Akzeptanz von Cloud-Services

Neue Impulse für Videokonferenzlösungen

Die steigende Zahl mobiler Endgeräte mit integrierter ­Videofunktionalität und die wachsende Akzeptanz von Cloud-Services geben dem Markt für Videokonferenz­lösungen neue Impulse.

Blickkontakt, Bildquelle: Thinkstock/iStock

WebRTC bietet den Vorteil, dass der Kunde direkt aus seinem Browser h­eraus mit einem Kundenberater in Kontakt treten kann, per Video, Chat oder VoIP.

Dass Videokonferenzlösungen die Reisebudgets von Unternehmen deutlich reduzieren können und zudem die Kommunikation zwischen Menschen produktiver gestalten als traditionelle Telefonate, scheint unbestritten. Dennoch verliefen die vergangenen zwei Jahre für die Anbieter von Enterprise-Videokonferenz-Equipment wenig erfreulich. Umsatzrückgänge um fünf Prozent im Jahr 2012 und sogar um 13,1 Prozent 2013 ermittelten die Marktforscher von IDC für dieses Segment. Die Gründe waren nach Ansicht der Analysten vielfältig. Immer wieder verschobene Investitionsentscheidungen auf Kundenseite zählten ebenso dazu wie der allgemeine Preisverfall. Aufhorchen ließen die Anbieter zwei weitere Gründe: der Trend hin zu stärker softwarebasierten Videokonferenzlösungen sowie das wachsende Angebot an geschäftlich nutzbaren Video-Collaboration-Lösungen in Form von Cloud-Services.

Führende Anbieter haben aus diesen Erkenntnissen Konsequenzen gezogen. Inzwischen haben fast alle neben neuen, preisgünstigeren Videosystemlösungen für Unternehmen jeder Größe auch eigene Cloud-Services im Portfolio. Videokonferenzsysteme sind nicht mehr wie in der Vergangenheit ein Kommunikationsmittel, das Spitzenmanagern vorbehalten ist, sondern sie sind auf dem besten Wege, auf allen Unternehmensebenen Einzug zu halten. Videobasierte Onlinemeetings werden in immer stärkerem Maße Bestandteil klassischer Collaboration-Konzepte. Das gilt für den Informationsaustausch auf der Ebene von Arbeitsgruppen genauso wie für Meetings mit Außendienstmitarbeitern oder für die videobasierte B2B- oder B2C-Kommunikation.

Der aktuelle Aufschwung bei der Nachfrage nach Videokonferenzlösungen hat mehrere Ursachen. Zu den wichtigsten zählen die steigende Verfügbarkeit schneller Internetverbindungen sowie die neue Generation von Smartphones und Tablets, die nicht nur über immer leistungsfähigere Prozessoren, sondern auch über integrierte, hochauflösende Webcams verfügen. Beide Faktoren sind wichtige Voraussetzung für eine steigende Zahl softwarebasierter Videokonferenzlösungen.

Angeführt wird das Angebot von namhaften IT-Größen wie Apple (Facetime), Microsoft (Skype) Adobe (Adobe Connect), Citrix (Go To Meeting), Cisco (Webex Meetings) oder Google (Hangout). Die Lösungen, die sich teilweise von ihrer Funktionalität noch auf der Grenze zwischen Consumer- und Businesprodukt befinden, werden kontinuierlich weiterentwickelt und stellen insbesondere für mittelständische Unternehmen eine attraktive Alternative zu professionellen Videokonferenzsystemen dar.

Eine nächste Entwicklungsstufe für eine einfachere Nutzung von Onlinemeetings stellt die WebRTC-Technologie (Web Real Time Communication) dar. Immer mehr Kundenkontaktcenter integrieren neben Telefon und E-Mail inzwischen auch Social Media und Chat in ihre Kommunikationsangebote. WebRTC bietet gegenüber konventionellen Kommunikationslösungen den Vorteil, dass der Kunde direkt aus seinem Browser h­eraus mit einem Kundenberater in Kontakt treten kann, per Video, Chat oder VoIP. Browser wie Google ­Chrome und Firefox unterstützen bereits WebRTC. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass andere Browseranbieter über kurz oder lang diesem Beispiel folgen werden.

Immer mehr Video-Cloud-Services

Derweil etablieren sich in zunehmendem Maße auch cloud-basierte Videokonferenzlösungen. Waren es in der Anfangsphase hauptsächlich die großen Telekommunikationsunternehmen wie AT&T, BT, Telefónica oder die Telekom, die derartige Services anboten, ziehen jetzt immer mehr auf Videoübertragungen spezialisierte Unternehmen, darunter auch namhafte Anbieter von Videokonferenzequipment, nach.

So hat Avaya kürzlich angekündigt, den Ausbau seiner eigenen Cloud-Lösungen zu beschleunigen. Die Collaboration-Lösungen von Avaya sollen Unternehmen nach eigenen Angaben flexibler machen. Dazu dienen Unified-Communications-, Video- und Contact-Center-Lösungen, die über die Cloud bereitgestellt werden. Die Kommunikationsinfrastruktur ist laut dem Hersteller einer der letzten Bereiche in der IT, die cloud-basierte Anwendungen einführen. Dies liegt vor allem daran, dass eine Umstellung oft als komplex betrachtet wird und Unternehmen sich um die Stabilität, Sicherheit und Privatsphäre der Cloud-Lösungen sorgen. Teil der Avaya Collaborative Cloud sind die ­Private Cloud Services. Damit soll sich der Umzug der Kommunikation in die Cloud und die damit verbundene Zusammenführung von Infrastrukturkomponenten und -anwendungen einfacher und weniger riskant gestalten.

„Um weiterhin konkurrenzfähig zu sein, benötigen Unternehmen jeder Größenordnung virtualisierte, verbrauchsbasierte Modelle. Dank schnellerer Collaboration-Lösungen, erweiterter Flexibilität und geringerer Kosten für die Wartung und Instandhaltung der IT können Firmen gegenüber ihren Wettbewerbern einen deutlichen Vorteil gewinnen“, verspricht Joe Manuele, Vice President bei Avaya. Daneben intensiviert auch Polycom sein Engagement in diesem Segment. Die neue Lösung eignet sich für verschiedene Unternehmensgrößen und Branchen wie Industrie, Gesundheits- und Bildungswesen, öffentliche Hand, Finanzdiens­t-leitungen und weitere vertikale Märkte. Das umfassende Paket für Video- und Content-Collaboration wird im Abo angeboten und soll die Zusammenarbeit über Video noch einfacher machen. Die „Polycom Real Presence One“ eignet sich nach eigenen Angaben für Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen, da es an verschiedene Bedürfnisse angepasst werden kann. Es bietet laut Anbieter den Organisationen die Möglichkeit, sich aus den neuen, flexiblen Videobereitstellungsmöglichkeiten genau die Lösung auszusuchen, die am besten zu ihrem Geschäftsmodell und Budget passt – inklusive hybrider Cloud-Modelle und On-Premise-Video-Optionen.

Augenkontakt steigert Vertrauen

Eine von Polycom in Auftrag gegebene und im Frühjahr 2014 veröffentlichte Studie attestiert Videokonferenzsystemen ein großes Potential im Bereich des Personalwesens. Die Umfrage zeigte, dass Video für HR-Teams auf der ganzen Welt immer allgegenwärtiger wird. Auf die Frage nach ihren aktuell bevorzugten Methoden der Unternehmenskommunikation kommt Video Conferencing mit 46 Prozent an dritter Stelle hinter E-Mail mit 88 Prozent und Telefonkonferenzen mit 62 Prozent. Andere Möglichkeiten der Business-Kommunikation, die HR-Führungskräfte zusätzlich nutzen, sind Web-Conferencing, Instant Messaging sowie Social-Media-Kanäle.

