Colocation-Dienste

Mit den Anforderungen wachsen

Im Interview erklärt Volker Ludwig, Senior Vice President Sales and Marketing EMEA des Geschäftsbereichs Global Data Centers bei NTT, vormals e-shelter, warum Unternehmen die Colocation-Dienste seines Unternehmens nutzen und welche Trends das Geschäft antreiben.

  • Volker Ludwig, NTT

    Volker Ludwig, NTT: „Firmen wollen flexibel und agil sein. Und diese Möglichkeiten bietet ein externes Rechenzentrum.”

  • Volker Ludwig, NTT

    „Vielen Unternehmen ist es wichtig, dass Daten im eigenen nationalen Rechtsraum bleiben - und das trotz der sehr hohen Strompreise in Deutschland”, so Volker Ludwig, NTT.

  • Volker Ludwig, NTT

    Volker Ludwig, NTT: „Bei einem eigenen Rechenzentrum müssen Firmen ja nicht nur in dessen Bau investieren, sondern auch in den Erhalt und die Wartung. Und das wird immer teurer.”

  • Volker Ludwig, NTT

    „Energiekosten machen heute 50 Prozent der Investitionen in den Betrieb eines Rechenzentrums aus”, so Volker Ludwig, NTT.

  • Volker Ludwig, NTT

    Volker Ludwig, NTT: „Wir haben aber spezialisierte Teams, die sich mit nichts anderem als der Auswahl von passenden Standorten beschäftigen.”

IT-DIRECTOR: Herr Ludwig, vor vier Jahren hat NTT den Hauptanteil von e-shelter gekauft. In diesem Jahr wurden auch die restlichen Anteile übernommen. Seit Oktober ist die Marke e-shelter in NTT aufgegangen. Was hat sich dadurch geändert?
V. Ludwig:
Mit unseren Schwestergesellschaften – zum Beispiel RagingWire in den USA, Netmagic in Indien oder Gyron in Großbritannien – befinden wir uns nun unter einem gemeinsamen Dach, dem Geschäftsbereich Global Data Centers von NTT. Das ergibt den drittgrößten Rechenzentrumsbetreiber weltweit. Dank NTT haben wir eine exzellente Position in diesem sehr kapitalintensiven Geschäft. Allein für die Wachstumsinvestition in der EMEA-Region werden pro Jahr mehrere hundert Millionen Euro benötigt. Außerdem war es für uns wichtig, Teil eines großen Unternehmens zu sein, um auch eine globale Abdeckung zu erreichen.

IT-DIRECTOR: Das Hauptgeschäft bleibt Colocation?
V. Ludwig:
Richtig. Wir stellen hochsichere und verfügbare Rechenzentrumskapazitäten zur Verfügung – mit unterbrechungsfreier Stromversorgung, Klimatisierung und physischem Sicherheitsschutz. Das ist unser grundlegendes Angebot. In diesem gibt es dann viele Abstufungen: vom einzelnen Serverschrank in einer geteilten Gemeinschaftsumgebung über einen Cage oder eine Suite in einem abgetrennten Bereich bis zu einer ganzen Etage oder einem kompletten Rechenzentrum.

IT-DIRECTOR: Gibt es zusätzliche Dienstleistungen, die Sie anbieten?
V. Ludwig:
Unser Angebot beschränkt sich nicht nur auf Fläche. Server müssen sich ja auch mit der Außenwelt verbinden. Jeder Kunde kann sich daher aus den Cloud- und Netzbetreibern einen oder mehrere Partner aussuchen. Das sind je nach Standort zwischen zehn und mehrere hundert. Dabei garantieren wir Neutralität. Auch wenn NTT bei uns im Namen steht, kann ein Kunde seinen Partner frei wählen. Wenn er sich aber nicht mit der Auswahl des Netz-Providers befassen möchte, kann er auf unsere e-connect Plattform zurückgreifen. In Hinblick auf Neutralität gilt das Gleiche für Full-Stack-Lösungen. Unsere Kunden können auf Services von NTT oder ihrer bestehenden Partner zugreifen.

