Smartes Packaging

Nachhaltigkeitsstrategien sind gefragt

Die Verpackungsbranche ist als Teilgebiet der Logistik ebenso wie diese von den Auswirkungen der Digitalisierung betroffen – und nutzt diese auf erstaunliche Weise, um ihre Prozesse zu optimieren, wie Marc Hübner, Head of Business Development bei Deufol, im Interview erklärt.

Marc Hübner, bei Head of Business Development, Deufol

Marc Hübner, Deufol

ITD: Herr Hübner, welche Rolle kommt dem Packaging innerhalb der Logistik zu und wie lässt es sich zwischen Transport und Intralogistik einordnen?
Hübner:
Kein Transport ohne entsprechende Transportverpackung, ausgelegt auf die Beförderungsart. Die Verpackung schützt das Packgut, in den seltenen Fällen ist unverpackte Ware aufgrund ihrer Form, Gewicht, Beschaffenheit und Empfindlichkeit transportfähig. Selbst unempfindliche Güter, die aufgrund ihrer Beschaffenheit problemlos transportiert werden könnten, profitieren in den meisten Fällen von einer Verpackung, die eine bessere Handhabung und Sicherungsmöglichkeiten beim Transport und Lagerumschlag gewährleistet und darüber hinaus für eine bessere Stau- und Stapelbarkeit führt.

ITD: Wir unterscheiden hier die für den internationalen Versand vorgesehenen Einmalverpackungen von den wiederverwendbaren Lösungen, die beispielsweise im internen Werksverkehr nützlich sind.
Hübner:
Auch eine Vorverpackung für den innerbetrieblichen Transport oder dem Verbringen vom Produktions- zum Verpackungsstandort ist für ein besseres Handling und zur Gewährleistung der Sicherheit des Packgutes zu empfehlen. Ein  Beispiel hierzu: ein Motor wird ab Produktionshalle auf eine Palette gepackt und verzurrt, um ihn entweder intralogistisch auf dem Werksgelände zu einem Verpackungsort oder zu einem nahe gelegenen Verpackungsbetrieb für eine Seefrachtverpackung zu verfahren. Die Palette als Packmittel ist hier eine Einheit, die jederzeit wieder zur Produktionshalle zurückgebracht werden kann und damit mehrfach wiederverwendbar.

ITD: Industrie-4.0.-Szenarien werden auch für den Mittelstand immer bedeutender. Weshalb ist hier die Verpackungslogistik von so großer Bedeutung?
Hübner:
Die Verpackungslogistik sorgt nicht nur alleine für eine beförderungsgerechte Verpackung, sondern beginnt in Industrie-4.0-Szenerien schon weit früher. Oftmals sind Verpackungslogistiker bereits in die Bestellprozesse ihrer Kunden einbezogen, nehmen Kontakt mit Lieferanten auf, übernehmen die vorerfassten Waren bereits systemseitig über ein virtuelles Lieferantenportal, stellen die Anwendungen und Anbindung zum Erfassen und Verwalten zur Verfügung und generieren Labels für den Versand zum Kunden oder zum Verpackungsbetrieb – das alles, bevor überhaupt jemand die Ware gesehen hat.

Gerade in Großprojekten des Maschinen- und Anlagenbaus, bei denen Anlagen aus einer Vielzahl einzelner Komponenten (Losteilen) bestehen, ist eine umfassende Katalogisierung erforderlich, um alle erforderlichen Teile zum benötigten Zeitpunkt am Empfangsort griffbereit zu haben. Diese Katalogisierung erfolgt in unserem Haus über unsere eigens entwickelte Software, die wir Deufol Supply Chain Solution, kurz D-SCS, nennen. Hierüber erfolgt die Erfassung der Einzelteile und begleitet die Ware vom Lieferanten oder der Produktion zur Verpackung, über den Transport bis zum Empfänger und angeschlossenem Magazinmanagement auf beispielsweise einer Baustelle im Empfangsland. So ist es möglich allen Beteiligten jederzeit volle Transparenz über den aktuellen Status eines jeden Losteils zu gewähren, angefangen von der Bestellung über Vortransport, Lagerumschlag, Verpackung, Versand, Verzollung bis hin zur Einsortierung im Lager des Endkunden.

