Rechnen in der Wolke

No Cloud Please, We’re German!

Dem Hype nicht zu glauben, gehört zu den vorzüglichen Amtspflichten deutscher CIOS. Doch auch alle anderen sind eher ablehnend.

Abwehr - Cloud und BYOD sind in Deutschland nicht beliebt

Eine der wichtigsten Aufgaben des Bitkom ist es, in regelmäßigen Abständen erfreuliche Dinge über die Informationstechnologie in Deutschland zu melden. So trudelte kurz vor der Cebit eine Pressemeldung über den Cloud Monitor 2013 in die Postfächer der Medien.

Und wie praktisch immer gab es Positives zu vermelden: Der Einsatz von Cloud Computing in den Unternehmen ist von 28 Prozent im Jahr 2011 auf 37 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Das heißt in Alltagssprache übersetzt: Etwa jedes dritte Unternehmen nutzt bereits irgendeine Form von Cloud Computing. Und das zweite von den Dreien (29 Prozent) plant noch.

Der Erfolg relativiert sich ein bisschen, wenn die Statistik mit Zahlen vom Rest des Planeten ergänzt wird: Weltweit nutzen bereits 81 Prozent der Unternehmen Cloud-Technologien, so das Ergebnis einer Umfrage von Capgemini. Die Berater haben für die Studie 460 Verantwortliche von Großunternehmen aus aller Welt befragt.

In Deutschland regiert die Bedenkenträgerei: Die hiesigen Unternehmen haben weltweit die größten Sorgen. 72 Prozent fürchten sich vor Sicherheitslücken und 5 Prozent sind in Sachen Datenhoheit (Stichwort "US-Geheimdienste") überdurchschnittlich besorgt. Die Skepsis betrifft allerdings nicht nur Cloud Computing sondern auch einen anderen Trend: BYOD (Bring your Own Device).

Den Einsatz privater Mobilgeräte im Unternehmen lehnen die IT-Verantwortlichen eher ab. Eine Studie von Cisco IBSG ergab: Nur 52 Prozent sehen das BYOD-Phänomen als positive Entwicklung, weltweit sind es 80 Prozent. Die Gründe sind wie bei Cloud Computing Angst um die Sicherheit der Unternehmensnetzwerke.

Beide Trends stoßen in Deutschland eher auf Missbilligung. Und beide Trends hängen zusammen. Die CDW-Studie "State of Cloud 2013" ergab einen wenig überraschenden Zusammenhang: Die zunehmende Nutzung von privaten Mobilgeräten bedeutet auch, dass von den Mitarbeitern anfangs privat genutzte Cloud-Dienste die Unternehmen erobern.

Drei Viertel der von CDW befragten IT-Verantwortlichen betonen, dass die private Nutzung der Mobile Cloud einen deutlichen Einfluss auf die Entscheidungen in Sachen Cloud Computing hatte. In den Unternehmen steigt seit mehreren Jahren die Nachfrage nach Cloud-Diensten.

Dabei verschwindet Zug um Zug der Einfluss der IT auf die Entscheidungen der Fachbereiche. Etwa ein Viertel aller Bestellungen für Cloud-Dienste geschahen ohne Rücksprache mit der IT. Dies ist übrigens ein weiterer Grund für die Skepsis der CIOs: Sie befürchten - mit Recht - einen Bedeutungsverlust der IT-Organisation.

Kurz und gut: In vielen Unternehmen gibt es einen starken Druck der Anwender, populäre Dienste aus der mobilen Wolke einzusetzen. In Deutschland dürfte dieser Druck allerdings nicht so stark ausfallen, denn eher wenige Leute kennen oder nutzen diese Dienste.

Das ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag von Kabel Deutschland. In Zahlen: 82 Prozent der befragten Internetnutzer geben an, keine Cloud-Dienste zu nutzen und 21 Prozent wissen mit dem Begriff "Cloud" erst gar nichts anzufangen.

Das eher schlechte Image der Cloud ist wohl auch eine Folge gegenseitiger Bestärkung. Weil Mitarbeiter die Cloud nicht einfordern, wird das Thema vorwiegend unter den Sicherheitsbedenken der CIOs behandelt. Und weil Unternehmen ihren Mitarbeitern ausschließlich Vorbehalte vermitteln, überträgt sich der Argwohn auch auf die private Nutzung.

Cloud-Dienste haben es da schwer, sich durchzusetzen. Immerhin: Online-Speicherdienste sind noch die am meisten eingesetzten Services. Kabel Deutschland interpretiert dies als positives Anzeichen und sieht Entwicklungspotenzial für entsprechende Dienste.

Bildquelle: Axel Hopfmann / pixelio.de

 

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