IT-DIRECTOR: Was spricht denn grundsätzlich für das Auslagern des eigenen Rechenzentrums?
V. Ludwig:
Mittlerweile nutzt so gut wie jedes Unternehmen externe Rechenzentren. Gerade auch Kunden aus sehr sensitiven Branchen wie zum Beispiel Banken oder Behörden. Die technischen Anforderungen und die Zertifizierungen sind so komplex, dass man sich auf spezialisierte Anbieter verlässt, die über die entsprechende Erfahrung verfügen, weil diese den Service für viele verschiedene Firmen bereitstellen. Generell lässt sich sagen: Je höher die Abhängigkeit von IT im Unternehmen ist und je wichtiger Compliance und Zertifikate sind, umso interessanter ist unser Angebot. Es reduziert die Komplexität und schafft Vertrauen, weil wir zahlreiche Standards einhalten beziehungsweise umfassend zertifiziert sind – unter anderem nach ISO 27001 (BSI), DIN EN ISO 50600, DIN EN ISO 9001 und PCI DSS.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt das Cloud Computing dabei?
V. Ludwig:
Wenn man Cloud-Services nutzt, erhofft man sich davon einen Effizienzgewinn. Aber wenn man ein eigenes Rechenzentrum mit beispielsweise 500 Quadratmetern besitzt und davon einen Teil in die Cloud migriert, dann bedeutet das: Man hat im eigenen Rechenzentrum einen Leerstand von vielleicht 200 Quadratmetern. Das ist, wie wenn man in einem Haus drei leerstehende Zimmer hat. Das macht die Miete auch nicht günstiger. Firmen wollen flexibel und agil sein. Und diese Möglichkeiten bietet ein externes Rechenzentrum. Damit ist es einfacher, neue Kapazitäten hinzuzufügen oder auch zurückzufahren. Außerdem ergibt es Sinn, wenn der Zugangspunkt zur Cloud und die Anwendung unter einem Dach sind. Dann ist die Latenz entsprechend geringer.

IT-DIRECTOR: Aber die Distanz von Ihrem Rechenzentrum in die Cloud von AWS oder Google muss doch trotzdem überwunden werden.
V. Ludwig:
Wir unterhalten Partnerschaften mit den Cloud-Providern, um direkt in deren Cloud hinein zu verbinden. Dazu zählen zum Beispiel Google, Alibaba, Microsoft, AWS und IBM. Das läuft ebenfalls über unsere e-connect Plattform mit optimierten Latenzen.

IT-DIRECTOR: Hat sich die wachsende Cloud-Nutzung in Ihrem Geschäft bemerkbar gemacht?
V. Ludwig:
Viele Cloud-Service-Provider wollten sehr schnell in den Markt eintreten. Daher konnten sie sich nicht damit beschäftigen, eigene Rechenzentren aufzubauen. Denn mit all den Fragen, die dabei zu klären sind, dauert das drei bis fünf Jahre. Daher haben viele Provider die nötigen Kapazitäten einfach angemietet. Auch in solchen Fällen ist Colocation ein sehr interessantes Konzept, es verkürzt die „time-to-market“. Cloud Computing ist für uns ein wichtiger Wachstumsmarkt.

IT-DIRECTOR: Es ist sicher auch von Vorteil, wenn man ein Rechenzentrum in Deutschland anbieten kann.
V. Ludwig:
Vielen Unternehmen ist es wichtig, dass Daten im eigenen nationalen Rechtsraum bleiben – und das trotz der sehr hohen Strompreise in Deutschland. Dabei geht es nicht nur um gesetzliche Bestimmungen. Die Verantwortlichen werden dabei mehr von einem Bauchgefühl geleitet. Wir haben auch in anderen Märkten festgestellt, dass man die Daten im eigenen Land halten möchte, auch wenn es mit der Datenschutz-Grundverordnung mittlerweile einen europäischen Standard gibt.

