Globale Digitalwährung

Libra: Kein Weg zurück?

Am 14. Oktober wurde in Genf die Gründungsurkunde der Libra Association unterschrieben und so die Grundlage für eine globale Digitalwährung aus privater Hand geschaffen: Libra.

Facebooks Digitalwährung Libra: Kein Weg zurück?

Facebooks Digitalwährung Libra: Kein Weg zurück?

Dass diese Ambitionen vielen nicht geheuer sind, lässt schon der holprige Weg erahnen, den das Projekt bereits hinter sich hat. Auf dem musste die frisch gegründete Organisation nicht nur viel Kritik aus Politik und Wirtschaft einstecken, sondern auch den Verlust von wichtigen Partnern wie Mastercard, Visa oder Paypal vermelden. Die Bedenken erscheinen durchaus legitim, denn vor allem die Rolle von Facebook als Initiator des Projekts wirft nach wie vor Fragen auf.

Während der Social-Media-Konzern die Kryptowährung zwar gleichberechtigt und auf Augenhöhe zusammen mit den 20 weiteren Gründungsmitgliedern der neuen Organisation verwalten möchte, lässt sich die enorme Reichweite und Macht von Facebooks digitaler Infrastruktur nur schwer ausblenden. Ist die neue Währung einmal mit diesem datenhungrigen Organismus verwachsen, gibt es wohl kaum noch ein Zurück. Ob man sensible Zahlungs- und Finanzdaten in einem solchen Umfang ausgerechnet in die Hände eines Konzerns geben möchte, der Jahr für Jahr durch seinen nachlässigen Umgang mit persönlichen Nutzerdaten in die Schlagzeilen gerät, dürfte daher eigentlich gar keine Frage sein.

Bei aller Skepsis sollte man aber nicht vergessen, dass man es sich auch leisten können muss, Initiativen wie Libra zu kritisieren. Die Ablehnung neuer Zahlungsmittel setzt schließlich voraus, dass man auf Alternativen zurückgreifen kann. Der Zugang zu Finanz- und Bankdienstleistungen ist aber nicht überall so selbstverständlich wie bei uns. Und selbst dort, wo die notwendigen Infrastrukturen vorhanden sind, sind sie noch lange nicht immer fair. Ein Projekt wie Libra könnte also auch demonstrieren, dass der Finanzmarkt nicht so unzugänglich und abgeriegelt ist, wie er oft scheint. Wenn diese Erkenntnis langfristig für mehr Konkurrenz sorgt und so wiederum auch die globale Verfügbarkeit von grundlegenden Finanzdienstleistungen erhöht, kann zumindest der Impuls gar nicht so verkehrt sein.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Der durch die Libra Association aufgebaute Druck wird schon jetzt in den zunehmenden Forderungen nach einem digitalen Euro spürbar. Mit diesem wäre nicht nur die staatliche Souveränität gewährleistet, sondern auch ein Gegengewicht zur Privatwährung der Konzerne im Spiel. Viel Zeit sollten sich die Regierungen und Banken mit diesen Plänen allerdings nicht mehr lassen – die ersten Transaktionen mit Libra sollen schon im nächsten Jahr erfolgen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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