ITD: In der Vergangenheit dienten Verpackungen vor allem dazu, Ware sicher zu verstauen, für den Transport bereitzustellen und dabei gut handhabbar zu machen. Inwieweit hat sich das heute verändert und wie wird sich die Rolle des Verpackungsmanagements weiter verändern?
Hübner:
Der grundsätzliche Einsatzzweck, Waren sicher für den Transport zu verstauen, bleibt natürlich erhalten. Allerdings sind die Anforderungen einer Verpackung an Design und Intelligenz im Laufe der letzten Jahre oder gar Jahrzehnte gestiegen. Angefangen von der Art des verwendeten Verpackungsmaterials über Einschränkungen des Imports von Materialien in vielen Ländern bis hin zur vollständigen Kontrolle über Zustand und Verbleib eines Packguts.

Heute genügt oft nicht nur die Zusicherung an den Endkunden, dass die Ware ordnungsgemäß und sicher verpackt wurde, man möchte auch sicherstellen, dass äußere Einwirkungen während des Transports nichts an diesem Zustand ändern. Wir stellen dafür zusätzliche Services und intelligente Lösungen für unsere Kunden bereit, angefangen bei Photo-Documentation, bei der jeder Schritt der Ware entlang der Lieferkette bildtechnisch festgehalten werden kann, bis hin zur vollständigen Überwachung über unsere Eigenentwicklung, dem CPC-Tracker (Connected Pack Control).

Bei letzterem handelt es sich um ein etwa handtellergroßes Gadget, mit einer verbauten Sensorenphalanx, die über die gesamte Transportstrecke des Packgutes Bewegung, Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeitsschwankungen und Lichteinfall misst sowie die aktuelle Position der Verpackungseinheit via GPS ermittelt. Die gesammelten Daten werden in Echtzeit über GPRS-Verbindung an unser Portal übertragen und können von unseren Kunden jederzeit eingesehen werden – somit sind alle Beteiligten jederzeit über den aktuellen Zustand ihrer Ware informiert.

ITD: E-Commerce und Digitalisierung bewirken, dass Kunden bestellte Ware oft sehr zeitnah erhalten möchten. Dies setzt Produktion, Lager und Transport auf verschiedene Arten unter Druck. Wo macht sich dieser Einfluss in der Verpackungslogistik bemerkbar?
Hübner:
Die Uhr dreht sich heute wesentlich schneller als früher. Wenn dringend benötigte Teile rasch verpackt werden mussten, handelte es sich früher meist um Einzelfälle, weil bei irgendeinem Endkunden auf dem Globus eine Maschine defekt wurde und ein Ersatz angefordert wurde. Heute ist nahezu alles eilig. Die Consumerbranche mit ihren Next- oder Same-Day-Lieferversprechen lebt uns vor, was dann auch im industriellen Bereich erwartet wird: Just-In-time-Lieferung von Ersatzeilen, Werkzeugen, Maschinen, genau dann, wenn man sie braucht und wo man sie braucht. Oft wird ein Produktionsbetrieb jedoch von seinen Lagerkapazitäten eingeschränkt und kann gar nicht so viel bei sich unterbringen, wie er produzieren möchte. Hier springen wir in der Verpackungslogistik für unsere Kunden ein und bieten Lager- und Kommissioniermöglichkeiten an und entlasten somit die Produktionsflächen unserer Kunden. Wir verpacken die eingelagerten Waren bei Bedarf auf Abruf, erstellen Packlisten und Versanddokumentation und arrangieren den Weitertransport weltweit. Wir installieren Konsolidierungszentren (Logistik Hubs), um Lieferungen intelligent zu zentralisieren, entweder nahe bei unseren Kunden oder an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten. Darüber hinaus standardisieren wir, was zu standardisieren geht.