IT-DIRECTOR: Warum sollten denn Unternehmen ihr Rechenzentrumsbetrieb speziell an NTT auslagern?
V. Ludwig:
Wir haben eine sehr gute Reputation, was die Qualität der Rechenzentren betrifft. Wir bieten extrem hohe Ausfallsicherheit, eine robuste Infrastruktur und sind sehr skalierbar. Außerdem wachsen wir sehr schnell. Das ist für Unternehmen wichtig. Denn ein Kunde bekommt ein Problem, wenn er schneller wächst als der Rechenzentrumsbetreiber. Dann kann er selbst auch nicht mehr wachsen, weil dafür keine Kapazitäten mehr zur Verfügung stehen. Daher investieren wir hunderte von Millionen Euro im Jahr, um das Wachstum sowohl an bestehenden als auch an neuen Standorten zu sichern. Außerdem bieten wir auch eigene Innovation Labs an.

IT-DIRECTOR: Was hat es damit auf sich?
V. Ludwig:
Die Innovation Labs sind ein gesicherter Bereich im Rechenzentrum, in dem Kunden verschiedene Use-Cases testen können. Wir stellen den Raum und bringen rund 150 Technologiepartner und 60 Start-ups aus verschiedenen Bereichen zusammen. Dazu gehören etwa Hardware-Hersteller, Software-Anbieter und Cloud-Provider. Anwenderunternehmen können im Lab dann unterschiedliche Szenarien ausprobieren – neben modernen Cloud-Technologien und Hybrid- sowie Multi-Cloud-Szenarien zum Beispiel auch wie eine spezielle Software in einer bestimmten Hardware-Umgebung läuft. Es lassen sich auch verschiedene Klimatisierungskonzepte oder Verkabelungen testen. Wir bieten quasi einen Sandkasten in einer professionellen Umgebung.

IT-DIRECTOR: Können Sie ein Beispiel nennen?
V. Ludwig:
Ein Kunde von uns - die Firma trans-o-flex – wollte sein primäres Rechenzentrum zu einem Colocation-Anbieter auslagern und zusätzlich eine Cloud-Lösung als Backup nutzen. Dieses Konzept hat das Unternehmen vor Vertragsunterschrift im Rahmen eines Proof-of-Concepts in unserem Innovation Lab unter Realbedingungen getestet. Wir beschäftigen uns aber auch mit Themen, die noch eher visionär sind.

IT-DIRECTOR: Welche Themen sind das?
V. Ludwig:
Wir haben im Innovation Lab zum Beispiel eine Zugangslösung über die Blockchain mit verschiedenen Partnern realisiert. Außerdem gibt es ein Projekt, das sich mit dem Einsatz eines Roboters im Rechenzentrum beschäftigt. Dabei geht es darum, verschiedene Tätigkeiten zu automatisieren, die an den Geräten stattfinden müssen. Als Teil des Projektes „Robotizing Data Centers“ unternehmen wir gemeinsam mit Partnern erste Versuche, den Austausch einer Festplatte von einem Roboter durchführen zu lassen. Denn es ist ein Wunsch unserer Kunden, dass sich möglichst wenige Menschen im Rechenzentrum bewegen.

IT-DIRECTOR: Wo befinden sich die Innovation Labs?
V. Ludwig:
Die Innovation Labs sind eine Erfindung von e-shelter. Das erste Lab wurde hier in Frankfurt etabliert. Das Konzept wird derzeit global ausgerollt. So wurde vor wenigen Monaten etwa in Tokio ein Lab eröffnet. Daneben gibt es auch kleinere Varianten zum Beispiel in Berlin für Start-Ups. Und ein Lab in München beschäftigt sich mit dem Thema Future Mobility.

