PC-Verpackungen aus Plastikmüll

Müll aus den Meeren fischen

Der IT-Hersteller Dell sammelt Plastikmüll aus Flüssen und an Küsten sowie Stränden, um daraus neue Computer-Verpackungen zu machen.

Dell recycelt Plastikmüll

Dell will den Plastikmüll aus Flüssen und Meeren für neue PC-Verpackungen verwenden.

Für Bewohner des Binnenlands, die selten das Meer zu Gesicht bekommen, ist es vielleicht eine wenig greifbare Gefahr: Die Verschmutzung der Ozeane durch Kunststoffabfälle. Die an Badestränden herumliegenden Plastiktüten und -flaschen, die Styroporteile und Verpackungsreste sind vielleicht nur eine unangenehme Begleiterscheinung des Urlaubs. Doch es gibt, abhängig von Meeresströmungen, auch Küsten, an denen sich dieser Müll bereits massenhaft ansammelt und die Strände und Klippen bedeckt.

Im Nordpazifik hat sich in den letzten Jahren sogar ein regelrechter Müllstrudel gebildet, in dem schätzungsweise 100 Millionen Tonnen Kunststoffmüll kreisen: The Great Pacific Garbage Patch. Jährlich gelangen etwa acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane, das entspricht etwa fünfzehn Supermarkttüten voll Plastik pro Meter Küstenlinie. Bis 2013 hatten sich laut Umweltbundesamt bereits 60 bis 90 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren angesammelt.

Die Auswirkungen dieser Art der Verschmutzung – andere kommen ja noch dazu – auf Natur und Umwelt sind verheerend. Vor wenigen Wochen wurde etwa ein toter Pottwal an der spanischen Mittelmeerküste angetrieben. Das riesige Tier war verendet, weil sein Darm mit Plastikmüll verstopft war: mehr als 30 Quadratmeter Plastikfolie, die von den Plantagen bei Almeria aufs Meer geweht worden waren. In der Regel sind die Fälle weniger spektakulär: Fische, Seevögel, Meeresreptilien und ‑säuger fressen den Müll – und gehen früher oder später daran qualvoll zugrunde.

Gefährliches Mikroplastik

Auf Dauer zerkleinern Wellenbewegungen und Sonnenlicht die Kunststoffteile. Doch damit wird alles nur noch schlimmer: Der Kunststoff verschwindet nicht, sondern wird nur immer kleiner und ist lediglich nicht mehr sichtbar. Das so entstandene Plastikpulver wird mit der Nahrung aufgenommen, zusammen mit Plankton, teilweise auch anstatt Plankton. Kein Wunder, denn im Mittelmeer soll bereits auf zwei Plankton-Lebewesen statistisch ein Teil Mikroplastik kommen. Der Kunststoff gelangt zusammen mit anhaftenden giftigen oder krebserregenden Chemikalien in die Nahrungskette. Ein Mensch, der sich vorwiegend aus dem Meer ernährt, nimmt auf diese Weise jährlich rund 11.000 Plastikpartikel zu sich. Dass es zu den Auswirkungen dieser Partikel auf den menschlichen Körper noch so gut wie keine Untersuchungen gibt, erscheint wenig beruhigend.

Es muss etwas geschehen, das ist klar. Zum einen muss der Eintrag von Plastikmüll in die Ozeane gestoppt werden, zum anderen muss der vorhandene Müll wieder heraus. Das Wichtigste ist sicher die generelle Vermeidung von Müll und der Übergang zur Verwendung von innovativen Kunstoffen, die sich wirklich zersetzen und die nicht nur immer kleiner – und damit letztlich tendenziell sogar gefährlicher – werden. Es gibt mittlerweile auch Konzepte, um den Kunststoffmüll wieder aus den Meeren herauszufischen, so zum Beispiel das Projekt „Fishing for Litter“, das Nord- und Ostsee säubern will, oder das spektakuläre Projekt "Ocean Cleanup", das mit einer Art Riesenstaubsauger den Müll aus den Meeren holen will. Grundproblem bei allen Lösungen: Sie sind teuer, während die sorglose Entsorgung ins Meer so billig und einfach ist.

Recycling des Plastikmülls

Ein Pilotprojekt des IT-Herstellers Dell beschreitet daher einen anderen Weg: Im Kern geht es darum, ein Geschäftsmodell für die Wiederverwendung von Kunststoffabfällen zu etablieren – die Reduzierung von Kunststoffmüll soll nicht Geld kosten, sondern Geld einbringen. Partner des Projekts sammeln den Kunststoffmüll an Flüssen, Küsten und Stränden. Die Kunststoffe werden recycelten HDPE-Kunststoffteilen anschließend aufbereitet und mit anderen vermischt, die beispielsweise aus Flaschen und Behältern stammen. Aus den so entstandenen Plastikflocken werden schließlich Verpackungsmaterialien gepresst, die für die Lieferung von Computern zu den Kunden verwendet werden.

Um zu verhindern, dass die neue Verpackung nicht am Ende selbst wieder in den Ozeanen landet, informiert Dell die Verbraucher durch Kennzeichnung der betreffenden Verpackungen; sie können diese dann wieder in den Kreislauf einbringen. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden Produktverpackungen entwickelt, die zu mehr als 93 Prozent ihres Gewichts auf die eine oder andere Weise wiederverwendbar sind. Es wird also eine komplette Supply Chain für Ozean-Plastik aufgebaut – der Müll wird im Wirtschaftskreislauf als Rohstoff für Verpackungen wiederwendet.

Sicher, angesichts der Mengen, die mittlerweile in den Ozeanen umhertreiben, mag ein Plastikmüllkreislauf vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Aber wenn alle Hersteller von Verpackungen diesem Beispiel folgen, wäre man schon mal einen großen Schritt vorangekommen. Das Plastikmüllproblem wird man nicht mit nur einer Lösung bewältigen können, man muss es von allen Seiten anpacken. Müllvermeidung, innovative Kunststoffe, Müllsammeln und Wiederwendung, alles muss zusammenwirken. Nur so lässt sich verhindern, dass die Meere eines Tages am Plastik ersticken.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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