„Video hilft uns nicht nur, die Qualität unseres Talent-Pools zu verbessern, sondern auch die Recruiting- bzw. Einstiegszeiten für neue Mitarbeiter zu reduzieren. Es erhöht auch die Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen durch den einfachen Zugang zu Weiterbildungsprogrammen und eine flexible Arbeitsumgebung“, erklärt Daniel Sonsino, Vice President für Talent Management bei Polycom. Während die Verbesserungen in den Bereichen Recruiting, Training, Mitarbeiterbindung und flexibles Arbeiten deutlich messbar und sichtbar sind, spielen die immateriellen Vorteile von Video Collaboration ebenso eine wichtige Rolle. „Die Vergrößerung des Vertrauens, die Steigerung der Produktivität, die Verbesserung der interkulturellen Verständigung sowie die Bildung effektiver Teams sind Bereiche, in denen Zahlen und Fakten nicht den tatsächlichen Wert zeigen können. Man muss dies selbst erfahren“, so Sonsino.

Nach Erfahrung von Rich Costello, Senior Research Analyst, Enterprise Communications Infrastructure bei IDC, stellt der „kulturelle Wechsel“ hin zu einer videobasierten Kommunikation  für viele Unternehmen im ersten Schritt eine Herausforderung dar. Da der Umgang mit neuen Medien immer stärker in den Alltag Einzug hält, werden bestehende Vorbehalte bei den Mitarbeitern allerdings üblicherweise schnell abgebaut. Als wichtig erachtet es der Marktforscher, dass die Einführung ausgehend von der Unternehmensspitze durchgängig geschieht und über alle Führungs- und Abteilungsebenen hinweg unterstützt wird.

Als Alternative zum Aufbau eigener Video-Netzwerk-Infrastrukturen können Video as a Service (VaaS) und Infrastructure as a Service (IaaS) als flexible und weniger kapitalintensive Optionen in Erwägung gezogen werden. Ebenfalls sollten interessierte Unternehmen prüfen, inwieweit der Webbrowser als Einstiegspunkt für Video-Collaboration in Frage kommt. Er bietet all jenen Anwendern die Möglichkeit, per Video zu kommunizieren, die bislang noch keinen Zugriff auf Videokonferenztechnologie haben, egal ob es sich um eigene Mitarbeiter oder um Partner, Kunden oder Interessenten handelt, mit denen das Unternehmen im Rahmen von B2B- oder B2C-Anwendungen kommuniziert. Vorteile des Webbrowsers sind neben geringen Kosten fehlende Berührungsängste und die einfache Handhabung. Zu den Nachteilen von Browsertechnologien zählen – zumindest bislang – Defizite bei der Bild- und Tonqualität sowie Sicherheitsbedenken.

Unternehmen, die die Einführung von Videokonferenzlösungen beabsichtigen, sollten nach den Worten von Rich Costello zudem einige strategische  Aspekte nicht übersehen. „Es gilt zu klären, inwieweit die bestehende Netzwerkinfrastruktur beeinflusst wird, ob genügend Bandbreite vorhanden ist und wie es in Zukunft um die Skalierbarkeit bestellt ist.“ Falls die Gefahr besteht, dass aus der Einführung der Videotechnologie ein hoher Supportaufwand resultiert, empfiehlt sich der Rückgriff auf IaaS-Konzepte. „Videokonferenzsysteme sind definitiv keine Insellösungen. Unternehmen sollten erkennen, dass Videokonferenzsysteme nur dann ihre volle Produktivität entfalten können, wenn sie eng mit geschäftskritischen Applikationen gekoppelt sind“, so Costello abschließend.

 

Definition WebRTC

Web Realtime Communication, auf deutsch „Web-Echtzeitkommunikation“, ist ein beim World Wide Web Consortium (W3C) in Standardisierung befindlicher offener Standard für Echtzeitkommunikation (VoIP, Chat, Videotelefonie) innerhalb eines Webbrowsers ohne eine entsprechende Software-Implementierung. Es dient der Aufnahme, Kodierung und (Peer-to-Peer-)Übertragung von Multimedia-Inhalten und Dateien zwischen Webbrowsern in Echtzeit. Die Referenzimplementierung wird als freie Software im Quellcode unter den Bedingungen einer BSD-artigen Lizenz verbreitet. Die Standardisierung wird maßgeblich betrieben und unterstützt von Google, Mozilla Foundation und Opera Software ASA.

 

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