IT-DIRECTOR: Worum geht es dabei konkret?
V. Ludwig:
Autonom fahrende Autos, die künftig auf unseren Straßen unterwegs sein werden, generieren extrem viele Daten. Dazu gibt es verschiedene Einschätzungen: von 100 Gigabyte pro Stunde bis mehrere 100 Gigabyte pro Stunde. Davon wird zwar ein Teil im Auto verarbeitet und gespeichert, ein anderer Teil wird aber übertragen. Wo die Verarbeitung und Lagerung der verschiedenen Daten künftig stattfinden wird, kristallisiert sich gerade heraus.  Es wird sehr viel getestet werden müssen und neben zentralen Rechenzentren werden Edge-Rechenzentren sicherlich auch eine wichtige Rolle spielen. Es sind außerdem zahlreiche Stakeholder wie etwa Hersteller von Sensorik, Telekommunikations-Provider oder Fahrzeugproduzenten involviert. Die möchten wir alle zusammenbringen. Und dabei ist das autonome Fahren nur ein Teilbereich von Future Mobility.

IT-DIRECTOR: Im Innovation Lab sind also auch Automotive-Unternehmen aktiv.
V. Ludwig:
Ja, OEMs und Zulieferer. Und natürlich Sensorikhersteller. Das autonome Fahren wird ganz neue Wertschöpfungsmöglichkeiten eröffnen.

IT-DIRECTOR: Gibt es weitere Treiber im Markt für externe Rechenzentren?
V. Ludwig:
Die Digitalisierung schreitet in allen Bereichen voran. Und das extreme Datenwachstum geht unaufhörlich weiter. Im Privatleben nimmt der Datenkonsum ebenfalls zu. Denken Sie nur an die sozialen Medien oder an das Streaming von Videos. Man könnte zwar annehmen, dass der Bedarf an Rechenzentrumsfläche sinkt, weil die Rechner immer kleiner und leistungsfähiger werden. Aber die Digitalisierung und das Datenwachstum überkompensieren die Miniaturisierung bei weitem.

IT-DIRECTOR: Herrscht mittlerweile auch eine größere Bereitschaft, IT auszulagern?
V. Ludwig:
Es gibt ja allgemein den Trend, sich zunehmend an externen Dienstleistungen zu bedienen. Die Unternehmen sind heute wesentlich offener, selbst in Deutschland. Das war im Rechenzentrumsmarkt viele Jahre lang nicht der Fall. Der Trend wird vielleicht auch durch die vielen Auflagen, die es gibt, getrieben. Bei einem eigenen Rechenzentrum müssen Firmen ja nicht nur in dessen Bau investieren, sondern auch in den Erhalt und die Wartung. Und das wird immer teurer. Es ist auch aus technischer Sicht komplex, die entsprechenden Geräte zu betreiben und bei der Infrastruktur auf dem neuesten Stand zu bleiben.

IT-DIRECTOR: Kann man das auch mit der Entwicklung beim Cloud Computing vergleichen? Für dieses Konzept gibt es mittlerweile auch eine größere Akzeptanz der Unternehmen als früher.
V. Ludwig:
Beim Cloud Computing zeigt sich, dass generell eine größere Offenheit bei den Unternehmen herrscht. Und wenn ein Kunde ein Colocation-Rechenzentrum nutzt, behält er die Fäden ja selbst in der Hand. Er betreibt seine eigene IT mit seinem eigenen Personal – nur eben in einem gesicherten Raum, der nicht dem eigenen Unternehmen gehört und es ist alles über SLAs abgesichert. Der Colocation-Markt ist jetzt mehr als 20 Jahre alt und es gibt genügend gute Fallbeispiele. Unternehmen sehen, dass dieses Konzept funktioniert und effizienter ist.

