Liquiditätshilfen zu Corona-Zeiten

„Leasing eignet sich zur Finanzierung von Neuinvestitionen“

Dr. Claudia Conen ist seit Anfang des Jahres als Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) im Amt. Im Interview erklärt die promovierte Wirtschaftsjuristin, ob Großkonzerne derzeit beim Leasing mit Hilfe der Bundesregierung rechnen können.

„Leasing eignet sich zur Finanzierung von Neuinvestitionen“

Über 90 Prozent der Großunternehmen in Deutschland nutzen für ihre Investitionen regelmäßig Leasing, so BDL-Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen.

ITD:Frau Dr. Conen, eine Verbände-Allianz, der neben dem BDL u.a. auch der Bankenfachverband, der Deutsche Factoring Verband und der Deutsche Franchiseverband angehören, fordert in Corona-Zeiten weitere Liquiditätshilfen für den Mittelstand, die über das bisher angestoßene Hilfsprogramm der Bundesregierung hinausgehen. Können auch Großkonzerne beim Leasing ihrer IT mit Unterstützung rechnen?
Claudia Conen:Der BDL hat in seinen Forderungen von Beginn an betont, dass aufgrund der Corona-Krise die Liquiditätssituation vieler Unternehmen verschiedenster Branchen betroffen ist. Aktuell sind Leasing-Güter im Wert von rund 220 Mrd. Euro bei Unternehmen aus allen Wirtschaftssektoren und Größenklassen im Einsatz. Gerade Großunternehmen nutzen Leasing überdurchschnittlich stark. Um Kunden schnell und unbürokratisch unterstützen zu können, haben wir u.a. in der Allianz aus sieben Verbänden gefordert, Ausfallrisiken für Stundungen von Leasing- und Mietkaufraten abzusichern. Der BDL führt hierüber intensive Gespräche mit Ministerien, Aufsicht und anderen Verbänden sowie den Bürgschaftsbanken und der KfW. Es ist aber bislang noch offen, inwieweit die Politik unseren Forderungen nachkommt. 

Der Shutdown hat sicherlich der weiteren Digitalisierung in den Unternehmen einen kräftigen Schub gegeben. Gerade, wenn jetzt beim Wiederhochfahren des vollen Geschäftsbetriebs Investitionen in die IT-Ausstattung anstehen, eignet sich Leasing zur Finanzierung von Neuinvestitionen, weil es die Liquidität und die Kreditlinie schont. Für die schnelle Liquiditätsbeschaffung ist auch ein Sale-and-lease-back-Vertrag denkbar: Ausrüstungsgüter, die Büroimmobilie oder die Produktionsanlage, die sich im Eigentum eines Unternehmens befindet, können an eine Leasing-Gesellschaft verkauft und anschließend zurückgeleast werden. 

ITD:Welche Finanzierungsmodelle sind Ihrer Ansicht nach sinnvoll?
Conen:Für die Finanzierung von IT-Investitionen gibt es im Prinzip keine Alternative zum Leasing. Alles andere ist nicht effektiv und führt sogar zur Überalterung der Ausstattung. Dies geht einher mit Gefahren im Bereich IT-Sicherheit. Mehr denn je sind heute leistungsfähige IT-Systeme auf dem neusten technischen Stand. Das ist ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Wer also regelmäßig sein IT-Portfolio bei stabilen monatlichen Kosten austauschen will, kommt an Leasing mit seinen flexiblen Möglichkeiten nicht vorbei. 

Mit Leasing können Unternehmen ihre Kosten nicht nur gut planen; sie erhalten mit ergänzenden Service-Leistungen, wie Wartung, technischen Support etc., die volle Kostenkontrolle und entlasten unternehmensinterne Ressourcen. Auch um die Wiedervermarktung der gebrauchten Geräte kümmert sich die Leasing-Gesellschaft. Über 90 Prozent der Großunternehmen in Deutschland nutzen daher für ihre Investitionen regelmäßig Leasing – so die Ergebnisse unserer jüngsten repräsentativen Marktbefragung vom Beginn dieses Jahres. 

ITD:Kommen wir von der Gegenwart zu zukunftsorientierten Themen: Die Digitalisierung und die damit einhergehende Verschmelzung von Maschinen und IT fordert neue Investitionsmöglichkeiten. Was sollten Miet- und Leasing-Ansätze bieten?
Conen:Künftig werden verstärkt Lösungen mit einem Mehrwert statt einer reinen Finanzierung gefragt sein. Einen solchen Mehrwert kann Leasing im Zusammenspiel mit der Digitalisierung bieten: Die Digitalisierung liefert enorme Datenmengen. Die Erfassung und Auswertung dieser Big Data ermöglicht nutzungsabhängige Finanzierungsmodelle wie Pay-per-Use. Der Leasing-Kunde zahlt eine Rate in Abhängigkeit von seiner tatsächlichen Nutzung des Gerätes, das heißt er ruft die Leistung nach seinem faktischen Bedarf an Betriebsstunden, Kopien oder Scans ab – ohne Anschaffungskosten, laufende Kosten oder Kapitalbindung. 

Ein anderes Beispiel sind cloudbasierte Lösungen: Spezialisierte Leasing-Unternehmen stellen die Software dem Kunden in der Cloud zur Verfügung, er muss sie nicht mehr physisch im Unternehmen installieren.

ITD:Inwiefern können auch Kunden von neuen Finanzierungs- und Servicelösungen profitieren?
Conen:Um maßgeschneiderte Finanzierungsmodelle anbieten zu können, ist das Know-how der Prozesse in den Unternehmen unabdingbar. Leasing-Gesellschaften sind spezialisiert auf die von ihnen finanzierten Branchen und Güter. Kunden profitieren von der nicht selten jahrzehntelangen Erfahrung ihrer Leasing-Partner. Über diese Expertise verfügen andere Finanzierer nicht. Serviceangebote entlasten zudem den Leasing-Kunden und verschaffen ihm Freiräume fürs Kerngeschäft. Mit Modellen wie Pay-per-Use lassen sich erste Schritte in neue Geschäftsfelder und Märkte unternehmen oder innovative, kostenintensive High-Tech-Produkte „ausprobieren“. 

ITD:Welche Trends erwarten Sie noch bei der Beschaffung, Nutzung und dem Service von Mietkonzepten?
Conen:Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen gewinnt immer mehr an Bedeutung und Unternehmen suchen dafür Lösungen. Kreislaufwirtschaft lautet hier das Stichwort. Das Geschäftsmodell „Leasing“ kann eine Schlüsselrolle in der Kreislaufwirtschaft übernehmen. Gerade das IT-Leasing deckt den kompletten Lebenszyklus von der Gerätebeschaffung bis hin zur Wiedervermarktung ab. Leasing-Gesellschaften arbeiten die nach der Leasing-Zeit zurückgegebene, gebrauchte Hardware wieder auf, das sogenanntes Refurbishment. Zertifizierte Löschverfahren schaffen dabei die Voraussetzung, gebrauchte IT-Geräte auf dem Zweitmarkt verkaufen zu können. In der Kreislaufwirtschaft sehen wir starkes Potenzial für Leasing. 

Bildquelle: BDL

 

 

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