IBM und Lenovo, VMWare und Airwatch

Mit Riesenschritten in die Post-PC-Ära

Lenovo kauft einen Teil der Serversparte von IBM, VMWare kauft AirWatch – die Branche bricht in die Post-PC-Ära auf, in der Cloud und Mobile die klassische Intel-Architektur ersetzen.

Ein typischer Server - oft ist er dank Cloud nicht mehr nötig

„Commodity-Hardware“ ist eine etwas euphemistische Bezeichnung für Allerweltsprodukte. Wer das Feine, Edle und Teure bevorzugt, für den ist das Zeugs, das in Millionenzahl die Fließbänder verlässt. Yang Yuanqing würde nie so denken, denn der Lenovo-CEO hat mit Commodity-Hardware auf der Basis von x86/x64-Prozessoren ein Imperium aufgebaut. Lenovo ist Weltmarktführer mit 17 Prozent Anteil, noch vor HP.

Und jetzt hat er sein x86-Reich erweitert und von IBM nach der PC-Sparte nun auch das Geschäft mit Intel-Servern gekauft. Kostenpunkt: 2,3 Milliarden Dollar. Von dem Kauf sind weltweit etwa 7.500 Arbeitsplätze betroffen, die Mitarbeiter sollen ein Übernahmeangebot von Lenovo bekommen.

Der Deal dürfte von langer Hand vorbereitet worden sein, aber er kommt wie bestellt: Die Zahlen für das Jahr 2013 waren bei IBM ziemlich katastrophal, der gesamte Bereich „Systems and Technology“ hat auf breiter Front mehr als ein Viertel seines Umsatzes verloren.

Diese Meldung passt zu den Nachrichten, dass die PC-Absätze allgemein mit rasanter Geschwindigkeit abbröckeln. Kurz und gut: IBM hat sich jetzt endgültig in die Post-PC-Ära verabschiedet. Intel-Rechner auf dem Desktop, aber auch im Serverraum sind kein besonders gutes Geschäft mehr.

PC schrumpft, Cloud wächst

Die Cloud dagegen läuft fantastisch mit fast 70 Prozent Wachstum im letzten Jahr. Nicht nur beim blauen Riesen wachsen die Umsätze so deutlich. So verzeichnet zum Beispiel das Cloud-Paket „Office 365“ von Microsoft einen regelrechten Run mit 150 Prozent Wachstum.

Offensichtlich ersetzen viele eigene Server-Installationen durch die entsprechenden Clouddienste. Das ist vor allem für kleine Unternehmen nicht nur deutlich kostengünstiger und unkomplizierter, sie ersparen sich auch die eigenständige Administration ihrer IT. Das wird jetzt alles auf den Dienstleister abgewälzt, der sich um die Hardware kümmern muss.

Die Konsequenz ist, dass auch der Servermarkt schwächelt. Wenn immer mehr Unternehmen ihre IT ganz oder teilweise in die Cloud auslagern, sind nicht mehr so viele Server-Einheiten notwendig.

Und auch die Client-Rechner werden immer öfter durch Tablets ersetzt. Welcher Außendienstler braucht wirklich eine komplexe Windows-Installation auf einem Notebook, wenn er doch nur eine relativ einfach gestrickte Webanwendung zur Kundenbetreuung bedienen muss?

Mobilgeräte ersetzen Desktop-PC

Der langsame Niedergang der x86-Welt wirkt sich auch auf die Hersteller von systemnaher Software aus. Vor wenigen Tagen kam die Meldung, dass Virtualisierungsspezialist VMWare den Mobility-Experten AirWatch aufgekauft hat.

Der Anbieter von Lösungen für Mobile Device Management (MDM) kann etwas, mit dem sich VMWare in den letzten Jahren recht schwergetan hat: Unternehmen die sichere und komfortable Verwaltung von Mobilgeräten aller Art und mit jedem Betriebssystem zu ermöglichen. Denn MDM-Lösungen sind zurzeit recht gefragte Produkte. Auch hier gilt: Die lange beschworene Post-PC-Ära ist längst Wirklichkeit.

Wird der PC verschwinden? Vermutlich nicht, denn er ist in vielen Arbeitsgebieten immer noch die ideale Workstation. Doch er wird in den Unternehmen seltener und in vielen Bereichen durch Clouddienste und mobile Geräte ersetzt werden.

Der PC-Markt erfordert deshalb andere Fähigkeiten, zum Beispiel die von Lenovo-Chef Yang Yuanqing. Er hat Lenovo zu einem anerkannten, profitablen und wachsenden Unternehmen in einem schrumpfenden Segment gemacht – so geht es auch.

Bildquelle: Kolobsek / sxc.hu

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