Wechsel in die Cloud

„Nicht ohne Konzept“

Worauf Unternehmen achten sollten, die in Krisenzeiten wie der aktuellen noch kurzfristig in die Cloud wechseln möchten, erläutert Mickael Zewde, Business Development Manager bei der Claranet GmbH, im Interview.

Mickael Zewde von Claranet

Laut Mickael Zewde von Claranet sind Multi-Cloud-Szenarien besonders für die Enterprise-IT sinnvoll.

ITD: Herr Zewde, inwieweit beeinflusst der derzeitige Lockdown die Nutzung von Cloud-Lösungen in deutschen Großunternehmen?
Mickael Zewde:
Die Covid-19-Pandemie beschleunigt die Cloud-Transformation von Unternehmen. Sie sind mehr denn je darauf angewiesen, sich schnell an veränderte Bedingungen anpassen und ihre Wirtschaftlichkeit sicherstellen zu können: Zum einen setzt sich das Arbeitsmodell Homeoffice stark durch. Die Verfügbarkeit von Daten und Anwendungen für Mitarbeiter im Homeoffice muss sichergestellt werden, je nach Internationalisierungsrad der Unternehmen auch rund um die Uhr. Zum anderen wächst durch die Corona-bedingten Umsatzeinbußen der Kostendruck auf Unternehmen. In der Folge müssen diese auf eine möglichst hohe Skalierbarkeit ihrer IT-Landschaften achten. Genau das kann Cloud-Technologie leisten. Speziell Managed-Cloud-Services auf Containerbasis ermöglichen die Reduktion von Kosten, einen höheren Grad an Automatisierung und eine beschleunigte Time-to-Market von Innovationen.

ITD: Wann ist es für ein Unternehmen sinnvoll, auf Multi-Cloud-Szenarien zu setzen?
Zewde:
Multi-Cloud-Szenarien sind besonders sinnvoll für die Enterprise-IT mit ihrem breiten Spektrum an unterschiedlichen Themen und Anforderungen. Unternehmen haben die Möglichkeit, den jeweils besten Anbieter für die jeweilige Herausforderung zu wählen.

ITD: Worin bestehen die Vorteile, was sind wiederum Nachteile?
Zewde:
Der größte Vorteil von Multi-Cloud-Szenarien liegt für Unternehmen darin, nicht auf einen Provider festgelegt zu sein, sondern die spezifischen Stärken und Schwerpunkte unterschiedlicher Cloud-Provider nutzen zu können. Zudem profitieren Unternehmen durch die Redundanzen von einer höheren Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit sowie einer größeren Reichweite durch die Erweiterung der Verfügbarkeitszonen. Werden Preise signifikant erhöht, Services gekündigt oder neue Schwerpunkte gesetzt, können Anwendungen und Daten auf eine andere Plattform gewechselt oder parallel betrieben werden. Genau diese Migration auf eine andere Plattform kann aber zur zeitlichen und technischen Herausforderung werden. Hier gibt die Containertechnologie Mittel an die Hand, die Interoperabilität der verschiedenen Cloud-Welten trotz hoher Abhängigkeiten zwischen Infrastruktur und Applikationen zu realisieren. Durch eine hohe Anzahl von Systemen, Schnittstellen und Prozessen steigt der Aufwand für die Verwaltung und Abrechnung der Services. Zudem ist ein übergreifendes Datenschutz- und Datensicherheitskonzept erforderlich. Darüber hinaus entsteht Mehraufwand bei der Aktualisierung durch neue Services, Updates und Releases. Begegnen können Unternehmen diesen Herausforderungen mit der Auslagerung an Managed-Cloud-Services-Provider oder dem Einsatz spezieller Cloud-Management-Technologien.

ITD: Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, finanziell) ist das Aufsetzen von hybriden Hosting-Szenarien verbunden?
Zewde:
Mit welchem Aufwand die Umsetzung von Hybrid-Cloud-Projekten verbunden ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Eine Einschätzung hängt zunächst einmal von der Projektgröße und Anzahl sowie Art der eingesetzten Cloud-Plattformen und On-Premises-Lösungen ab. Zudem spielt es eine entscheidende Rolle, ob Unternehmen solche Projekte intern umsetzen und wie viel Know-how-Aufbau initial erforderlich ist oder ein externer Dienstleister die Realisierung übernimmt.

ITD: Was raten Sie Unternehmen, die noch kurzfristig anno 2020 in die Cloud gehen wollen?
Zewde:
Der wichtigste Rat von uns lautet, nicht ohne Konzept in die Cloud zu starten. Sinnvoller ist es, zunächst einzelne Szenarien zu identifizieren, in denen Quick Wins möglich sind: Unternehmen sollten in Absprache mit Geschäftsleitung, Fachabteilungen und IT gemeinsam ausloten, welche Applikationen für welche Geschäftsbereiche für solche schnellen Erfolge geeignet sind. Zudem sollten Unternehmen im Vorfeld evaluieren, welche zeitlichen Kapazitäten die IT hat und über welche Kompetenzen sie in Sachen „Cloud Management“ verfügt – sowohl allgemein als auch plattformspezifisch. Denn der Public-Cloud-Provider trägt ausschließlich für die Infrastruktur die Verantwortung.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Der Betrieb und die Sicherheit der Infrastrukturumgebung und der darauf betriebenen Systeme, Applikationen, Services und Daten liegt in der Verantwortung der Unternehmen. Reichen die eigenen Kapazitäten nicht aus, bieten spezialisierte Managed-Service-Provider Unterstützung. Hier sollten Unternehmen darauf achten, einen Partner zu involvieren, der entsprechend zertifiziert und erfahren ist. Zudem sollte der Grad der Unterstützung flexibel wählbar sein, je nach Kompetenz und Kapazität der Unternehmens-IT.

Bildquelle: Claranet

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