betriebskosten im Eigenbetrieb gegenüber, ist die Cloud zumindest in den ersten Jahren vermeintlich günstiger. Die Bewertung des Risikos in Euro ist diesen Rechnungen jedoch nicht zu finden.

Wenn heute trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ein wichtiges System im Rechenzentrum eines Unternehmens ausfällt, wird die Mannschaft alles daran setzen, so schnell wie möglich wieder produktiv zu sein und im Notfall eine Nachtschicht einlegen. Ein Cloud-Provider hingegen wird sich sehr genau überlegen, ob er bei einem Ausfall genau so engagiert reagiert oder vielleicht sogar eine Vertragsstrafe hinnimmt und der Kunde länger auf die Lösung warten muss. Was das für das eigene Geschäft bedeutet, kann nur jedes Unternehmen selbst beurteilen.

Wer sich die Verträge von Cloud-Providern anschaut, wird feststellen, dass eine entsprechend hohe Sicherheit und Verfügbarkeit immer ihren Preis haben, schließlich muss auch der Provider für jedes Quäntchen mehr Verfügbarkeit überproportional investieren. Darüber hinaus ist die Integration von Cloud-Lösungen in bestehende Infrastrukturen eine große Herausforderung. Keine unternehmensrelevante Applikation kommt ohne Schnittstellen in andere Systeme aus, so dass man plötzlich nicht mehr nur Systeme im eigenen Rechenzentrum koppelt, sondern eine Anbindung an die Cloud-Lösung braucht. Wenn das immer so einfach wäre, würden einige Cloud-Anbieter bei Schnittstellenfragen nicht so gern auf Partner verweisen und diesen Punkt nach Möglichkeit in den eigenen Angeboten aussparen.

Auch die Sicherheitsrisiken in der Cloud sind hinreichend diskutiert. Quintessenz ist, das die Akzeptanz von Cloud-Lösungen regional sehr unterschiedlich ist. Geschäftspartner und Kunden wollen wissen, was mit ihren Daten passiert und wo diese gespeichert werden. Wer Applikationen, z.B. mit wichtigen Kundendaten in der Cloud betreibt, spart vermeintlich Geld. Wenn aber neue Kunden nicht gewonnen werden, weil man nicht nachweisen kann, wie mit deren Daten umgegangen wird, hat man den gegenteiligen Effekt.

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