Hybride Wolke: Interview mit Jörg Hesske, VMware

Künftig dominierendes Cloud-Modell

Interview mit Jörg Hesske, Country Manager bei VMware Deutschland, über die Hybrid Cloud als zukünftig dominierendes Cloud-Modell

Jörg Hesske, VMware

„Technisch gesehen bietet eine Hybrid Cloud die Vorteile aus beiden Welten – der Private und der Public Cloud“, betont Jörg Hesske, Country Manager bei VMware Deutschland.

IT-DIRECTOR: Herr Hesske, welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema „Cloud Computing“ für das Jahr 2014 zu?
J. Hesske:
Cloud Computing wird bei vielen Unternehmen immer mehr zum Standard, denn inzwischen haben alle die Vorteile eines cloud-basierten Rechenzentrumsbetriebes erkannt. Deshalb wird die Cloud weniger als noch in den Jahren zuvor als Hype oder Trendthema diskutiert, sondern vielmehr pragmatisch angepackt. Egal ob bei großen Konzernen oder mittelständischen Betrieben – viele haben schon auf die eine oder andere Weise mit der Cloud experimentiert, sei es in Form eines Private- oder Public-Cloud-Modells. Im Jahr 2014 wird sich weiter konkretisieren, welche Bereiche der Unternehmens-IT in eine Public Cloud ausgelagert werden und wo man eigene flexible Cloud-Umgebungen aufbauen will. Für VMware selbst wird 2014 insofern ein spannendes Jahr, da wir heuer unsere eigene Public-Cloud-Lösung, die vCloud Hybrid Services, in Europa anbieten.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Interesse der Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr an der Wolke gestalten?
J. Hesske:
2014 wird es in Sachen Cloud zunehmend konkret. Die meisten Großkonzerne haben in den letzten Monaten verschiedene Spielarten ausprobiert und einzelne Bereiche, wie z.B. Test & Development, in die Cloud ausgelagert. Dieses Jahr werden nun konkrete, unternehmensweite Entscheidungen über die längerfristige Cloud-Strategie getroffen.

IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
J. Hesske:
Welche Daten in eine externe Cloud ausgelagert und welche Informationen und Prozesse intern vorgehalten und abgewickelt werden, kommt wesentlich auf die Sicherheitsvorgaben und Richtlinien des Unternehmens an. Dabei spielen vielerlei Faktoren eine Rolle, z.B. in welche Branche sich das Unternehmen bewegt, in welchen Ländern es operiert, wie kritisch die Daten für das Unternehmen sind und wie abgeschottet einzelne Fachbereiche agieren. Datenschutzrichtlinien und andere Compliance-Vorgaben müssen in jedem Fall eingehalten werden und so entscheiden sich quasi alle Großunternehmen für ein Mix-Modell aus Private und Public Cloud.

Der zweite wesentliche Punkt neben der Sicherheit ist die Agilität, Flexibilität und Schnelligkeit, mit der IT-Services zur Verfügung gestellt werden können. Große Konzerne haben auch immer sehr große IT-Umgebungen, und die machen es oftmals schwer, IT-Dienste schnell und flexibel zur Verfügung zu stellen. Gerade im Bereich Test & Development dauert es oft viel zu lange, bis ein Unternehmen eine eigene, abgeschottete T&D-Umgebung errichtet hat. Da ist es meist schneller, sie mieten eine externe Umgebung mit ausreichend Speicherplatz hinzu. Um IT as a Service (ITaaS) realisieren zu können, haben Unternehmen mit einer Public oder Hybrid Cloud eine wirkliche Erleichterung.

Außerdem sehen wir bei Enterprise-Kunden drei weitere, häufige Use Cases für eine Public Cloud: zum einen, wenn die Rechenzentrumskapazität erreicht ist und der Kunde vor der Entscheidung steht, sein Rechenzentrum auszubauen, zu erweitern bzw. eine weiteres Rechenzentrum zu bauen (was naturgemäß große Kosten verursacht). Hier wird die Möglichkeit, die Ressourcen bei einem Service-Provider anzumieten, kostenmäßig schnell attraktiv. Dabei kommt es auf die Art der Services an, die ausgelagert werden sollen, und wie die Kommunikation zwischen dem eigenen Rechenzentrum und dem des Service-Providers aufgebaut ist.

Ein weiterer Use Case kann ein zeitlich begrenztes IT-Projekt sein. Wenn die IT vor der Anforderung steht, ein abgegrenztes Projekt wie z.B. eine Marketingkampagne zu unterstützen und die notwendigen IT-Ressourcen bereitzustellen, die vorhanden RZ-Kapazitäten aber für die Bereitstellung nicht mehr ausreichen, ist eine Public Cloud die charmanteste, weil flexibelste Lösung.

