Die Qual der Wahl

Mit der richtigen Strategie in die Cloud

Die Nutzung von Cloud-Services spielt der Digitalen Transformation in Unternehmen oftmals in die Karten. Doch bei der Entscheidung zugunsten eines Cloud-Angebots hat das auslagernde Unternehmen die Qual der Wahl. Entscheidend für den Erfolg ist dabei die richtige Cloud-Strategie.

Digitalisierung und Cloud-Strategie gehen Hand in Hand

Digitalisierung und Cloud-Strategie gehen Hand in Hand

Aktuell kommt kaum ein Unternehmen an der Digitalen Transformation mehr vorbei. Die zentrale Komponente ist dabei die Veränderung von Geschäftsmodellen durch IT-Prozesse. Dabei werden neue Ideen entwickelt und bestehende Strukturen und Abläufe kritisch hinterfragt. Die Bereitschaft der Unternehmen, notwendige Veränderungen heute in Angriff zu nehmen, entscheidet morgen über deren Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit.

Zentrale Voraussetzungen für die Digitalisierung sind Prozess- und Datenanalysen und eine konsolidierte Sicht auf alle vorhandenen Daten. Das heißt, es geht um eine ganzheitliche Erfassung bestehender IT-Systeme und Etablierung einer gemeinsamen IT-Plattform im Unternehmen. Auch bisherige „Insellösungen“ muss ein Unternehmen in diese Plattform einbinden. Ziel ist es, Metriken aller Prozesse aus allen Firmenbereichen für das Controlling transparent und als Self-Service bereitzustellen.

Eine entscheidende Rolle kann in diesem Kontext das Thema Business Intelligence (BI) spielen. Unternehmen, die die Digitale Transformation vorantreiben wollen, benötigen u.a. eine zentrale BI-Lösung mit Datenpool. Durch die systematische Auswertung ihrer Daten können Unternehmen wichtige Erkenntnisse für die Optimierung ihrer Geschäftsprozesse gewinnen. BI-Lösungen helfen ihnen z.B., Kosten zu senken, Risiken zu minimieren und neue Marktchancen zu entdecken. Darüber hinaus eröffnen ihnen Technologien für die Analyse großer unstrukturierter Datenmengen viele weitere Auswertungsmöglichkeiten.

Die notwendigen Voraussetzungen für die Digitale Transformation wie die Implementierung digitaler Geschäftsprozesse, die Datenkonsolidierung oder der Einsatz von BI-Lösungen zeigen deutlich: Digitalisierung erfordert die Verwendung einer Vielzahl von Applikationen und Services, die eine hohe Agilität, Flexibilität und Skalierbarkeit aufweisen müssen. Allein unter Kostengesichtspunkten ist dies für kein Unternehmen völlig autonom zu meistern. An diesem Punkt kommt die Cloud ins Spiel, die die benötigten Tools und Informationen bereitstellt, etwa im Bereich Big Data. Ein Beispiel sind global gesammelte Daten, die in einer Big-Data-Plattform in der Public Cloud verschlüsselt verarbeitet werden und dem Endkunden via BI-Lösungen zur Verfügung gestellt werden – und zwar ohne tagelange manuelle Verarbeitungsketten nahezu in Echtzeit und als Self-Service.

Welches Cloud-Modell passt?


Digitalisierung und Cloud-Strategie gehen in diesem Fall Hand in Hand und es stellt sich die Frage, welches Cloud-Modell die firmenspezifischen Anforderungen am besten abdeckt: eine Private, Public, Hybrid oder eine Multi-Cloud. Im Trend liegen momentan Multi-Cloud-Ansätze, bei denen die benötigten Anwendungen der Unternehmen bei verschiedenen Public-Cloud-Anbietern laufen. Allerdings wird der Begriff ­Multi-Cloud oft sehr weit ausgelegt. Ob es jetzt bereits Multi-Cloud ist, wenn man Office aus der Microsoft Cloud bezieht und gleichzeitig eine Virtuelle Maschine (VM) auf Amazon Web Services betreibt, ist zumindest diskutabel. Auf jeden Fall beginnt Multi-Cloud jedoch an dem Punkt, an dem eine tatsächliche Integration zwischen verschiedenen Services stattfindet – etwa wenn zwischen den Diensten eine gemeinsame Authentifizierung eingesetzt wird oder Services nahtlos im Hintergrund miteinander kommunizieren.

Vor allem drei Aspekte sprechen für die Multi-Cloud: Erstens können die Unternehmen damit einen Best-of-Breed-Ansatz verfolgen. So ist für Internet-of-Things-Anwendungen (IoT) z.B. Microsoft Azure besser geeignet als die ­Google-Cloud. Zweitens verringert die Multi-Cloud-Wahl die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter; damit bewahren sich die Unternehmen Flexibilität, falls AGBs eines Services mit negativen Auswirkungen angepasst werden oder Services ganz eingestellt werden. Drittens ermöglicht die Multi-Cloud-Nutzung eine Kombination von Compliance und Dynamik; Unternehmen können so für Services mit hohen Compliance-Anforderungen spezialisierte deutsche Provider und für die restlichen Services die hoch skalierbaren Infrastrukturen großer Public-Cloud-Anbieter nutzen.

Diese Vorteile einer Multi-Cloud sind zwar grundsätzlich für alle Unternehmen gültig, in der Regel kommen sie aber nur bei Großunternehmen wirklich zum Tragen. Der Grund: die benötigte Lösungsvielfalt. Meist fokussieren kleine oder mittelständische Firmen ein klar abgestecktes Kerngeschäftsfeld. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass sie im Rahmen der Digitalen Transformation gleichzeitig vorgefertigte IoT-Suites, die entwicklerfreundlichste Machine-Learning-Umgebung und die schnellsten Bare-Metal-Maschinen benötigen. Folglich sind laut dem Münchner IT-Dienstleister Consol für kleine und mittelständische Unternehmen Multi-Cloud-Umgebungen nicht immer die beste Wahl, auch wenn sie das Hypethema schlechthin sind, wie auch die IDC-Studie „Cloud Computing in Deutschland“ ermittelte. Ein Ergebnis war, dass viele Entscheidungsträger „Multi Clouds als den aktuell vielversprechendsten Ansatz für die Optimierung der erforderlichen IT-Ressourcen und IT-Infrastrukturen“ ansehen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Allerdings dürfen die Verantwortlichen dabei nicht übersehen, dass Multi-Cloud-Nutzungen immense Herausforderungen beinhalten, etwa hinsichtlich des höheren administrativen Aufwands, der entstehenden Datensilos oder des – vorsichtig formuliert – nicht ganz kostengünstigen Verschiebens von Daten zwischen Clouds. Die Wahl eines einzigen Cloud-Anbieters ist deshalb die bessere Lösung, wenn Unternehmen ein eng umrissenes Kerngeschäftsfeld besitzen und die benötigten Services durch einen einzigen Anbieter sehr gut abdecken können; dies kann durchaus auch für ein größeres Unternehmen zutreffen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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