Serverless Computing

Nie wieder Infrastruktur – das neue Cloud-Paradigma

Serverless Computing verzichtet auf Konstrukte wie Server und Storage. Stattdessen werden Anwendungsfunktionen direkt ausgeführt.

Server in Rechenzentrum

Serverless Computing abstrahiert vollständig von der Hardware im Rechenzentrum

Jetzt gehören auch die Server zu den aussterbenden Arten: Serverless Computing übernimmt die IT-Welt. Gemeint ist dabei eine Cloud-Architektur, bei der die Nutzer sich nicht mehr mit Servern oder Storage beschäftigen müssen. Ein typischer Infrastrukturservice (Iaas) basiert auch nach zehn Jahren Cloud Computing immer noch auf den klassischen Konstrukten. Wer eine Anwendung starten will, muss zunächst einen Server hochfahren und alles Notwendige auf dem verfügbaren Speicherplatz vorbereiten.

Dahinter stecken allerdings keine physischen Server mehr, sondern virtuelle Systeme. Ein genutzter Server ist nur noch ausnahmsweise deckungsgleich mit irgendeiner Hardware. Die Anwendungen nutzen irgendwelche Prozessor-Threads und irgendwelche Teile von Massenspeichern in einem Rechenzentrum. Serverless Computing ist der nächste Schritt: Anwendungen, Datenbanksysteme und Entwicklungsumgebungen können nun „einfach so“ benutzt werden.

Backend und Funktionen - als Service

Serverless-Architekturen gibt es in zwei Varianten: Als „Backend as a Service (BaaS) und „Function as a Service“ (FaaS). BaaS ist eine neue Abstraktionsebene in der Anwendungsentwicklung. Vereinfacht ausgedrückt, wird dabei das Server-Backend einer Anwendung in die Cloud ausgelagert und direkt über API-Aufrufe angesprochen - also ohne Rückgriff auf spezifische Server.

BaaS bietet in aller Regel allgemeine und standardisierbare Features, die von vielen Frontends – also den Webapps – genutzt werden können. Das sind beispielsweise Push-Nachrichten, die Integration von Social Media, Cloudspeicher, Chats, eine Benutzerverwaltung oder den Zugriff auf Datenbanksysteme. Dadurch erhalten die Entwickler vorkonfigurierte Module, die sie nun nicht mehr kostenaufwendig selbst programmieren müssen. Allerdings müssen sie immer noch ein eigenes Backend schreiben und die Aufrufe des BaaS-Dienstes im Frontend implementieren.

FaaS dagegen bringt den Entwicklern ein neues Programmiermodell, bei dem die Aufteilung in Frontend und Backend obsolet wird. Die Anwendung wird nicht mehr als einheitliches „Silo“ geschrieben, sondern als eine Menge aus Funktionen. Dabei wird die Geschäftslogik in einzelne Funktionsaufrufe zergliedert, die aufgrund bestimmter Ereignisse ausgelöst werden. Jede der Funktionen erfüllt eine genau definierte Aufgabe.

Alexa und das IoT sind Serverless

Ein gutes Beispiel für Serverless-Funktionen sind Alexa-Skills. Sie werden erst dann aufgerufen, wenn ein bestimmtes Kennwort ausgesprochen wird, beispielsweise „Alexa, sag mir die Uhrzeit“. In diesem Fall ermittelt die Funktion die aktuelle Zeit und speist sie in das Spracherzeugungssystem ein. In der Folge spult Alexa ihren Uhrzeittext herunter: „Es ist jetzt 17:55 Uhr.“ Auf diese Weise lassen sich alle Skills ereignisgesteuert abrufen. Der große Vorteil für die Entwickler: Kosten fallen nur an, wenn der Code ausgeführt wird.

Ein wichtiger Anwendungsbereich für Function as a Service das Internet der Dinge. Dort werden manche Features in sehr unterschiedlichem Maße benötigt. So könnte beispielsweise eine IoT-Anwendung zur Zustandsüberwachung von Maschinen erst dann aufgerufen werden, wenn beispielsweise die Temperaturen einen Grenzwert überschreiten. Dadurch wird nun automatisch eine Funktion ausgelöst, die bestimmte Aktionen ausführt - etwa einen Alarm auslöst und eine Notabschaltung startet.

Die großen Cloud-Anbieter setzen auf das neue Cloud-Paradigma und bieten entsprechende Dienste an. Vieles davon ist die Serverless-Variante bekannter Angebote, doch es gibt auch eine ganze Reihe von Providern, die spezielle Angebote für Serverless-Funktionen bieten. So sind beispielsweise die kürzlich vorgestellten Google Cloud Functions eine Plattform für kleine Funktionen, die unterschiedliche Cloudservices verbinden und erweitern.

Bildquelle: Thinkstock

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