Rechenzentrumsbetrieb: Interview mit Dr. Peter Koch, Emerson Network

Kühlung im Rechenzentrum birgt großes Einsparpotential

Im Interview berichtet Dr. Peter Koch, Sr. VP Engineering & Product Management, Racks & Integrated Solutions bei Emerson Network Power, welche Auswirkungen energieeffiziente IT-Komponenten auf den Rechenzentrumsstromverbrauch haben

Dr. Peter Koch, Sr. VP Engineering & Product Management, Racks & Integrated Solutions bei Emerson Network Power

IT-DIRECTOR: Herr Koch, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu gar nicht von Einsparungen betroffen?
P. Koch:
Die größten Einsparungspotentiale liegen im Bereich der IT: Die Server im Rechenzentrum haben den größten Stromverbrauch. Die Energieeffizienz von Servern wird bereits ständig weiter verbessert. Daher rechnet sich ein Ersatz älterer Server sich oft schon nach drei Jahren. Der zweite große Hebel ist verstärkte Virtualisierung.
Bei der physikalischen Infrastruktur liegen die größten Einsparpotentiale immer noch im Bereich der Kühlung.
Generell bieten alle Komponenten bzw. Systeme, die Strom verbrauchen, Einsparpotentiale, d.h. einen Bereich, der nicht betroffen ist, gibt es nicht – bis auf Glasfaserkabel, denn diese verbrauchen für sich keinen Strom.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
P. Koch:
Darauf gibt es keine generelle Antwort, dies hängt von der Ausgangssituation ab.
Für die physikalische Infrastruktur bietet der PUE- (Power Usage Effectiveness) Wert einen Anhaltspunkt. Ausgehend von PUE = 1,8 (etwa Durchschnitt in Deutschland) ist auf jeden Fall ein Wert unter 1,3 erreichbar, das wäre eine Einsparung von mehr als 25 Prozent.
Die Einsparungspotentiale seitens der IT-Komponenten / -Systeme kann ich leider nicht beziffern.

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes  Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
P. Koch:
Zum einen sollten nur neueste energieeffiziente IT-Komponenten verwendet werden. Darüber hinaus empfiehlt sich ein möglichst hoher Virtualisierungungsgrad.
Modulare Konzepte (heißt nicht automatisch Container!) bewähren sich beim Raumlayout und vor allem bei der USV-Anlage.
Zusätzlich sollte Kalt- und Warmluft konsequent getrennt werden. Wenn die Kühlung über den Doppelboden erfolgen soll, ist das eine Kaltgangeinhausung. Die zulässigen Ansaugtemperaturen laut Ashrae Standard so hoch wie möglich zulassen und indirekte freie Kühlung konsequent nutzen. Aber auch Stromverteilungsverluste dürfen nicht unterschätzt werden. Es empfiehlt sich daher, Kabel- / Stromschienen mit größeren Querschnitten zu verwenden. Schließlich muss der Energieverbrauch bzw. die Energieeffizienz möglichst genau gemessen werden, um Verbesserungsmaßnahmen ableiten zu können.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten sind Umbauarbeiten verbunden?
P. Koch:
Jede gut geplante Maßnahme rechnet sich nach einem Zeitraum von einigen Monaten bis weniger als drei Jahren.

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?
P. Koch:
Meines Wissens ist die Nutzung erneuerbarer Energien beim Betrieb von Rechenzentren noch sehr wenig verbreitet. Der zeitlich stark variable Anfall von Strom z.B. aus Windkraft oder Photovoltaik ist für ein Rechenzentrum schwierig zu handhaben. Häufiger sind Anlagen zur Nutzung der Abwärme.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
P. Koch:
Die Frage hängt mit der Frage (s. oben) zu erneuerbaren Energien zusammen. In vielen Rechenzentren muss nicht alles ständig voll laufen. Teilweise lässt sich der Betrieb in Zeiten mit verfügbarem Überschussstrom verlagern. Voraussetzung ist eine integrierte Nutzung von DCIM (Data Center Infrastructure Management).

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