Insight in Berlin

Microsoft will weg von Hierarchien

Unternehmen müssen sich neu ausrichten, so lautet das Credo von Microsoft, das sich davon nicht ausnimmt. Mit Cloud- und Teamlösungen will sich der Anbieter für die Herausforderungen der Digitalisierung positionieren. Vorgestellt wurde dies im Rahmen der Veranstaltung „Insight“ in Berlin.

  • Sabine Bendiek, Microsoft

    Sabine Bendiek ist seit Januar 2016 neue Vorsitzende der Geschäftsführung von ­Microsoft Deutschland.

  • Yuri van Geest, Microsoft

    Yuri van Geest, Repräsentant der „Singu­larity University“ und Co-Autor des Best­sellers „Exponential Organizations“

Ende Februar lud Microsoft Deutschland zur „Insight“, um über aktuelle Strategien zu informieren. Im Fokus der Diskussion stand die Frage, wie sich Unternehmen angesichts der digitalen Revolution erfolgreich ausrichten können. Laut Sabine Bendiek, seit Januar 2016 neue Vorsitzende der Geschäftsführung, mache dabei – nicht nur bei Microsoft – die Unterschiedlichkeit der Leute das Erfolgsrezept aus. „Die IT-Welt hat viele sehr erfolgreiche Unternehmen geboren, die nur wenige Jahre später ‚the next big idea‘ verpasst haben. Microsoft hat es mit großem Kampfgeist geschafft, immer wieder dranzubleiben“, so Bendiek und gesteht zugleich zu, dass die mobil gewordene Welt nicht einfach für das Unternehmen war. Derzeit versucht man sich mit eigener Hardware, den Surface Books##, in das Thema Mobility zurückzukämpfen.

Gut aufgestellt sieht sich Bendiek beim Thema Cloud, das ein Kern­aspekt der digitalen Transformation ist. „Gerade in Deutschland sind wir an einem interessanten Punkt angelangt, an dem Cloud wirklich relevant wird“, sagt Bendiek. Mit einer deutschen Cloud in Kooperation mit T-Systems, die durch ein „Datentreuhandmodell“ abgesichert ist, verspricht man sich eine gute Marktposition. Die Cloud soll abgekoppelt vom restlichen Internet laufen, Microsoft selbst hat keinen Zugriff auf die Daten.

„IT ist in den Herzen der Produkte und nicht nur der Prozesse angekommen. Wir haben viele Kunden, die in Bezug auf neue Produkte und Geschäftsmodelle daran arbeiten“, berichtet die neue Geschäftsführerin. Das Internet der Dinge erfordere die Fähigkeit zum Ausprobieren, diese Kultur müsse sich auch in Deutschland etablieren. „Sensoren blasen unglaubliche Mengen an Daten in die Systeme. Dafür braucht man eine Infrastuktur, die massiv skalieren kann, aber auch die Intelligenz dahinter, um die Daten zu analysieren“, beschreibt Sabine Bendiek ­eine weitere Herausforderung. „Digitale Transformation kann man nicht top-down tayloristisch betreiben, da verpasst man zu viele Chancen. Teams müssen mit Wissen ausgestattet werden und die Firmen am Kulturwandel hin zu lebendigen und hierarchielosen Organisationen arbeiten“, so Bendiek.

Als Keynote-Redner zeichnete Yuri van Geest, Repräsentant der „Singularity University“ und Co-Autor des Bestsellers „Exponential Organizations“, seine Vision, wie sich Unternehmen angesichts der digitalen Revolution aufstellen sollten. Knapp am Rande des guten Geschmacks vorbei: Mit einem Live-Mittschnitt der Tsunami-Katastrophe in Thailand wollte van Geest verdeutlichen, in welcher Gefahr sich Unternehmen heute befinden. Während sich das Wasser vom Strand zurückzieht, wundern sich die Touristen, bleiben ruhig stehen und schauen – ebenso wie viele Unternehmen, die heute nur ­ahnen, dass der Tsunami der Digitalisierung kommt, aber nicht handeln. „In der Künstlichen Intelligenz (KI), Robotics und Biotechnologie verdoppeln sich die Kapazi­täten alle 18 Monate. Diese exponentiellen Technologien werden in den nächsten fünf Jahren ganz real“, sagt van Geest. Bald schon könne man Gedanken filmen, selbstlernende Software wird funktionell ohne Zutun von Menschen wachsen, indem sie eigene Fragen stellt und beantwortet. KI könnte ein Commodity-Produkt werden, Beispiele dafür seien KI-Plattformen wie Viv und Sentient, die Intelligenz als Service zur Verfügung stellen.

„Die durchschnittliche Halbwertzeit von geschäftlichen Kompetenzen ist seit 1984 von 30 Jahren auf heute fünf Jahre gefallen“, stellt der Autor fest. In den nächsten Jahren könnten 40 Prozent der Fortune-500-Unternehmen weg sein. Seine Metapher dafür: Bevor es Leitern gab, waren Äpfel rar, nach Erfindung der Leiter gab es Äpfel im Überfluss. Heute gibt es einen Überfluss an Ressourcen und anders als früher muss man diese Ressourcen nicht mehr besitzen, es reicht, Zugriff auf sie zu haben. Doch es gibt noch weitere Argumente, warum Firmen sich verändern müssen. „Die neue Genera­tion hat ein neues Wertesystem, sie sieht sich auf dem Fahrersitz und als ‚Master‘ ihres eigenen Universums. Das führt zu einem Aufeinanderprallen der Kulturen beim Arbeiten in großen Unternehmen“, so van Geest.

Das von ihm mit vorgestellte Konzept der „Exponential Organizations“ bedeutet: Diese Unternehmen agieren zehnmal effizienter und schneller als „lineare“ Wettbewerber. Sie benutzen 3D-Drucker, Roboter, aber auch neue Organisationstechniken. „In der Zukunft wird jede Firma ein Software-Unternehmen“, prophezeit der Autor. Anstatt wie bisher Angst vor Risiko und Veränderung haben, sollen Unternehmen „Heroic Failure Awards“ etablieren und das Scheitern zur Tugend erheben – vor allem, wenn viel daraus gelernt wurde. Innovation könnte künftig nach außen wandern. Als Beispiel nennt van Geest die Xiaomi Smartphone Company, die ihre Kunden über neue Features ihres Smartphones nachdenken lässt. Oder der chinesische Haushaltsgerätehersteller Haier. Dieser hat sein Unternehmen in 2.000 konkurrierende Start-ups aufgespalten und das mittlere Management komplett abgeschafft, eine Veränderungsprozess, der neun Jahre brauchte. Seit mehreren Jahren verzeichnet der Hersteller zweistellige Wachstumsraten.

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