Stack Ranking

Microsoft gibt auf, was Yahoo gerade einführt

Das umstrittene Verfahren “Stack Ranking” zur Mitarbeiterbeurteilung hat viele Probleme. Vor allem taugt es nicht für seinen Zweck.

Gadget für die Mitarbeiterbeurteilung

“Alles, was sich nicht in Zahlen ausdrücken und in Statistiken darstellen lässt, existiert nicht.” So lautet die Ontologie des Controlling und Managerismus. Und natürlich muss sich auch der Leistungsstand der Mitarbeiter in Zahlen ausdrücken lassen.

Das ist auch bei Yahoo so: CEO Marissa Mayer hat deshalb vor einiger Zeit das so genannte Stack Ranking (auch: Forced Ranking) eingeführt. Diese Form der Mitarbeiterbewertung geht von einer einfachen Annahme aus. Es gibt immer sehr viele mittelmäßige und nur wenige brillante Mitarbeiter. Und leider gibt es auch einen gewissen Teil “Minderleister”.

In eine normative Vorgabe gewendet, lautet das ungefähr so: In jeder Abteilung gibt es 20 Prozent leistungsfähige Mitarbeiter, 70 Prozent Mittelmaß und zehn Prozent Versager. Letztere müssen entlassen werden. Und eine solche Vorgabe hat Marissa Mayer wohl gemacht, um ausreichend Personal abzubauen.

Auch wenn nicht immer Entlassungen damit verbunden sind, hat sich Stack Ranking in vielen Unternehmen etabliert. Das beste Beispiel ist Microsoft, die in den letzten zehn Jahren mit dieser Art der Mitarbeiterbeurteilung viele Erfahrungen gemacht haben - in erster Linie schlechte.

Das größte Problem der Methode ist die Tatsache, dass ihre naive Anwendung ganz grundsätzlich gegen einige Grundregeln der Arbeit mit statistischen Verfahren verstößt. Zunächst einmal gilt das Prinzip der großen Zahl. Denn an Prozenten fest gemachte Aussagen wie “10 Prozent haben das Merkmal X” gilt nur bei sehr großen Gruppen.

Zudem müsste eine solche Gruppe auch noch nach den Prinzipien einer Zufallsauswahl zusammengestellt werden. Unternehmen jedoch sind immer künstlich gebildete Gruppen - oder seit wann werden beispielsweise Entwicklerteams durch beliebiges Aufgreifen harmloser Passanten aufgebaut?

Das die Regel “10 Prozent Versager” Blödsinn ist, zeigt sich vor allem an kleinen Teams. Ein Beispiel: Für ein besonders kompliziertes Projekt werden zehn brilliante Projektmanager zusammengerufen - die mit den meisten erfolgreichen Projekten. Nach den Regeln des Stack Rankings müsste der Leiter des Teams jetzt einen davon als Versager abstempeln und womöglich rauswerfen.

Diese Art der Bewertung von Mitarbeitern bewirkt keine Verbesserung des Unternehmens, sondern eine ständige Verschlechterung. Wenn häufiger auch mal gute Leute schlecht bewertet oder gar entlassen werden, sinkt die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter. Nach und nach entsteht auf diese Weise ein ziemlich starkes Gegeneinander.

Die Mitarbeiter müssen streng darauf achten, wenigstens im Mittelfeld zu landen. Das führt rasch zu egoistischem Konkurrenzdenken. Und wenn auf jeden Fall das untere Zehntel entlassen werden soll, beginnt die hektische Suche nach Sündenböcken, die über die Klinge springen müssen.

Dieser innere Hahnenkampf beschäftigt ein Unternehmen durchaus so stark, dass es langsam aber sicher absteigt - Innovationen entstehen mit Sicherheit nicht auf diese Weise. Etwas, was auch die Verantwortlichen bei Microsoft endlich eingesehen haben: “No more ratings”, schreibt die oberste Personalverantwortliche Lisa Brummel in einem Memo.

Die Gründe dafür lassen sich aus den angekündigten Neuerungen schließen: Microsoft will in Zukunft die Zusammenarbeit in Teams stärker betonen, mehr auf die Mitarbeiterentwicklung achten und auf Zielvorgaben weitgehend verzichten. Ganz offensichtlich sind genau diese Bereiche in den letzten Jahren bei Microsoft vernachlässigt worden.

Weiß das Marissa Mayer? Sie scheint das Stack Ranking als einfache Technik der Personalverringerung entdeckt zu haben. In der jeder Arbeitsgruppe und Abteilung werden einfach die zu entlassenden zehn Prozent anhand der Leistung aussortiert. Und im nächsten Jahr werden dann wieder zehn Prozent abgebaut - solange, bis der Personalüberhang weg ist.

Dieser organisierte Unsinn könnte Yahoo die Existenz kosten. Das Unternehmen war in den letzten Jahren nicht gerade für Erfolge bekannt. Also dürfte die Stimmung ziemlich rasch sinken. Und welche Leute suchen sich in einer unsicheren Situation als erste einen neuen Arbeitgeber, den sie auch sofort finden? Richtig, die guten Leute.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok