Gesunde Weiterentwicklung

Krankenkasse implementiert SAP-Schnittstellen

Die Krankenkasse Barmer GEK setzt auf ein SAP-basiertes Softwaresystem und meisterte den Umstieg mithilfe eines IT-Dienstleisters.

Barmer GEK

Der Barmer GEK Standort in Wuppertal

Das deutsche Gesundheitssystem ist von einem scharfen Wettbewerb der Krankenkassen geprägt: Rund 150 gesetzliche Kassen und 50 private Versicherer ringen ständig um Marktanteile. Zum Kreis der führenden Krankenkassen zählt seit Jahren die Barmer GEK. Um diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden zu können, musste das Unternehmen sein Leistungsmanagementsystem gründlich renovieren.
Wie bei vielen großen Unternehmen war auch bei der Krankenkasse zuvor ein für den Konzern entwickeltes Individualsystem im Einsatz, das über die Jahre gewachsen und immer wieder an neue Erfordernisse angepasst worden war. Mit der Zeit waren die Nachteile dieses Systems im Hinblick auf Systempflege und Prozesseffizienz allerdings immer deutlicher geworden. Konsequenz: Der gesamte Bereich Beitrags- und Leistungsmanagement wurde auf Oscare, ein von AOK Systems entwickeltes, SAP-basiertes Produkt, umgestellt. Die Lösung erfüllt sämtliche Profilanforderungen, die von den IT-Managern der Barmer GEK bezüglich einer Systemumstellung definiert worden waren:

  • Das neue System sollte eine moderne, mit Windows vergleichbare Benutzeroberfläche haben.
  • Es sollte typische GKV-Prozesse (gesetzliche Krankenversicherung, GKV) auf breiter Front unterstützen.
  • Es sollte für rund 16.000 Anwender skalierbar sein.
  • Es sollte sich reibungslos an das Legacy-System anbinden lassen.
  • Es sollte als modular aufgebautes Produkt die SAP-Systematik um die Besonderheiten einer GKV-Softwarelösung ergänzen.

Die Herausforderung, die bei der Umstellung zu meistern waren, waren indes ebenso groß wie vielfältig: Zunächst einmal galt es, die Software an die speziellen prozessualen Erfordernisse der Krankenkasse anzupassen. Desweiteren musste das System in die bestehende Systemlandschaft integriert werden, und schließlich mussten enorme Datenmengen aus dem Altsystem ins neue System übertragen werden. Dass die Qualität der Bestandsdaten nicht optimal war, machte diese Aufgabe nicht leichter. Hinzu kam, dass das Altsystem bis zur endgültigen Einführung aller Module weitgehend unverändert im Einsatz bleiben musste, weshalb permanent Daten zu synchronisieren sind. Diese Vielzahl von Herausforderungen erforderte die Hilfe eines leistungsfähigen und skalierbaren Servicetools.

Implementierung von SAP-Schnittstellen

Erforderlich war also der Aufbau einer Schnittstelle zwischen dem SAP- und dem Legacy-System, über die die Datenreplikation vorgenommen werden konnte. Dabei waren sowohl eine skalierungsfähige Technologie als auch eine gute Lastverteilung gefragt. Zudem sollte ein effizientes Monitoring gewährleistet sein. An diesem Punkt trat das von der Actum Consulting Products GmbH entwickelte SAP-Ergänzungsprodukt Zenos auf den Plan: Konzipiert als strategisches Produkt für die Implementierung von SAP-Schnittstellen, ermöglichte es sowohl die Umsetzung von Mapping-Regeln als auch eine genaue Überwachung der Datenübertragung zwischen dem Barmer-GEK-Kernsystem und SAP. Da die Middleware der Walldorfer nur wenige Standard-Monitoring-Tools enthält, keine dynamische Lastverteilung bietet und generell nicht für den Transfer von Massendaten ausgelegt ist, hätte sich die Migration von 36 Millionen Leistungsfällen sehr kompliziert gestaltet. Mit dem SAP-Plug-in verlief die Datenmigration indes schnell: Dank der zahlreichen Funktionalitäten und informativen Oberflächen, die das Add-on bei der Schnittstellenüberwachung für die Fehlerklärung anbietet, konnte der finale Datentransfer am Ende des Projekts innerhalb von 72 Stunden abgewickelt werden.

Während der gesamten Projektdauer standen die Mitarbeiter des Dienstleisters den Verantwortlichen hilfreich zur Seite. Sie leisteten konzeptionelle Hilfe und unterstützten die ausführenden Teams in jeder Phase der Umsetzung. „Wir sind mit der Zusammenarbeit zufrieden“, sagt Dirk Altenkirch, Software-Entwicklungsleiter bei der Barmer GEK. Die Vorteile, die sich durch die Software-Umstellung ergeben haben, liegen klar auf der Hand. Alles ist effizienter geworden, die Standardisierung der Geschäftsprozesse erlaubt eine verbesserte Sachbearbeitung und hat überdies neue Möglichkeiten im Hinblick auf die Einbindung von Kommunikationskanälen wie Telefonie oder Mobile Computing geschaffen. Das Add-on sorgt für eine Lastverteilung. Es können mehr als 600.000 Geschäftspartner pro Stunde migriert werden – und zwar über ­dieselbe Replikationsschnittstelle, die auch für den ­Tagesbetrieb zuständig ist. Dadurch ist es möglich, Massendatenänderungen in der Größenordnung von drei Millionen übers Wochenende vorzunehmen. Die Überwachung erfolgt nahezu automatisch. Auch der Pflegeaufwand hat sich durch die Lösung verringert. Derzeit werden zehn Schnittstellen von nur zwei Entwicklern gewartet bzw. weiterentwickelt. Außerdem konnte die Oscare-Software um kundenspezifische Applikationen, etwa im Zusammenhang mit Katalogen und Verträgen, erweitert werden.

Mit der Einführung von Oscare Claims 2.0 als letztem Schritt wurde die Umstellung abgeschlossen. Für das Projekt waren über 12.000 Mitarbeiter der Krankenkasse geschult worden; zeitweilig hatten bis zu 250 Personen – Mitarbeiter der Barmer GEK, Techniker des Unternehmens AOK Systems sowie Vertreter des Rechenzentrums gkv Informatik, das die Software hostete – an dem Projekt gearbeitet. Aktuell werden zweimal im Jahr Release-Änderungen eingespielt. Auch hierbei leistet das Add-on Schützenhilfe: Das Programm bietet die Möglichkeit, schnittstellenrelevante Änderungen zu lokalisieren und die Neuerungen über Testmechanismen gegen den Betrieb zu verifizieren.


Die Barmer GEK
Das Unternehmen ging 2010 aus dem Zusammenschluss zweier traditionsreicher Versicherer – der Barmer und der GEK – hervor. Es ist heute in Deutschland mit Hunderten von Geschäftsstellen vertreten, wobei 16.000 Mitarbeiter eine persönliche und wohnortnahe Betreuung realisieren. Mit fast neun Millionen Versicherten ist man eigenen Angaben zufolge die größte Krankenkasse Deutschlands.

Im Internet: www.barmer-gek.de

Bildquelle: Barmer GEK

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