Supply Chain Management

Mit Smart Contracts zur Industrie 4.0

Die Vernetzung einzelner Maschinen und ganzer Anlagen im Zuge der Industrie 4.0 hat die Produktionsketten effizienter gemacht. Doch gerade im Supply Chain Management werden viele Prozesse nach wie vor nicht automatisiert, sondern manuell ausgeführt und verwaltet. Hier könnten Blockchain-Technologien auf Basis von Ethereum ausreichend Schutz und Transparenz bieten, um auch das Supply Chain Management in die Industrie 4.0 zu überführen.

  • Blockchain-Technologien auf Basis von Ethereum

    Mithilfe von Blockchain-Technologien auf Basis von Ethereum könnte das Supply Chain Management künftig in die Industrie 4.0 überführt werden.

  • Dirk Backofen, Leiter Telekom Security

    Dirk Backofen, Leiter Telekom Security

Die Profitabilität von Industrieunternehmen hängt entscheidend von der optimalen Auslastung der Produktionsketten ab. Entsprechend groß ist die Rolle, die dem Management der Produktionsketten, dem Supply Chain Management, zukommt. In der Ende 2017 von Emporias veröffentlichten Umfrage „Supply Chain Management in Industrieunternehmen“ gaben 47 Prozent der befragten Manager zu Protokoll, dass Störungen und Fehler im Supply Chain Management ihres Unternehmens häufig oder sehr häufig auftreten würden. Handlungsbedarf zur Optimierung sahen sogar 97 Prozent der Befragten als gegeben. Besonders häufig wurde dabei auf eine Verbesserung der Planung und Steuerung der Lieferketten und der Auftragsabwicklung verwiesen. Zur Behebung dieser beiden Problemfelder schlug die Studie eine bessere Abstimmung der internen und externen Schnittstellen vor. Genau an dieser Stelle kann die neue Technologie Smart Contracts ins Spiel kommen.

Smart Contracts sind Computerprotokolle, in die ein vorher definierter Programmcode implementiert ist. Nach Erfüllung bestimmter, vorher festgelegter Kriterien, kann dieser sich dann, ähnlich einer „If ... then …“-Bedingung, von selbst aktivieren und ausführen. Diese Funktion ermöglicht es, erhebliche Teile des Supply Chain Managements einer firmenübergreifenden Produktionskette zu automatisieren – bei gleichzeitiger Wahrung von Rechtssicherheit zwischen allen an der Produktion beteiligten Parteien. Die Überwachung und Einhaltung der Smart Contracts erfolgt automatisiert über ein Peer-to-Peer-Netzwerk. Die Vorteile der Smart Contracts: Lieferverträge zwischen Unternehmen einer Produktionskette können innerhalb kürzester Zeit, bei geringem Verwaltungsaufwand und Fehlerrisiko, großer Sicherheit und hoher Transparenz geschlossen und umgesetzt werden. Das Risiko von Lieferengpässen kann so minimiert, die Produktionskette optimal ausgelastet werden.

Ethereum-Blockchain-Technologie als Basis


Das Fundament der Smart Contracts bildet die Blockchain-Technologie. Bei ihr werden Informationen zu Datenblöcken gebündelt und anschließend, wie Perlen an einer Kette, aneinander aufgereiht. Neu hinzukommende Informationen beinhalten eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. So lassen sich einmal gespeicherte Informationen lückenlos und revisionssicher nachverfolgen. Im Fall der Ethereum-Blockchain-Technologie werden die Datenpakete zudem dezentral gespeichert. Eine Blockchain wird hierbei auf verschiedenen, miteinander verbundenen Knotenpunkten abgelegt. Wird sie an einem Knoten unrechtmäßig manipuliert, kann unter Zuhilfenahme der Daten an einem anderen Knoten deren Echtheit überprüft werden. Manipulationsversuche und Hackerattacken werden durch diese doppelte Absicherung nahezu unmöglich gemacht.

2017 wurde auf der Hannover Messe von Telekom Security, der T-Systems-Tochter Multimedia Solutions und dem T-Systems Innovation Center anhand eines Modells eine erste konkrete Blockchain-Lösung vorgestellt. Das Modell zeigt auf, wie eine Produktionskette, vom Einkauf über die Verarbeitung, Weiterverarbeitung, Endfertigung, bis hin zur Auslieferung, automatisiert abgewickelt werden kann – und dies, dank Blockchain-Technologie, für jeden Geschäftspartner transparent. Dirk Backofen, Leiter Telekom Security, erklärt hierzu: „Die Lösung auf Basis einer angepassten privaten Ethereum-Blockchain adressiert bisher ungelöste Probleme in der Industrie, wie etwa die durchgängige digitale Abbildung der unternehmensübergreifenden Lieferkette.“

Gemeinsam arbeiten Telekom Security und Datev an der Erweiterung des Smart Contracts, um stärker als bislang betriebswirtschaftliche, regulatorische und steuerrechtliche Prozesse zusammenzuführen. Der Prototyp wurde dieses Jahr auf der Hannover Messe gezeigt und demonstrierte, wie Unternehmen in Zukunft ihre Geschäfte gänzlich digital abzuwickeln können. Spätestens dann werden sich Smart Contracts zu einem echten „Business Enabler“ entwickelt haben. Die neue Generation soll es Unternehmen ermöglichen, ihre Geschäfte gänzlich digital abzuwickeln.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok