Hyperkonvergente Infrastrukturen

Nächste Evolutionsstufe in der IT

Im Interview erklärt Christian Winterfeldt, Country Manager Deutschland bei Dell EMC, warum es sich lohnt, auf hyperkonvergente Infrastrukturen umzusteigen.

Christian Winterfeldt, Dell EMC

Christian Winterfeldt, Dell EMC

IT-DIRECTOR: Herr Winterfeldt, die Begriffe Converged oder Hyper Converged Infrastructure (HCI) sind zurzeit in aller Munde. Was verstehen Sie darunter?
C. Winterfeldt:
Bei einem konvergenten System bildet der IT-Stack eine vorkonfigurierte, aufeinander abgestimmte, getestete Einheit. Der IT-Stack einer konvergierten Plattform besteht aus der klassischen 3-Tier-Architektur: SAN-Storage, Server und Netzwerk. Je nach Anforderung kann dieses „Datacenter-in-a-box“ aber auch weitere Komponenten wie zum Beispiel eine Backup- oder Big-Data-Infrastruktur enthalten.

Eine hyperkonvergente Infrastruktur hingegen verzichtet gänzlich auf den Einsatz eines dedizierten SAN-Storage; Storage und Server verschmelzen miteinander. Die wesentlichen Elemente des IT-Stacks werden stattdessen auf einem Server virtualisiert abgebildet. Block- und File-Speicher werden über eine Virtualisierungs-Software (Software-defined Storage) den Applikationen bereitgestellt. Mehrere dieser hyperkonvergenten Knoten werden entweder über ein bestehendes oder über ein mitgeliefertes Netzwerk zu einem Cluster verbunden und bilden so eine leistungsstarke Einheit.

IT-DIRECTOR: Hyperkonvergente Infrastrukturen sind eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Infrastrukturmarkt. Wo liegen die Vorteile (hyper-)konvergenter Strukturen gegenüber traditionellen IT-Infrastrukturen?
C. Winterfeldt:
Konvergente und hyperkonvergente Infrastrukturen sind die nächste Evolutionsstufe in der IT. Sie sind einfacher zu skalieren, lassen sich intuitiver verwalten, schneller bereitstellen und bieten zum Teil erhebliche Kosteneinsparungen. Laut einer IDC-Umfrage konnten Anwender, die sich für eine konvergente IT-Umgebung entschieden haben, ihre IT-Betriebskosten im Durchschnitt um 41 Prozent senken und die Ausfallzeit ihrer Applikationen um 96 Prozent verringern. Überall dort, wo IT das Geschäftsmodell beschleunigen soll, empfiehlt es sich, auf Standards zu setzen. Hyperkonvergente Lösungen werden inzwischen auch für unternehmenskritische Anwendungen eingesetzt – egal, ob es sich um Plattformen für virtuelle Desktops, Big Data oder Analytics handelt.

IT-DIRECTOR: Wie sollten die Verantwortlichen den Einstieg in diese Technologie angehen? Worauf müssen sie achten?
C. Winterfeldt:
Der Wechsel von einer traditionellen, zentralisierten Unternehmens-IT zu einer konvergenten Umgebung ist in der Tat nicht trivial und sollte daher gut vorbereitet werden. Für den Einstieg gibt es mehrere Handlungsoptionen: Viele der heutigen ERP-, CRM- und Warenwirtschaftssysteme sowie andere kritische Anwendungen lassen sich auf eine konvergente Umgebung migrieren. Beginnt die Planung „auf der grünen Wiese“, ist dies natürlich der einfachste Weg. Er empfiehlt sich beispielsweise, wenn ohnehin ein größerer Austausch der Server- oder Storage-Infrastruktur ansteht. Optimal ist es zudem, wenn die Neubeschaffung mehrerer Elemente des IT-Stacks synchronisiert erfolgt. Nach umfangreicher Planungs- und Analysephase wird das konvergente System in wenigen Tagen aufgebaut und bereitgestellt. In enger Abstimmung mit dem Hersteller wurde es in der Regel bereits im Werk zusammengebaut, getestet und auch die Netzwerkkonfiguration des Kunden durchgeführt.

Hyperkonvergente Appliances werden oft zunächst in Außenstellen eingesetzt. Dort möchte man häufig auch aus Platzgründen keinen disparaten Cluster aus Servern und SAN-Storage mit Backup aufbauen. Startet man im zentralen Rechenzentrum, ist die Frage, ob man klein beginnen und sein bestehendes Netzwerk weiternutzen möchte. Wenn ja, kann man zunächst wenige hyperkonvergente Appliances in sein bestehendes Netzwerk einbinden und Workloads darauf migrieren. Diese hyperkonvergente Insel kann dann entsprechend des individuellen Wachstums der Workloads zu einem großen Cluster wachsen. Möchte man zugleich sein bestehendes Netzwerk erneuern, kann man gleich mit einer hyperkonvergenten Lösung im Rack-Formfaktor starten. Das bedeutet, dass hyperkonvergente Appliances in einem Rack vorkonfiguriert und mit dem im Rack befindlichen, redundanten Netzwerk verbunden werden. Das Rack übernimmt dann die Verwaltung der einzelnen Knoten über eine einzige Managementkonsole.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Der HCI-Markt verzeichnet zwar ein stetiges Wachstum, allerdings stehen viele Anwender dieser Technologie noch skeptisch gegenüber. Woran liegt das?
C. Winterfeldt:
Oft ist das Gute der Feind des Besseren. Der Einstieg in konvergente und hyperkonvergente Technologien ist nicht nur eine technische, sondern zunächst eine organisatorische Entscheidung. Bestehende IT-Stacks sind meist über Jahre gewachsen, viele Entscheidungen sind mit Herzblut diskutiert worden. Für viele Unternehmen stellt eine Veränderung dieser Architektur somit einen echten Paradigmenwechsel dar. Ein komplexes Gesamtkonstrukt wie über Jahre gewachsene IT-Infrastrukturen lässt sich nur schwerlich mit einem Schlag austauschen. Hier ist eine detaillierte Planung erforderlich.

Bildquelle: Dell EMC

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