Ein dritter Use Case ist die Nutzung einer Public-Cloud-Umgebung zu Backup- und Disaster-Recovery-Zwecken. Unternehmen sichern ihre IT-Umgebung verlässlich ab, ohne ein eigenes, zusätzliches Rechenzentrum für den Disaster-Fall errichten zu müssen.

In allen Fällen hilft es den Unternehmen, auf zertifizierte Service-Provider aus einem großen Netzwerk wie der vCloud Service Provider (VSPP) Community zurückzugreifen, da diese auf Basis der gleichen Technologien ihre Dienste bereitstellen wie die, die im eigenen Unternehmen im Einsatz sind. Dadurch werden das Management und die Bereitstellung der Applikationen vereinfacht.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt wiederum die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
J. Hesske:
Die Hybrid Cloud ist und wird bei den meisten Unternehmen das vorherrschende Modell bleiben. Kaum ein Betrieb oder Konzern möchte seine über die Jahre gewachsene IT vollständig auslagern und bei einem externen Provider betreiben. Dennoch möchten die Unternehmen von den Vorteilen wie Kostenersparnissen und Skalierungseffekten profitieren. Gleichzeitig ist es ihnen wichtig, auch selbst das Know-how zu besitzen, „up to date“ zu sein und sich eine gewisse Unabhängigkeit durch Wahlfreiheit des Anbieters zu bewahren. Bei einem Hybrid-Cloud-Modell können sie selbst entscheiden, welche Bereiche sie auslagern und welche sie inhouse betreiben. Wichtig hierbei ist, dass sich die Unternehmen für solche technische Lösungen entscheiden, die ihnen die versprochene Freiheit und Flexibilität garantieren – dass man z.B. jederzeit ohne größere Probleme seine Systeme von dem einen Cloud-Provider zu einem anderen verschieben kann. Dies ist dann gewährleistet, wenn die Anbieter mit industrieweit verbreiteten Technologieanbietern zusammenarbeiten.

In einer Hybrid Cloud werden die lokalen und nicht lokalen IT-Umgebungen nicht nur einfach durch ein gemeinsames Management miteinander verbunden und integriert. Mithilfe einer Hybrid Cloud können Unternehmen ein gemeinsames Modell für Management, Orchestrierung, Netzwerk und Sicherheit nutzen – sowohl lokal als auch nicht lokal. Daher können Unternehmen die Vorteile der Public Cloud nutzen, ohne Anwendungen oder betriebliche Abläufe ändern zu müssen.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
J. Hesske:
Wenn sich Unternehmen für unsere vCloud-Services oder Partner entscheiden, müssen sie sich keine Gedanken über die Anwendungskompatibilität oder die ausschließliche Bindung an einen einzelnen Service-Anbieter machen, wie dies bei anderen Cloud-Services häufig der Fall ist. Sie können die Risiken und Kosten reduzieren, ohne auf zusätzliche Managementtools und Infrastrukturkomponenten zurückgreifen, Prozesse neu gestalten oder ihre Mitarbeiter neu schulen zu müssen. IT-Administratoren können die Erstellung, Bereitstellung und Verwaltung von Anwendungen in der Cloud genau so durchführen, wie sie dies heute tun. Dabei stellt ihnen die zugrunde liegende technische Plattform den gleichen Grad an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Performance bereit, den sie von ihrer aktuellen VMware-Infrastruktur kennen. Sie können die gesamte Hybrid-Cloud-Infrastruktur – Rechenzentren und Public Cloud – über ein zentralisiertes Management-Framework verwalten und die bereits vorhandenen Tools, Prozesse und Kenntnisse nutzen. Die nahtlose Interoperabilität ermöglicht die schnelle Bereitstellung von Workloads in der Cloud und ihre flexible Verschiebung zwischen lokalen und nicht lokalen Umgebungen, wenn sich ihre Anforderungen ändern.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid-Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Umgebung oder umgekehrt?
J. Hesske:
Das funktioniert über eine zentrale Schnittstelle – in unserem Fall heißt diese vCloud Connector, der Bestandteil der vCloud Suite ist. Er verbindet die Private Cloud mit der Public Cloud, und der IT-Administrator kann beide Wolken als eine einzige hybride Umgebung managen und Workloads hin- und herschieben. Auf einer zentralen Oberfläche werden beide Umgebungen übersichtlich dargestellt und dank der einheitlichen Managementwerkzeuge ist kein Umdenken oder Umstellen nötig.

IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in der Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid-Cloud ablegt?
J. Hesske:
Die Frage nach dem „Wie“ lässt sich ganz einfach beantworten: über vorher definierte und festgelegte Rollenrechte. Indem man Nutzergruppen und die dazugehörigen Rechte aufstellt, kann ganz klar geregelt werden, dass z.B. Entwickler sich innerhalb einer Test & Development Cloud frei entfalten können, der Consultant aber keinen Zugang dazu hat, dafür aber visuelle Einblicke in eine andere Cloud, in der z.B. Kundendokumente liegen, erhält. Wichtig für den Überblick ist auch eine transparente Kosten- und Nutzungsabrechnung. So gibt es technische Tools, wie unsere IT Business Management Suite, mit denen sich rechnerisch genau nachvollziehen lässt, wie viele Kosten durch einen in Anspruch genommenen IT-Services entstehen und wer genau diese Kosten gerade produziert. Dadurch hat die IT-Abteilung ein wichtiges Werkzeug in der Hand, mit dem sie den einzelnen Unternehmensabteilungen genau nachweisen kann, wie viel Kosten sie verursachen.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich grundsätzlich die Verwaltung von Lizenzen in
Hybridlandschaften?
J. Hesske:
Durch den Betrieb einer hybriden Cloud-Infrastruktur ändert sich bei der reinen Verwaltung der Lizenzen nichts. Der Kunde setzt in seiner Infrastruktur seine vSphere-Lizenzen ein, und für die angemietete Infrastruktur wird durch den Service-Provider eine monatliche Nutzungsgebühr abgerufen. Für die Nutzung aller weiteren Lizenzen, wie Betriebssystem oder Applikationen, sind die Lizenzvereinbarungen der jeweiligen Hersteller heranzuziehen.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen hier Management-Tools?
J. Hesske:
Einheitliche Managementtools sind hier das A und O. Es bringt nichts, wenn man eine hybride Cloud-Umgebung aufbaut, bei der der externe Provider eine andere technische Plattform verwendet und die eigenen Managementtools mit dieser nicht operieren. Unternehmen können nur dann von den Vorteilen der Cloud profitieren, wenn sie mit den gleichen Werkzeugen wie bisher arbeiten können. Dazu gehören automatisiertes Betriebsmanagement mit Analysefunktionen und integriertem Performance-, Kapazitäts- und Konfigurationsmanagement, richtlinienbasierte Automatisierung und eine zentrale, einheitliche Steuerung.

IT-DIRECTOR: Welche Abrechnungsmodelle gibt es und mit welchen Kosten ist bei einer Hybrid Cloud im Vergleich zur Private und Public Cloud zu rechnen?
J. Hesske:
Als Abrechnungsmodelle gibt es On-Premise und Off-Premise. Bei einer Hybrid Cloud wird nur das verrechnet, was als externe Kosten bei dem Service-Provider anfallen – also wie bei einem reinen Public-Cloud-Modell. Wenn man einheitliche Managementtools einsetzt, entstehen nämlich keine weiteren Kosten für etwa das Hin- und Herschieben der Workloads. Mit intelligenter Software, wie etwa der IT Business Management Suite, lässt sich rechnerisch genau nachvollziehen, wie viele Kosten durch einen in Anspruch genommenen externen IT-Services entstehen und wer genau diesen Service angefragt hat. Wie bei einem Public-Cloud-Modell ist natürlich auch bei einer Hybrid Cloud wichtig, dass man vorab die Leistungen genau bepreist, ggf. deckelt und SLAs festsetzt.

IT-DIRECTOR: In welchen Punkten sind Hybrid Clouds noch „ausbaufähig“ bzw. „verbesserungsbedürftig“?
J. Hesske:
Technisch gesehen bietet eine Hybrid Cloud die Vorteile aus beiden Welten – der Private und der Public Cloud. Organisatorisch liegt die größte Herausforderung wohl derzeit darin, dass sich die Menschen, die hinter der internen IT stehen, neuen Angeboten öffnen und damit ihre Erfahrungen machen.

IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Hybrid Cloud voraus?
J. Hesske:
Wir setzen voll auf die Hybrid Cloud als das künftig dominierende Cloud-Modell. Um ihre Reaktionsgeschwindigkeit und Wettbewerbsposition zu verbessern, können Unternehmen mit einer Hybrid Cloud ihre interne Rechenzentrumsumgebung durch die Agilität und Kosteneffektivität einer Public Cloud ergänzen und dabei vorhandene Investitionen optimal nutzen.

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