IT-DIRECTOR: Ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz eines externen Rechenzentrums ist die Sicherheit. Wie gewährleisten Sie diese und wofür ist der Kunde selbst zuständig?
V. Ludwig:
Wir sind für die physische Sicherheit zuständig – und zwar vollumfänglich. Ein Sicherheitskonzept sorgt dafür, dass wirklich nur autorisiertes Personal das Rechenzentrum betreten kann. Durch Unterteilung in verschiedene Sicherheitszonen erhält jeder Kunde nur Zugang zu seinem Bereich. Dieses Konzept basiert auf intelligenten technischen Lösungen und qualifiziertem Sicherheitspersonal. Hinzu kommen weitere Themen wie Brandschutz, Klimatisierung und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Die logische Sicherheit ist Sache des Kunden – gerade, wenn er sich selbst um die eigene Anwendung kümmert. Aber wir können ihn dabei unterstützen und beraten.

IT-DIRECTOR: Wie warten denn die Kunden ihre Systeme, die in den Rechenzentren von NTT stehen?
V. Ludwig:
Ein guter Teil unserer Kunden hat Büros und eigenes Personal bei uns am Campus. Das gilt besonders für die Unternehmen, die Dienstleistungen für ihre eigenen Kunden erbringen und eine Reaktionszeit garantiert haben. Das sind zum Beispiel Systemintegratoren. Aber auch Firmen, die ihr eigenes Rechenzentrum bei uns betreiben, haben ihre Mitarbeiter vor Ort. Vor allem internationale Kunden machen dagegen ganz viel remote – also aus der Ferne. 80 Prozent der Tätigkeiten lassen sich auf diese Weise erledigen. Es gibt beispielsweise IP-gestützte Stromleisten, mit denen sich sogar ein Server von Los Angeles oder Tokio aus rebooten lässt. Für solche Kunden bieten wir einen eigenen Service. Wenn es doch mal nötig ist, einen Mitarbeiter ins Rechenzentrum zu schicken, dann stellen wir ihnen dafür unser eigenes Personal zur Verfügung.

IT-DIRECTOR: Eine wichtige Rolle beim Betrieb eines Rechenzentrums spielt die Energieeffizienz. Wie adressieren Sie dieses Thema?
V. Ludwig:
Energieeffizienz ist einer der Gründe, warum sich Unternehmen für ein externes Rechenzentrum entscheiden. Denn Energiekosten machen heute 50 Prozent der Investitionen in den Betrieb eines Rechenzentrums aus. Unsere Anlagen sind modern und speziell auf einen effizienten Betrieb ausgelegt. Das ist nicht bei jedem selbst betriebenen Rechenzentrum der Fall. Wir sind ein kommerzieller Anbieter. Wenn unsere Rechenzentren ineffizient sind, haben wir sofort einen Wettbewerbsnachteil.

IT-DIRECTOR: Auf welche Maßnahmen setzen Sie dabei?
V. Ludwig:
Zunächst setzen wir sehr effiziente Einzelkomponenten ein. Dann gibt es eine konsequente Trennung von Warm- und Kaltluft. Und wir versuchen, die Abwärme sinnvoll zu nutzen. An unseren Standorten erwärmen wir zum Beispiel die Büros damit. In Zürich kooperieren wir mit einem Nachbarhotel und geben diesem die Möglichkeit, unsere Abwärme zum Heizen zu nutzen. Außerdem setzen wir zum großen Teil auf erneuerbare Energien. Die größten Effizienzpotenziale liegen aber in der Hardware selbst. Denn die meiste Energie, die in einen Rechner gesteckt wird, kommt in Form von Wärme wieder raus.

