Fokus auf Glasfaser: Interview mit Jost Hermanns, Netcologne

Kostenintensiver Breitbandausbau

Interview mit Jost Hermanns, Geschäftsführer bei Netcologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH in Köln, über den Stellenwert von Voice over LTE (VoLTE) für eine flächendeckende Breitbandversorgung

Jost Hermanns, Netcologne

Jost Hermanns, Geschäftsführer bei Netcologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH in Köln

IT-DIRECTOR: Herr Hermanns, gemäß der Breitbandstrategie der Bundesregierung sollen flächendeckend allen Haushalten in Deutschland bis 2018 Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Wie ist der momentane Stand bei diesem bundesweiten Breitbandausbau?
J. Hermanns:
Wir sind aktuell in Deutschland leider noch weit von diesem flächendeckenden Wunschstandard entfernt. Vor allem in Regionen jenseits der großen Ballungszentren tröpfeln häufig nur ein paar Megabyte aus den Leitungen. Um möglichst großflächig ausbauen zu können, setzen wir deshalb in unserem Verbreitungsgebiet auf einen Technologie-Mix. In dicht besiedelten Gebieten bieten wir unseren Kunden bis zu 100 Mbit/s über FttB- oder HFC-0-Leitungen (Fibre to the Building, Hybrid Fibre Coax) an. In ländlicheren Regionen verlegen wir Glasfaserkabel bis zu den grauen Schaltkästen am Straßenrand (FttC = Fibre to the Curb) und bieten unseren Kunden aktuell bis zu 50 Mbit/s an. Perspektivisch werden wir die Anschlüsse auch hier durch den Einsatz von Vectoring auf bis zu 100 Mbit/s hochschrauben können.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie aktuell die Rolle der Politik – sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene – hinsichtlich des Breitbandausbaus ein? An welchen Stellen läuft es gut? Wo besteht dringender Handlungsbedarf?
J. Hermanns:
Der Breitbandausbau in Deutschland ist sehr kostenintensiv. Ohne finanzielle Unterstützung werden es die TK-Anbieter allein nicht schaffen, diese Milliardensummen zu stemmen. Die Politik hat hier gute Ansätze. Es werden immer mehr Fördertöpfe geschaffen. Doch häufig sind einfach noch die Hürden zu hoch, um diese sinnvoll einsetzen zu können.

IT-DIRECTOR: Welche Bedeutung besitzen im Rahmen Ihrer eigenen Breitbandinitiative einzelne Technologien wie Funk, Glasfaser- bzw. Kupferleitungen oder Satelliten?
J. Hermanns:
Wir haben bereits früh den Fokus auf Glasfaseranschlüsse gelegt und dieses Netz in den letzten Jahren konsequent ausgebaut. Inzwischen können wir bereits ein Drittel unserer Festnetzkunden über diese eigene Glasfaserinfrastruktur versorgen. Im Vergleich zu Kupfer- oder Funkleitungen bietet Glasfaser den Vorteil, dass es hier keine Leistungsrestriktionen beispielsweise durch die Leitungslänge oder die Anzahl der Nutzer gibt.

IT-DIRECTOR: Welchen Stellenwert nehmen im Rahmen Ihres Netzausbaus LTE sowie Voice over LTE ein?
J. Hermanns:
Wir setzen beim Netzausbau in erster Linie auf glasfaserbasierte Festnetzanschlüsse. Sie haben gegenüber LTE den deutlichen Vorteil, dass sie leistungsstärker sind und die Bandbreite auch bei vielen Nutzern stabil bleibt.

IT-DIRECTOR: Welche neuen oder erweiterten Geschäftsmodelle wollen Sie insbesondere Unternehmen künftig auf Basis einer deutlich verbesserten Breitbandversorgung anbieten?
J. Hermanns:
Wir bieten unseren Geschäftskunden bereits heute Bandbreiten im Gigabyte-Bereich an. Durch den Anschluss der Gebäude über FttB (=Fibre to the Building), bei der die Glasfaser bis in den Keller der Gebäude verlegt wird, sind den Bandbreiten theoretisch keine Grenzen gesetzt.

IT-DIRECTOR: Wie können Anwenderunternehmen, deren Standorte aktuell noch nicht von den Vorzügen des Breitbandausbaus profitieren können, dennoch für stabile und schnelle Netzverbindungen sorgen?
J. Hermanns:
Wir bieten speziell im Geschäftskundenbereich auch individuelle Lösungen für einzelne Unternehmen an. So ist beispielsweise die Erschließung mit Glasfaserleitungen auf Projektbasis möglich.

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