Erfolgreiche Verwandlung

„Man nimmt uns als digitalen Player wahr“

Die Otto Group wandelt sich und macht die Digitalität zum Maßstab, sagt Moritz Corbelin, Head of E-Commerce Strategy.

Moritz Corbelin, Head of E-Commerce Strategy bei der Otto Group

Die Otto Group ist den nächsten Schritt gegangen, ganz so, wie es Amazon vorgemacht hat: Das Handelshaus wandelt sich zum Infrastrukturanbieter. Die E-Commerce-Tochter About You bekommt nun ein zweites Geschäftsmodell, nämlich den Vertrieb eines eigenen Cloudservice für andere Onlinehändler. Der Schritt wurde schon länger vorbereitet, unter anderem durch Kooperationen mit Startups, wie Moritz Corbelin, Head of E-Commerce Strategy bei der Otto Group betont. Im Interview mit dem IT-Director beschreibt der Manager seine Erfahrungen.

Auf welche Weise haben Sie bisher mit Startups kooperiert?

Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit Startups zusammen und gehören zu den Vorreitern im Venture-Capital-Bereich, vor allem mit Handels-Background. Bereits im Jahr 2000 gab es vereinzelte VC-Initiativen. Seit 2008 sind Investitionen in junge Unternehmen mit zukunftsweisenden Geschäftsmodellen fester Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Damals sind wir mit e.ventures gestartet – einer Beteiligungsgesellschaft, die global in Startups investiert, die sich in der frühen Entwicklungsphase befinden. 2013 kam dann noch Project A Ventures hinzu, ein Company Builder mit Sitz in Berlin, bei dem wir mit 50 Millionen Euro Ankerinvestor sind. Hinzu kommen Unternehmensgründungen aus den eigenen Reihen wie zum Beispiel About You oder collectAI. Gegenwärtig ist die Otto Group damit an gut 150 Startups in der ganzen Welt beteiligt.

Welche Ziele verfolgen Sie bei Kooperationen mit Startups?

Bei unserem Engagement im Startup-Bereich handelt sich nicht nur um ein reines Finanzinvestment – auch der Erfahrungsaustausch spielt eine große Rolle. Dafür nutzen wir eine Vielzahl an Formaten wie zum Beispiel Foren, Workshops oder Best-Practice-Clubs. Mitunter starten wir auch Pilotprojekte zwischen Konzerngesellschaften und vereinzelten Startups. Wir betrachten Startups als wichtige Impulsgeber, die uns Antworten auf relevante Fragen liefern können: Wie tickt die Digitalbranche? Wie lassen sich Geschäftsmodelle schnell skalieren? Diese und weitere Themen beschäftigen uns heute mehr denn je.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Zusammenarbeit?

Durchweg sehr gut. Ich denke, man nimmt uns mehr als digitalen Player wahr, als dies früher der Fall war. Das hat in einem hohen Maß mit unseren VC-Aktivitäten zu tun. Wir versuchen, Impulse aus der digitalen Welt ohne Umwege in unsere Prozesse zu implementieren, um diese noch besser zu machen. Auch bei unseren M&A-Aktivitäten ist die digitale Handschrift immer deutlicher zu erkennen. Digitalität ist der Maßstab, an dem wir alles messen, was wir tun. Diese Denke haben wir klar aus der Startup-Welt übernommen.

Was würden Sie Unternehmen raten, die mit Startups kooperieren möchten?

Ein VC-Fonds muss mehr bieten als nur Geld, er sollte auch Experten auf beiden Seiten miteinander vernetzen. Wir merken zunehmend, dass Startups großes Interesse daran haben, von den Ressourcen größerer Unternehmen wie der Otto Group zu profitieren – von der Logistik-Infrastruktur bis zu speziellem Fachwissen. Im Gegenzug unterstützen sie Unternehmen in der Digitalisierung. Die Kooperation mit Startups fußt auf einem Geben und Nehmen: Dieser Tatsache sollten sich alle Beteiligten bewusst sein.

Bildquelle: Otto Group

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