RZ-Energieeffizienz: Interview mit Norbert Rosebrock, BTC

Nutzung erneuerbarer Energien steigt

Mit gezielten Maßnahmen und Umstrukturierungen lässt sich im Rechenzentrum eine Menge Energie einsparen. Norbert Rosebrock, Prokurist bei der BTC IT Services GmbH, berichtet im Interview, wie es RZ-Betreibern gelingt die CO²-Emmission zu senken und gleichzeitig Kosten zu sparen.

Norbert Rosebrock, Prokurist bei der BTC IT Services GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Rosebrock, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu gar nicht von Einsparungen betroffen?
N.
Rosebrock: Das Einsparpotential fokussiert sich auf die Bereiche Server, Netzwerk und Storage sowie auf die Kühlung und Belüftung der Rechenzentren. Hinsichtlich der Servertechnologie arbeiten die Hersteller von Standard-Industrieservern bereits seit längerem an energieeffizienten Modellen. Nur auf Servertechnologie abzuheben, greift jedoch zu kurz: Ein angemessener Grad an Virtualisierung und ein lastgesteuerter Einsatz der Technologie hilft, Green IT intelligent voranzubringen.
Weniger betroffen sind zum Beispiel Aspekte des Brandschutzes.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
N.
Rosebrock: Das ist abhängig von der Ausgangssituation, Werte von über 50 Prozent sind durchaus realistisch.

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes  Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
N.
Rosebrock: Bereits bei der projektorientierten Planung sollten alle baulichen und infrastrukturellen Aspekte von Energieeffizienz berücksichtigt werden. Auch hier ist es sinnvoll, über die Grenzen eines isolierten Rechenzentrums hinauszudenken. So sollten Aspekte einfließen, welche die Vorteile einer rechenzentrumsübergreifenden Erbringung von IT-Services ermöglichen. Bei einem Umbau hängen die Planungsschritte von der Ausgangssituation ab, bis hin zu der Fragestellung, ob ein Neubau trotz hoher Investitionskosten eine Alternative darstellt oder in einem Co-Locate-Modell ein Einmieten in energieeffiziente, bestehende Rechenzentren sinnvoll ist.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten sind Umbauarbeiten verbunden?
N.
Rosebrock: Die Kosten für einen Umbau hängen von der Ist-Situation des Rechenzentrums ab. Gebäudebauliche Kostenanteile spielen neben infrastrukturellen Anteilen für Klima, Notstromversorgung, USV, Belüftung, Zugangsschutz und Brandschutz eine wichtige Rolle.

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energien für den Betrieb ihres Data Center?
N.
Rosebrock: Die BTC IT Services GmbH bezieht bereits seit einigen Jahren TÜV-zertifizierten Strom ausschließlich aus regenerativen Quellen und leistet damit ein Beitrag für die Reduzierung des CO²-Footprints.
Nach unseren Beobachtungen ist die Tendenz der Nutzung erneuerbarer Energien für Rechenzentren in Deutschland steigend.

IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?
N.
Rosebrock: Dies ermöglicht zum Beispiel eine TÜV-Zertifizierung („Energieeffizientes Unternehmen – Rechenzentrum“). Ebenso wird der „Blaue Engel“ für Rechenzentren verliehen.

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in Ihrem Rechenzentrum sorgen?
N.
Rosebrock: Die wesentlichen Maßnahmen können wir – auch durch unsere Mitwirkung im Projekt IT2Green des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie – wie folgt beschreiben:

  • Konsolidierung durch konvergente Virtualisierung in den Bereichen Server, Storage und Netzwerk
  • Investitionsmanagement für energieeffiziente Beschaffung
  • Energie- und ressourceneffizientes Monitoring
  • Intelligentes Last- und Powermanagement

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum, welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf? Welchen Wert streben Sie künftig an?
N.
Rosebrock: Der derzeitige PUE-Wert liegt bei ca.1,8. Künftig wird ein Wert von etwa 1,1 angestrebt.

IT-DIRECTOR: Wie viel Energie konnten Sie mit Ihren Maßnahmen in den letzten beiden Jahren einsparen?
N.
Rosebrock: Durch Einzelmaßnahmen konnten bisher ca. 25 Prozent eingespart werden, je nach Betrachtung des Scopes. Die Optimierungsmaßnahmen laufen jedoch noch weiter.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums gewährleisten? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
N.
Rosebrock: Dies kann durch rechenzentrumübergreifendes Last- und Powermanagement über mindestens zwei Standorte, unter Einbeziehung aller relevanten SLA-Parameter erfolgen.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
N.
Rosebrock: Diese Herausforderung lässt sich durch eine gewerkeübergreifende Steuerung, wie sie im AC4DC-Projekt entwickelt wurde, lösen (u.a. die Einführung adaptiver USV-Systeme)


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