Marktplätze für Online-Storage

Mit Blockchain zu neuen Speicherkapazitäten

Nach dem Vorbild einer Strombörse könnte die Blockchain-Technologie künftig dabei helfen, neue Marktplätze für Online-Storage zu schaffen.

Mit der Blockchain wird es möglich, sichere, dezentrale Speicher zu schaffen.

Mit der Blockchain wird es möglich, sichere, dezentrale Speicher zu schaffen.

Die Blockchain eröffnet neue Chancen: Menschen führen Zahlungen über Landesgrenzen hinweg ohne Banken durch, Logistiker behalten den Überblick über ihre Läger und Künstler erhalten angemessene Lizenzgebühren für ihre Musik – um nur einige Beispiele zu nennen. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Datenspeicherung. Heute kategorisiert man Datenspeicher üblicherweise nach On-Premises, Cloud oder Ressourcen in einem Colocation-Rechenzentrum. Mit der Blockchain wird es möglich, sichere, dezentrale Speicher zu schaffen – auf einer Art Speichermarktplatz.

Dabei könnte ein Storage-Marktplatz ähnlich aussehen wie der Energiemarkt: Versorger handeln unter-einander mit Strom, um Angebot und Nachfrage auszugleichen, Engpässe abzufangen und Überschüsse zu monetarisieren. Ein Speichermarktplatz würde nach demselben Prinzip funktionieren: ein gemeinsames Speichernetz mit Anbietern und Verbrauchern, alles von der Blockchain gestützt. Unternehmen mit überschüssigen Kapazitäten treten als Anbieter für solche mit Bedarf nach lokalem Speicher auf. Wenn diese Anbieter ihre Überschüsse doch benötigen, kann die Blockchain einen nahtlosen Übergang der Kundendaten an einen passenden Speicherort sicherstellen auf der Basis von Regeln wie Leistung, Richtlinien und Service Level Agreements – ein neues, verteiltes Modell für die Datenspeicherung.

Ein Speichermarktplatz in drei Schritten


Bei der Vielzahl an Public-Cloud-Diensten ist die Frage nach dem Sinn einer Blockchain-Lösung berechtigt. Aber die Cloud hat einige Einschränkungen, etwa bei der Bandbreite, der Latenz oder der Geschwindigkeit der Dienste. Solche Faktoren können, je nach Anwendungsfall, ausschlaggebend sein. Im Gegensatz dazu sind in einem verteilten Storage-Modell die Bandbreite und Latenz kein Thema. So würden keine Kapazitätsengpässe mehr entstehen, weil Firmen freie Speicher in ihrer unmittelbaren Umgebung nutzen können. Ebenso können Unternehmen mit Speicherüberkapazitäten diese gewinnbringend nutzen und besser wirtschaften. Speicherplatz wird zur Handelsware.

Um eine solche Lösung zu schaffen, sind laut dem Datensicherungsspezialisten Veeam Software drei Elemente notwendig: Distribution, Sicherheit und Marktplatz. Bei der Distribution geht es um die Verteilung von Speicherinhalten bzw. Daten. Diese Anforderung sollte vergleichsweise einfach über bestehende Netzwerke zu lösen sein. Über eine Multi-Node-Umgebung mit einer Peer-to-Peer-Distribution der Inhalte ist eine Hochleistungsverteilung umsetzbar. Diese Methode zur Bereitstellung von Inhalten wird bereits von Unternehmen wie Microsoft eingesetzt, um die Belastung zentraler Verteilerknoten zu senken. Diese Verteilung kann noch weiter beschleunigt werden, indem Daten und Objekte je nach Bedarf in standardisierte oder adaptive Dateigrößen segmentiert werden.

Etwas komplexer wird das Thema Sicherheit, denn hier geht es um Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität. Vertraulichkeit kann mit den bekannten Techniken für Verschlüsselung und Datenschutz umgesetzt werden. Ein effektives Schlüsselmanagement kann sicherstellen, dass die Datenkomponenten vor Unbefugten geschützt sind. Verfügbarkeit ist ebenso wichtig, denn es muss sichergestellt sein, dass Daten nicht verloren gehen und auch dann zugänglich bleiben, wenn ein Verteilerknoten ausfällt oder Speicheranbieter ihre Kapazitäten zurückfordern. Dies wird erreicht, indem jede Datei an verschiedenen Orten redundant gespeichert wird.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Integrität bedeutet, dass jeder Eingriff in die Daten verhindert werden muss, während diese übertragen, empfangen und gespeichert werden. Dies kann mit strikten Zugriffskontrollen gelöst werden, etwa über Prüfsummen und Hash-Tabellen, die im gemeinsamen Speicher-Grid ausgetauscht werden. Das letzte Element ist der eigentliche Marktplatz. Damit das Distributionsmodell funktioniert, muss hier jede Kauf- und Verkaufstransaktion vom Speicher aufgezeichnet werden. Dabei darf eine Transaktion nicht veränderbar sein, damit alle Zahlungen korrekt abgewickelt werden.

Blockchain als zentrale Technologie


Die Blockchain ist Basis sowohl für die Sicherheit dieses verteilten Modells als auch für den Betrieb des Marktplatzes selbst. Die Technologie kann dabei garantieren, dass alle Transaktionen aufgezeichnet werden, wenn Daten aufgeteilt und über das Netz verteilt werden. Sie stellt sicher, dass nichts außerhalb des bekannten „Distributed Ledger“ passiert, und sorgt so für Unveränderbarkeit und Transparenz. Zudem kann sie die Verfügbarkeit verbessern und gewährleisten, dass alle Daten automatisch an einen anderen Speicherort übertragen werden, wenn ein Anbieter seine Speicherkapazität zurückfordert. Zu guter Letzt bietet die Blockchain den Beweis, dass ein Vertrag zwischen dem Eigentümer der Daten und dem Speicheranbieter besteht – und dass die Daten wirklich existieren. Durch den Beweis, dass die Transaktionen stattgefunden haben, entfällt die Notwendigkeit, diese manuell aufzuzeichnen. Damit steigen Zweckmäßigkeit und Vertrauen in das System.

Die Blockchain im Energiesystem

Schon heute kann die Blockchain-Technologie in vielen Bereichen der Energiewirtschaft verschiedene Vorteile für Unternehmen und Verbraucher bieten, so lautet ein Ergebnis der Studie „Blockchain in der integrierten Energiewende“ der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Sie untersucht den Beitrag der Blockchain zur Energiewende anhand elf konkreter Anwendungsfälle aus den energiewirtschaftlichen Kernbereichen Asset Management, Datenmanagement, Marktkommunikation, Stromhandel und Finanzierung. Dazu Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung: „Die Studie zeigt, dass die Blockchain besonders dann nützlich werden kann, wenn sie existierende Protokolle zum digitalen Informationsaustausch ergänzt. Sie verdeutlicht aber auch, dass für jede Anwendung eine Einzelfallanalyse erforderlich ist.“


Bildquelle: Getty Images / iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok