Absolute Beginner

Manager überschätzen sich bei Digital Leadership

Da ist noch Luft nach oben: Nicht mal jede zehnte Führungskraft ist ein Digital Leader. Und nur sieben von über 500 IT-Dienstleistern bieten „Full Service“ bei der Digitalisierung.

Digital Leader? Vermutlich nicht.

Die griffige Kurzformel von der „digitalen Transformation“ geistert schon seit mindestens sieben Jahren durch die Diskussion. Und in den letzten zwei Jahren hat der Begriff abgehoben, wie sich auch an der Entwicklung der Suchanfragen in Google Trends deutlich machen lässt.

Doch was sagen die deutschen Manager dazu? Ganz klar: „Digitale Transformation betrifft uns nicht und wir sind sowieso die Größten.“ Das Problem dabei: Die meisten haben in Wirklichkeit wenig Ahnung, weder von der digitalen Transformation, noch von der Bedeutung für ihr Geschäftsmodell.

Es ist zwar pointiert formuliert, aber so lautet das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Crisp Research im Auftrag von Dimension Data Deutschland. Die Analysten aus Kassel haben 503 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zum Thema befragt.

Nur die Hälfte der befragten Manager glaubt überhaupt, dass die Digitalisierung eine hohe Relevanz und Durchschlagskraft für das eigene Unternehmen besitzt. Ein großer Teil (20%) glaubt sogar, das eigene Unternehmen sei gar nicht betroffen.

Zudem haben die Analysten die Fähigkeiten der Manager anhand eines Reifegradmodells eingeschätzt und dabei einen mentalen Nachholbedarf festgestellt, der die Unternehmen auf dem Weg in das digitale Zeitalter stark ausbremst.

Das Modell basiert einerseits auf „Digital Skills“ (Wissen und Fähigkeiten) und andererseits auf dem „Digital Mindset“ (Führungsfähigkeiten und „Digital-First-Denkweise“). Nur sieben Prozent der Manager finden sich in der Kategorie „Digital Leader” wieder, die Mehrheit (71%) hat den Status „Digital Beginner“.

Kluft zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung

Das passt nicht so ganz zur Selbsteinschätzung der Führungskräfte: Stolze 40 Prozent der Befragten sehen sich selbst als Digital Leader und fast 60 Prozent attestieren sich ausgeprägte digitale Skills. Diese erhebliche Kluft zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung wird in vielen Unternehmen noch für Schwierigkeiten sorgen.

Auf der anderen Seite freuen sich aber IT-Dienstleister und Systemhäuser, die sich inzwischen zunehmend auf die digitale Transformation spezialisieren. Erstmals gibt es auch einen Anbietervergleich zu diesem Trendthema, den „Digital Transformation Vendor Benchmark 2016“ der Experton Group.

Die Studie nutzt die Vendor-Benchmark-Studien zu 585 IT-Anbietern als Datenbasis. Ausgangspunkt sind dabei die sechs altbekannten IT-Trendthemen Big Data, Cloud Computing, Internet of Things/Industrie 4.0, Mobile Enterprise, Security und Social Business.

Verglichen wurden ausschließlich solche Anbieter, die mindestens drei Trendthemen besetzen und ihren Kunden ein möglichst umfassendes Beratungsportfolio anbieten. Das Ergebnis: Digitale Transformation ist die Königsdisziplin, die nur von einer geringen Zahl der Dienstleister unterstützt wird.

Lediglich 47 Anbieter kamen überhaupt in die Auswahl der Studie und nur sieben sind aktuell in der Lage, Unternehmen bei allen Aspekten der digitalen Transformation zu beraten. In dieser Liste finden sich im Grunde nur die üblichen Verdächtigen, nämlich die großen Namen Atos, Capgemini, HP, IBM, Microsoft, SAP und Telekom.

Auch dieses Ergebnis ist angesichts der jahrelangen Diskussion um die digitale Transformation der Wirtschaft erstaunlich, lässt sich aber positiv wenden: Neben den großen Dienstleistern ist noch genügend Platz für die kleineren Anbieter, schnell ihre Angebote zur digitalen Transformation auszubauen.

Bildquelle: Thinkstock

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