Deutscher RZ-Markt

Kurze Wege für die Daten

Volker Ludwig, Senior Vice President Sales & Marketing Europe bei der Division ­Global Data Centers von NTT Ltd., erklärt im Interview, wie sich der deutsche Markt für Rechenzentren in den kommenden Jahren entwickeln könnte.

Volker Ludwig von NTT Ltd.

Volker Ludwig von NTT Ltd.: „Es ist technisch oder wirtschaftlich nicht immer sinnvoll, vollständig in die Cloud zu gehen.“

ITD: Herr Ludwig, aktuellen Erhebungen zufolge zahlen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland europaweit die höchsten Stromkosten. Was macht den hiesigen Standort trotzdem so interessant?
Volker Ludwig:
Vielen Unternehmen, Behörden und Bürgern ist es wichtig, ihre Daten im eigenen Rechtsraum zu halten, auch wenn es nicht immer gesetzlich vorgeschrieben ist. Aus technischer Sicht ist es sinnvoll, die Daten im Sinne eines kurzen Weges nahe am Nutzer zu speichern, etwa um geringe Latenzzeiten gewährleisten zu können. Bei der Nutzung von Colocation benötigen die Unternehmen Zugang zu den Rechenzentren, beispielweise für den Ein- und Ausbau der Hardware. Da ist die räumliche Nähe ein Vorteil.

ITD: Die Baufläche für Rechenzentren wird jedoch immer knapper. Kann der wachsende Bedarf in Zukunft überhaupt gedeckt werden?
Ludwig:
Für den Bau und Betrieb von Rechenzentren werden Flächen benötigt, die Zugang zu ausreichenden Stromkapazitäten geben und redundant an die wesentlichen Glasfasertrassen angebunden sind. Und das in einem Umfeld mit möglichst wenigen Betriebsrisiken. Deshalb geht der Trend dazu, Rechenzentren nicht mehr ausschließlich in Stadtgebieten selbst zu bauen, dafür aber in Metropolregionen für die Georedundanz. Zusätzlich sehen wir eine stärkere Regionalisierung der Rechenzentren.

ITD: Was sind die Treiber für das anhaltende Wachstum in der Branche?
Ludwig:
Der größte Treiber ist die rasant wachsende Digitalisierung aller Bereiche des beruflichen wie des privaten Lebens. Sie ist verbunden mit einem massiven globalen Zugriff auf Daten, insbesondere im mobilen Bereich. Deren Bereitstellung erfordert die Nutzung von verteilten Infrastrukturen wie Cloud, Hosting, Colocation und die Abkehr vom eigenen internen Rechenzentrum.

ITD: Viele Unternehmen sind auf hybride IT-Infrastrukturen angewiesen.
Ludwig:
„Cloud first“ darf nicht mit „Cloud only“ verwechselt werden. Es ist nicht immer gewollt bzw. technisch oder wirtschaftlich sinnvoll, vollständig in die Cloud zu gehen. In der Regel werden die Systeme daher teils in der Cloud und teils in Colocation- oder eigenen Rechenzentren betrieben. In diesen Architekturen sind Colocation-Rechenzentren der prädestinierte Standort. Unternehmen können hier ihre eigenen Systeme mit der Cloud verbinden und haben so Multi-Cloud und Hybrid-Cloud mit optimalen Latenzzeiten unter einem Dach.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Welche Leistungen gewinnen neben den Kernkompetenzen der Rechenzentrumsbetreiber in Zukunft an Bedeutung?
Ludwig:
Ein zunehmend gefragter Punkt ist der Zugang zu globalen Angeboten. Und dies bei so weit wie möglich global gleichen Standards. Auch Konnektivität wird immer wichtiger, nicht nur zu Carriern und Internet-Knoten, sondern insbesondere zu Cloud-Providern für Hybrid- und Multi-Cloud. Dazu kommen ergänzende, optionale Services wie die Bereitstellung von Hardware oder Managed Security.

Bildquelle: NTT

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