Digitale Bildungsangebote

Nach eigenen Regeln

Durch den Corona-Lockdown findet seit Monaten nur noch sehr eingeschränkt Schul- und Hochschulunterricht statt. Lehrende, die digitale Ersatzangebote schaffen wollen, sollten bei der Planung einige Punkte berücksichtigen.

Nach eigenen Regeln

Die eingesetzte Software sollte bei digitalen Bildungsangeboten eng mit dem Lehrziel verknüpft sein.))

Dr. Christina Buschle leitet den Studiengang Pädagogik für Bildung, Beratung und Personalentwicklung an der größten deutschen privaten Online-Hochschule, der IUBH. Zehn Jahre Erfahrung mit Online-Studien hat man hier inzwischen gesammelt. „Wenn man, wie die meisten Lehrer, vom Präsenzunterricht kommt, bringt man meist viel wertvolles Fachwissen und fachdidaktisches Know-how mit“, sagt Buschle. Doch die Online-Lehre folgt eigenen Regeln, insbesondere was den Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden betrifft. Die Lernbegleitung wird viel intensiver. Allerdings: „Wer ein paar grundlegende didaktische Tipps berücksichtigt, findet schnell den Weg in die neuen Strukturen“, ist sich die Professorin sicher.

In freien Online-Seminaren, die Buschle und ihre Kollegen in den letzten Wochen für Lehrende gehalten haben, wird sie immer wieder mit den gleichen drei Fragenkomplexen konfrontiert: Wie funktioniert die Technik und welche passt für meine Situation? Wer kümmert sich um den Datenschutz und die Organisation der Strukturen? Und: Welche didaktischen Methoden führen zum Erfolg?

„Die Technik“, da ist sich Buschle sicher, „ist heute häufig vorhanden. Wer als Lernender ein aktuelles Handy besitzt, kann dem Online-Unterricht schon folgen. Zusätzliche Unterstützung benötigen vor allem diejenigen, denen die Technik nicht zur Verfügung steht. Als Lehrender reicht für den Start ein aktueller PC mit Mikrofon, Kamera und Lautsprecher.“ Aufwendig ist die Wahl der einzusetzenden Software. Diese sollte eng mit dem Lehrziel verknüpft sein: „Ob Microsoft Teams, Zoom, Google Hangouts Meet, Skype oder Jitsi Meet: Praktisch alle Systeme können nach Anmeldung in der Grundausstattung kostenfrei genutzt werden. Was bei der Einarbeitung hilft, ist die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen. Am besten in Abstimmung mit der eigenen Institution prüfen, welche technischen Voraussetzungen gegeben sind, was zum Lehrinhalt und den Lernenden passt und dann gemeinsam ausprobieren.“

Detaillierte Planung erforderlich

Komplexer sei, so Buschle, die Frage der Vermittlung. „Die Vorbereitung von Online-Seminaren erfordert mehr Arbeit als Präsenzseminare. Die Motivation der Lernenden muss von Beginn an mitgedacht werden“, erläutert die IUBH-Professorin. „Dazu gehört die Aktivierung durch Handlungs- und Aufgabenorientierung, beispielsweise durch selbstständige Recherche mit anschließender Präsentation. Außerdem ist eine klare Kommunikation notwendig – das gilt für das Verhalten im Unterricht ebenso wie für die Inhalte.“ Wichtig ist aus Buschles Sicht etwa, dass die Kameras an und die Mikrofone stumm geschaltet sind, dass Fragen in kleinen Gruppen per digitalem Handzeichen signalisiert und in großen Gruppen per Chat gestellt werden, dass man sich mit Klarnamen anmeldet, um Gespräche und Fragen zu ermöglichen. „Damit das Interesse wach bleibt, sollten Inhalte möglichst als kurze Einheiten aufbereitet werden – maximal 10 Minuten. Zudem müssen die Teilnehmer ganz genau erkennen, was ich von ihnen will und wann ich für Fragen ansprechbar bin. Also etwa: Wie genau lautet der Arbeitsauftrag? Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Bis wann und in welcher Form soll eine Bearbeitung des Stoffes erfolgen? Wie sollen die Ergebnisse übermittelt werden? Per Mail? Mit Tools wie Slack, Teams oder Whatsapp? Als Worddatei? Als PDF? Als Foto in Form eines JPG? Wann und durch wen erfolgt ein Feedback?“ Für den ersten Schritt aus der Präsenz- in die Online-Welt ist aus Sicht von Christina Buschle vor allem eines notwendig: „der Mut und die Neugier, einfach mal anzufangen.“

Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus

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