IT-DIRECTOR: Was sind denn grundsätzlich die größten Herausforderungen für einen Colocation-Anbieter?
V. Ludwig:
Das Geschäft wächst stark, die Organisation muss mitwachsen. Für ein nachhaltiges Wachstum bedarf es auch qualifizierter Fachkräfte, die wir für uns gewinnen und weiterentwickeln müssen. Ebenso entwickeln sich unsere Kunden und ihre Anforderungen weiter. Ein weiterer Bereich ist die Expansion. Speziell im Raum Frankfurt ist es eine große Herausforderung, passende Standorte zu finden, an denen man einen großen Rechenzentrums-Campus bauen und betreiben kann. Das umfasst viele Kriterien. Es muss ausreichend Strom zur Verfügung stehen. Optimal sind Kapazitäten von 100 Megawatt und mehr. Außerdem brauchen wir ausreichend Konnektivität – also die Anbindung ans Glasfasernetz. Hinzu kommt eine Risikobewertung. Das Rechenzentrum muss in einer möglichst sicheren Umgebung stehen. Da geht es um Themen wie Gefahr von Hochwasser und Unwetter. Oder um Fragen wie „Liegt der Standort in einer Einflugschneise?“, „Gibt es eventuell Terrorziele in der Nachbarschaft?“ Wir haben aber spezialisierte Teams, die sich mit nichts anderem als der Auswahl von passenden Standorten beschäftigen.

IT-DIRECTOR: Speziell in Deutschland ist wahrscheinlich das Thema Konnektivität eine besondere Herausforderung.
V. Ludwig:
Für die Anbindung unserer Rechenzentren sorgen wir selbst. Wir sind aber permanent mit Ministern und Staatssekretären in Gesprächen, um über Themen wie den allgemeinen Breitbandausbau und auch die in Deutschland sehr hohen Stromkosten zu diskutieren. Wir betreiben auch entsprechende Lobby-Arbeit in Berlin. NTT unterhält eine eigene Hauptstadtrepräsentanz und wir haben mit anderen Unternehmen innerhalb des Eco Verbandes die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland gegründet, um das Bewusstsein für die Bedeutung digitaler Infrastrukturen zu schärfen. Man merkt einen klaren Unterschied zwischen Deutschland und zum Beispiel Japan. Wenn ich mit den dortigen Kollegen spreche, dann reden sie über die Anwendungen – also über das, was auf Basis der digitalen Infrastruktur passiert. Hierzulande diskutieren wir meistens noch über die Infrastruktur. Wir sprechen also über die Voraussetzungen für die Anwendungen und noch nicht über ihren Nutzen.

IT-DIRECTOR: Sie haben von Reserven gesprochen, um zu wachsen. Wie sieht denn die Expansionsstrategie aus?
V. Ludwig:
Wir haben gerade den neuen Standort Frankfurt 4 eröffnet. Der liegt in Hattersheim und dort können bis zu vier weitere Gebäudeteile gebaut werden. Das erste Gebäude ist fertig und nahezu komplett vermietet. In Rüsselsheim stellen wir gerade zwei weitere Gebäudeteile fertig. In Berlin haben wir ein Grundstück erworben für den Standort Berlin 2. Ebenso haben wir an anderen bestehenden Standorten wie in München, Wien oder Zürich Wachstumsreserven. Dann gibt es auch strategische Standorte, die wir erschließen möchten. In London bauen wir gerade. Unsere Schwestergesellschaft ist dort bereits mit fünf Rechenzentren vertreten, die ebenfalls in die Global Data Center Division von NTT integriert werden. Amsterdam ist dieses Jahr eröffnet worden und auch dort expandieren wir. Johannesburg sowie Madrid und weitere Standorte stehen auf der Roadmap.

IT-DIRECTOR: Sie erwerben auch immer ein größeres Grundstück, als gerade benötigt, um das Potenzial zu haben, sich auszudehnen.
V. Ludwig:
Das ist richtig. In München beispielsweise sind wir sehr lange mit einem kleineren Standort vertreten gewesen. 2017 haben wir dort an einem anderen Standort das Rechenzentrum, München 2 eröffnet. Auf einem Grundstück, das Platz hat für zwei Gebäudeteile. Das ist die typische Vorgehensweise: Wir bauen erst ein Rechenzentrum auf. In der Vermietungsphase starten wir dann den Prozess für den zweiten Bauabschnitt. So wird auf der einen Seite nicht zu viel Kapital gebunden. Und andererseits können wir dem Kunden einen Wachstumspfad aufzeigen. Wenn die zweite Phase angefangen hat, schauen wir uns wieder nach einem neuen Standort um.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Wie sieht die Vertriebsstrategie von NTT Global Data Centers aus?
V. Ludwig:
Zum einen haben wir einen direkten Vertrieb, zum anderen gibt es auch einen Partnervertrieb. Das heißt, wir arbeiten neben NTT auch mit anderen Partnern zusammen. Bechtle, Comline, Concat und SVA, um nur einige Systemhäuser zu nennen, nehmen an unserem Partnerprogramm teil. Diese Partner mieten bei uns Flächen an und geben diese an die eigenen Kunden weiter. Systemhäuser vermarkten unser Angebot quasi als ihr eigenes Rechenzentrum und bieten dazu zusätzliche Dienstleistungen an. Wir unterstützen sie dabei und statten sie mit eigenen Presales- und Vertriebsressourcen aus. Wichtig ist, dass wir dabei eine Partnerneutralität pflegen.

IT-DIRECTOR: Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Wohin wird sich der Markt für Rechenzentrumsservices Ihrer Meinung nach entwickeln?
V. Ludwig:
Wir sehen Wachstum in allen Bereichen. So lange das Datenvolumen weiter steigt, werden auch die Rechenzentren wachsen. Und beim Thema Mobility befinden wir uns gerade erst am Anfang dieser Entwicklung. Wir sehen auch, dass auf der einen Seite die Zentren wie etwa Frankfurt stärker wachsen. Auf der anderen Seite gibt es auch einen Trend zur Regionalisierung, einen stärkeren Bedarf an vielen verteilten Standorten.

IT-DIRECTOR: Das heißt?
V. Ludwig:
Das BSI – also das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik – veröffentlicht immer wieder Richtlinien, an die die Behörden gebunden sind und die den Unternehmen als eine Art Richtschnur dienen. Dazu zählen auch Empfehlungen, was den Mindestabstand zwischen zwei Rechenzentren betrifft. Dieser lag bis vor kurzem bei fünf Kilometern. Im vergangenen Jahr wurde die Empfehlung auf 200 Kilometer angepasst. So sind wir nun in einer komfortablen Situation, weil wir in Deutschland auch Rechenzentren in Hamburg, München, Berlin, Rhein-Ruhr und Frankfurt haben. Die Regionalisierung ergibt auch Sinn, um Leistungen wie Cloud Computing oder Streaming immer näher zum Endnutzer hin zu verlagern. Daten werden sukzessive an den Nutzer heranrücken.

IT-DIRECTOR: Und was steht bei NTT Global Data Centers noch auf der Roadmap?
V. Ludwig:
Wir befinden uns gerade in der Transitionsphase und bündeln die Rechenzentrumsgeschäfte im Bereich Global Data Centers. Dann können wir den Kunden die globalen Lösungen zur Verfügung stellen, die sie sich wünschen - alles aus einer Hand, auf globalem Level und wenn gewünscht auch ergänzt um zusätzliche Dienste. Da ergeben sich über die NTT-Familie große Möglichkeiten. Wir werden an den Standorten, an denen wir heute sind, weiter expandieren. Und wir werden gemeinsam mit unseren Kunden neue Standorte entwickeln.


Volker Ludwig
Alter: 40 Jahre
Familienstand: verheiratet, ein Sohn
Werdegang: mehr als 18 Jahre Erfahrung im Rechenzentrumsmarkt, bereits vor Eintritt bei e-shelter/NTT in leitenden Vertriebs- und Marketing-Funktionen in der Rechenzentrumsbranche tätig gewesen
Derzeitige Position: Senior Vice President Sales and Marketing EMEA des Geschäftsbereichs Global Data Centers bei NTT
Hobbys: Angeln, Fitness, Reisen


Bildquelle: Claus Uhlendorf

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