Blockchain in der deutschen Verwaltung

Noch viel Luft nach oben

Einer aktuellen Befragung zufolge sehen Experten den überwiegenden Nutzen der Blockchain-Technologie für die Verwaltung. Allerdings investiere die öffentliche Hand noch zögerlich.

Bunter Heißluftballon fliegt nach oben

Für die Nutzung der Blockchain-Technologie in der öffentlichen Verwaltung gibt es noch viel Luft nach oben.

Die Bundesregierung bekennt sich im Koalitionsvertrag eindeutig zur Blockchain-Technologie. Doch knapp ein Jahr nach Unterzeichnung der Verträge zeigt die Realität, dass die Umsetzung von Blockchain-Projekten noch zögerlich angegangen wird. Die jüngste Befragung der Management- und Technologieberatung Bearingpoint unter Verwaltungsexperten verdeutlicht nun, wie zurückhaltend die öffentliche Hand das Thema in der Umsetzung bewertet.

Demnach gaben 62 Prozent der Befragten aus der öffentlichen Verwaltung an, dass für sie das Thema Blockchain unbekannt bzw. völlig unbekannt sei. 24 Prozent haben sich nach eigenen Angaben bereits mit dem Thema beschäftigt und fünf Prozent bezeichnen sich als Experten. „Vorsichtig ausgedrückt: Der Wissensstand ist ausbaufähig“, betont Alexander Schmid, Partner bei Bearingpoint, mit Blick auf die Ergebnisse der Befragung und ergänzt: „Innovationen in der Verwaltungsmodernisierung benötigen Zeit. Bevor eine Entscheidung zum Nutzen getroffen werden kann, braucht es aber Wissen und Verständnis zu den Möglichkeiten. Hier gilt es, gezielt anzusetzen.“

Der Nutzen der Blockchain-Technologie

Typische Anwendungsfälle, in denen mittels Blockchain ein hoher Nutzen generiert werden kann, sind zum Beispiel das Management öffentlicher Finanzen auch über Behördengrenzen hinweg, komplexe Genehmigungsverfahren – etwa im Kfz-Wesen – oder auch die Datenübermittlung im Gesundheitswesen. Doch wird nach dem Potential gefragt, zeigt sich bei den Verwaltungsmitarbeitern ein differenziertes Bild. Während 38 Prozent einen großen bzw. sehr großen Nutzen von Blockchain für die öffentliche Verwaltung allgemein sehen, so beurteilen nur 29 Prozent Blockchain als nützlich für die eigene Organisation. Auffallend ist zudem, dass jeweils rund ein Drittel der Befragten den Nutzen gar nicht einschätzen kann. Als die wichtigsten Nutzenaspekte der Blockchain werden von den Befragten die Unverfälschbarkeit von Daten (48 Prozent), die Beschleunigung von Geschäftsprozessen (48 Prozent) sowie die Transparenz von Geschäftsprozessen (43 Prozent) genannt.

Bislang noch kaum Investitionen

Am geringsten ist die Auseinandersetzung mit Blockchain nach Einschätzung der Befragten im Haushaltsbereich. „Das ist ein klarer Indikator dafür, dass in das Thema Blockchain noch kaum Mittel investiert werden. Wir stellen jedoch fest, dass sich der Trend ändert und beispielsweise mit der Blockchain-Strategie des Bundes verwaltungsintern immer mehr Einsatzbereiche diskutiert werden“, so Schmid. „Das ist ein interessanter und durchaus positiv zu wertender zeitlicher Zusammenhang zu den Marktpreisen für Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICO), die im Gegensatz dazu gegen Ende 2018 ja deutlich eingebrochen sind. Während die reinen Spekulanten und ‚schwachen Hände‘ den Markt verlassen, setzen sich nun immer mehr Marktakteure produktiv mit der Technologie auseinander – so auch die öffentliche Verwaltung“, ergänzt Dr. Robert Bosch, ebenfalls Partner bei Bearingpoint.

Es überrascht nicht, dass es aktuell vor allem die Fach- und IT-Bereiche sind, die sich laut Befragung mit der Blockchain beschäftigen, während sich auf Leitungs- und Organisationsebene nur sehr wenige Mitarbeiter aktiv mit dem Thema auseinandersetzen. Wie im Rest der Gesellschaft, gehe die Blockchain-Technologie also auch in der öffentlichen Verwaltung eher von einer Graswurzelbewegung aus, als dass sie von oben herab verordnet würde, heißt es weiter. Die Befragung zeige überdies, dass IT-Wissen zu Aufbau und Wirkweise von Blockchains stärker mit möglichen Anwendungsfällen in den Fachabteilungen der Ministerien und Behörden zusammenbracht werden muss. Eine unzureichende Kommunikation zwischen IT- und Fachabteilung hingegen führe zu Missverständnissen und Verzögerungen in der Diskussion über Einsatzmöglichkeiten und Nutzen.

„Die vorsichtigen Schritte im Neuland zeigen, wie schwer sich die deutsche Verwaltung tut. ‚Wir sind ja hier nicht in Ouagadougou‘, sagte mal ein früherer Finanzminister. Was in Deutschland seine Zeit braucht, geht allerdings andernorts manchmal schneller. In der Hauptstadt von Burkina Faso unterstützen wir derzeit das dortige Finanzministerium in einem Pilotprojekt zum Einsatz der Blockchain-Technologie zur besseren Steuerung von Entwicklungsgeldern. Die Verantwortlichen im burkinischen Finanzministerium treiben das Projekt mit Blick auf den Nutzen für ihre Verwaltung voran. Durch das zugehörige Veränderungsmanagement im Projekt sichert sich die burkinische Verwaltung auch die notwendige Akzeptanz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber der neuen Technologie“, berichtet Alexander Schmid abschließend.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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