RZ-Services auf dem Prüfstand

Mehr als nur Infrastruktur

Konrad Johann Bauer, T-Systems, Global Head of Datacenter, berichtet im Interview von aktuellen Trends rund um die Kundenbedürfnisse beim Colocation-Betrieb.

Konrad Johann Bauer, T-Systems

Kunden lassen sich laut Konrad Johann Bauer gerne bei ihrem Colocation-Projekt beraten und begleiten.

ITD: Herr Bauer, aktuell wird in der Branche vielerorts gebaut und erweitert. Was treibt diese Flächenexpansionen an?
Konrad Johann Bauer: Die zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen und Industrien treibt im Wesentlichen die Nachfrage an Rechenzentrumskapazitäten. Mit dem Anstieg der Cloud-Anwendungen wächst auch der Bedarf an Platz- und Energiekapazitäten enorm. Außerdem liegt der Lifecycle der Rechenzentren bei rund 15-20 Jahren. Beispielsweise sind neue Sicherheitsanforderungen und neue Normen zu erfüllen. Und eine Erneuerung geht immer einher mit optimierter Energieeffizienz. Deswegen können neue Rechenzentren viel ökonomischer betrieben werden.

ITD: Die Baufläche wird knapper, vor allem in den gefragten Metropolregionen – wie lässt sich die wachsende Nachfrage auch zukünftig sichern?
Bauer: Vorhandene Rechenzentren werden stetig optimiert. Mögliche Neubauten auf eine exzessive Nutzung ausgelegt. Doch die Grenzen sind gesetzt. Bereits heute gibt es diverse Rechenzentren in Nicht-Metropolregionen, die von vielen Kunden optimal genutzt werden können. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Weiterentwicklung neuer Technologien in hochwertigen und vor allem schnellen Datenleitungen entschärft das Distanzproblem wesentlich.

ITD: Die Standorte für Rechenzentren werden aufgrund des Platzmangels immer kreativer – man denke an Anlagen in Minen, unter Wasser oder in Windkraftwerken. Wie können solche alternativen Konzepte zur Lösung der Problematik beitragen?
Bauer: Natürlich sind auch exotische Standorte denkbar. Jedoch ist zu prüfen ob alle Infrastrukturbedingungen erfüllbar sind. Wenn etwa der „Froschmann“ Stromprobleme unter Wasser beheben muss, bedarf das besonderer Sicherheitsvorkehrungen. Zu klären ist auch, ob und wie schnell Kundenanforderungen erfüllt werden können. Sicherlich gibt es aber eine Reihe von Anwendungsgebieten, wo das eine gute Alternative darstellt.

ITD: RZ-Betreiber bieten heutzutage neben klassischen Dienstleistungen wie Colocation viele ergänzende Services und Produkte rund um Cloud, PaaS/SaaS oder Sicherheit an. Welche Rolle spielen diese Angebote bei der strategischen Ausrichtung?
Bauer: Zunächst einmal ist zu beachten, dass der Betrieb großer Rechenzentren immer ökonomischer ist als viele, zumeist unprofessionell betriebene Kleinstrechenanlagen. Das fängt bei der Infrastruktur an und endet bei der Auslastung der Server. Kunden betreiben also ihre eigenen, von der Kapazität her eingeschränkten, Rechner in Colocation. Darüber hinaus wird es immer Bedarfe geben, die sich nicht kurzfristig mit neuer Hardware erfüllen lassen. Deshalb fließen bei den Planungen immer Bedarfsprognosen für solche Angebote ein.

ITD: Welche Zusatzleistungen sind bei den RZ-Kunden besonders gefragt?
Bauer: Kunden lassen sich gerne bei ihrem Colocation-Projekt beraten und begleiten. Sie lassen sich ihre Hardware einbauen, umbauen oder erweitern. Dazu gehören auch Verkabelungsleistungen für Übertragungstechnik und Stromversorgung. Darüber hinaus sind Sicherheitsleistungen, beispielsweise mechatronische Zugangssysteme für den Flächenzugang gefragt. Das Erfassen der Energieverbräuche für Betrieb der Rechner und Klimaanlagen sind ein weiterer Knackpunkt, den Kunden gerne durch den RZ-Betreiber erledigen lassen. Es klingt vielleicht profan aber eine „Poststelle“ wird auch immer angefragt. Denn entgegen zum Betreiber sind nicht immer Servicekräfte der Kunden vor Ort, die Lieferungen entgegennehmen können.

ITD: Welche Gründe sprechen dafür, bei einem Colocation-Partner auch weitere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen?
Bauer: Wie vorher beschrieben spielen Zeit und Kosten eine Rolle. Auch ist der Aufwand für den einzelnen Kunden unverhältnismäßig höher, als wenn er diverse Dienstleistungen „einkauft“. Indem der Kunde seine Hardware bei einem RZ-Betreiber aufbaut, kann er außerdem von dessen Angeboten aus unmittelbarer Nähe profitieren. Datenbanken von Oracle aus der vCloud, zusätzliche Hardware für die Kommunikationsverschlüsselung oder Speicher mit besonderen Features von Net App sind Beispiele für unser Angebot. Auch der Zugang zu Super- und Quanten-Computing wird zukünftig an Bedeutung gewinnen.

ITD: In welche Richtungen könnte sich die RZ-Branche in Zukunft weiter öffnen, wenn es um die Erschließung von zusätzlichen Angeboten und Dienstleistungen geht?
Bauer: Bare-Metal-Ressourcen, also die reine Rechenmaschine mit einem Betriebssystem, könnten als „Data Center as a Service“ aus dem RZ abgerufen werden. Im Bereich der Kühlung sind die Grenzen auch noch nicht erreicht. Mit einer modulareren Kühlung, möglicherweise flüssig, wären höhere Packungsdichten oder Spezialhardware installierbar. Und eventuell ließen sich auch unterschiedliche Verfügbarkeiten (TIER-Klassen) realisieren. Hoch standardisierte Abläufe, um Ressourcen schnell bereitzustellen, so wie wir es bereits offerieren, werden wahrscheinlich bald bei allen Anbietern verfügbar sein.

Die Angebote müssen also künftig über die reinen Infrastrukturleistungen hinaus gehen. Cloudservices, Security-Leistungen, Prozessberatung oder Audits – ergänzend zu bereits erfolgten Zertifizierungen – werden künftig das Portfolio erweitern.

Bildquelle: T-Systems

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