Gerade bei Massen- und immer wiederkehrenden Produkten lohnt es sich zu analysieren, welche Prozesse sich verschlanken lassen. Zwar sind größere Anlagenprojekte jeweils individuell, doch auch diese Projekte enthalten jede Menge kleinere Komponenten mit immer wiederkehrenden Maßen und Gewichten für die sich eine standardisierte Verpackung eignet. Für solche Produkte stellen wir Containerpaletten, die sogenannten Conpals bereit oder Deufol-Systemboxen. Diese werden in großen Stückzahlen von unseren Produktionsstandorten produziert und sind vielseitig verwendbar. Damit können wir Kunden mit hohem Reaktionsbedarf schnell versorgen. In vielen Fällen bietet sich bei immer wiederkehrenden Komponenten eine Taktverpackung an, bei der wir die Durchlaufzeiten extrem verkürzen und so schnell auf die Bedarfe unserer Kunden eingehen können.

ITD: Welche Rolle spielt die zunehmende Automatisierung von Prozessen in Ihrer Branche? Dient sie eher dem Ausgleich des Fachkräftemangels oder kannibalisiert sie Jobs?
Hübner:
Wenn, dann eher der Ausgleich eines Fachkräftemangels. Aber in erster Linie ist unser Leitmotto „Work smarter, not harder“ – Standardisierung und Automatisierung helfen uns, unsere Jobs einfacher und mit weniger Aufwand zu handhaben und erleichtern unsere Prozesse. Somit stellen sie keinesfalls eine Kannibalisierung dar, sondern unterstützen unsere Mitarbeiter durch kontinuierliche Verbesserung und Eliminierung von Verschwendung bei ihren täglichen Aufgaben, um diese so effizient wie möglich zu verrichten.  

ITD: NBIoT, KI, RFID, Big Data – die Liste der Technologietrends, die in den letzten Jahren als bahnbrechend gehandelt wurden ist lang. Gibt es einen Trend, von dem sich gerade die Verpackungslogistik mehr erhofft hatte, die aber die Erwartungen nicht erfüllen konnte?
Hübner:
Es gibt natürlich auch Entwicklungen, die entweder noch nicht zur Marktreife gelangt sind und auf die wir noch warten, oder die bedauerlicherweise eingestellt wurden. Großes Potenzial bot seinerzeit das Projekt Google Glass, das mit Augmented Reality ungeahnte Möglichkeiten bei der Kommissionierung von Materialien in Lägern eröffnete. Zwar ist Microsoft mit seiner Hololens in die Bresche gesprungen, doch die Sperrigkeit des Hololens-Headsets gegenüber dem Google Glas Modell lässt hier eher den Schluss zu, dass es sich um eine Übergangslösung handelt und das Next Big Thing noch auf sich warten lässt.

ITD: Welcher Tech-Trend ist im Gegensatz dazu vielversprechend – für die gesamte Branche und für Ihr eigenes Unternehmen?
Hübner:
Ganz klar der Plattformgedanke – Kunden werden offener, sind bereit, sich intelligent zu vernetzen, um Transporte und generelle logistische Abläufe bestmöglich zu optimieren.

Auch die Bereiche Big Data und RFID sind Dinge, die nicht nur Trends widerspiegeln, sondern sich auch langfristig auch in der Verpackungslogistik etabliert haben. Die RFID-Technologie hilft uns dabei, das Tracking von Produkten kontinuierlich zu verbessern, während uns Big Data näher an Standardisierungen bringt und uns Trends für die eigene Optimierung und die der Kunden zu erkennen.

ITD: Wie macht sich die wachsende Bedeutung und Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen bemerkbar und wie kann die Verpackungslogistik dem nachkommen?
Hübner:
Nachhaltigkeit ist ein extrem wichtiges Thema für uns. In der Verpackung und der Produktion von Packmitteln ist unser Hauptmaterial Holz und damit ein nachwachsender Rohstoff. Wir arbeiten ausschließlich mit nachhaltig-zertifizierten Lieferanten zusammen und bieten wiederverwendbare Lösungen an. Für unsere Kunden entwickeln wir Nachhaltigkeitsstrategien, um den Ressourcenverbrauch zu senken, Verschwendung zu reduzieren Lieferkettenwege umzustellen, beispielsweise durch Zentralisierung durch Logistik Hubs.

Bildquelle: Deufol

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